Solidaritätsbesuch

Bundeskanzler Scholz in Israel eingetroffen

Bundeskanzler Olaf Scholz wurde am Flughafen von Israels Außenminister Eli Cohen begrüßt Foto: Shlomi Amsallem/Israelisches Außenministerium

Zehn Tage nach dem verheerenden Terrorangriff der Hamas hat Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) am Dienstag Israel besucht, um die deutsche Solidarität mit dem attackierten Land zu unterstreichen. Auf dem Programm standen Gespräche mit Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, Präsident Isaac Herzog und Angehörigen deutscher Geiseln der Hamas, die in den Gaza-Streifen verschleppt wurden. Anschließend wollte Scholz noch Abend nach Ägypten weiterreisen, das als einziges Nachbarland Israels direkt an den Gaza-Streifen grenzt.

Neben der Unterstützung Israels im Kampf gegen die Hamas geht es Scholz bei seiner zweitägigen Nahost-Reise vor allem darum, der Gefahr eines Flächenbrands in der Region entgegenzuwirken. »Gemeinsam mit unseren Verbündeten setzen wir uns als Bundesregierung mit aller Kraft dafür ein, dass dieser Konflikt nicht weit eskaliert«, sagte er kurz vor seinem Abflug. Die libanesische Hisbollah und den Iran warnte er eindringlich davor, in den Konflikt einzugreifen.

Herzog: »Eine große Botschaft der Hoffnung«

Der israelische Präsident Izchak Herzog nannte den Besuch des Kanzlers gegenüber der Deutschen Presse-Agentur »eine große Botschaft der Hoffnung« und einen »enormen Ausdruck an Solidarität«. Scholz sei ein großer Freund Israels. Generell sei die Unterstützung der gesamten deutschen Führung »unglaublich«.

Dass Scholz nun nach Israel reist, kommt nicht von ungefähr. Deutschland hat wegen der Ermordung von sechs Millionen Juden im Holocaust eine besondere Verantwortung für die Sicherheit Israels. Die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sie 2008 zur Staatsräson erklärt. Scholz hat sich das zu eigen gemacht. Jetzt gilt es zu zeigen, was Staatsräson bei einem konkreten Angriff bedeutet.

Und da will sich Scholz auch nicht wieder Zögerlichkeit vorwerfen lassen wie nach dem russischen Angriff auf die Ukraine. Damals dauerte es fast vier Monate, bis er sich mit dem Zug nach Kiew aufmachte. Zu diesem Zeitpunkt waren schon etliche Staats- und Regierungschefs und selbst Oppositionsführer Friedrich Merz (CDU) dort. Jetzt gehört er zu den ersten.

Deutsche Rückendeckung für Militärschläge gegen die Hamas

Israel erwartet von ihm vor allem Rückendeckung für ihre Militärschläge gegen die Hamas. Die hat Scholz in den letzten Tagen auch immer wieder mit klaren Worten erneuert. »Der Überfall der Hamas war ein terroristischer Akt, der unverantwortlich war, der furchtbare Konsequenzen hat, der unglaublich viele Menschen getötet hat und unglaublich viele erniedrigt. Und deshalb hat Israel jedes Recht, sich selbst zu verteidigen«, sagte er am Abend vor seinem Abflug.

Militärische Unterstützung erwarten die Israelis von Deutschland dagegen bisher kaum. Zwei geleaste israelische Drohnen, die auch bewaffnet werden können, wurden von der Bundeswehr zurückgegeben. Einen Antrag auf Lieferung von Munition für Kriegsschiffe hat Israel nach Angaben der Bundesregierung inzwischen wieder zurückgestellt.

Scholz will humanitären Zugang zum Gazastreifen

Konkret geht es nun vor allem um humanitäre Hilfe für die Menschen im Gazastreifen, die von Israel vor einer möglichen Bodenoffensive zu Hunderttausenden zur Flucht aufgefordert wurden. Scholz betonte am Dienstag, dass Deutschland weiter solche Hilfe für die notleidenden Menschen in Gaza leisten werde. Und er sagte: »Wir setzen uns dafür ein, dass es einen humanitären Zugang zum Gazastreifen gibt.« Das soll auch ein Schwerpunkt sein, wenn US-Präsident Joe Biden am Mittwoch nach Israel kommt.

Nicht zuletzt geht es Scholz bei seiner Nahost-Mission um die Freilassung der rund 200 in den Gazastreifen verschleppten Geiseln der Hamas - darunter sind mehrere Deutsche, zu denen die Bundesregierung keinen Kontakt hat. Scholz hat dazu schon in den letzten Tagen Gespräche mit den Staatschefs von Katar, Ägypten und der Türkei geführt - alles Länder, von denen sich der Kanzler Einfluss auf die Hamas verspricht.

Besuchsprogramm beschränkt sich auf Tel Aviv

Für Scholz ist es der zweite Besuch in Israel nach seinem Antrittsbesuch. Damals besuchte er auch die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem. Durch die Attacke der Hamas fühlen sich Israelis an den Völkermord von damals erinnert. Seitdem seien nicht mehr so viele Juden und Jüdinnen an einem Tag getötet worden, sagte Herzog der dpa. »Die Bilder, die wir gesehen haben, erinnerten uns an die schrecklichen Tage in der Vergangenheit.«

Jerusalem stand diesmal nicht auf dem Programm des Kanzlers. Der Besuch, für den nur sechs Stunden vorgesehen waren, beschränkte sich auf Tel Aviv. Die Metropole am Mittelmeer gilt als verhältnismäßig sicher. Seit der Attacke der Hamas schlugen hier nur wenige Raketen ein, es gab keine Toten oder Verletzten.

Es kommt jedoch auch hier täglich mehrmals zu Raketenalarm. Auch während des Besuchs von Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) sowie EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen heulten die Sirenen. Beide mussten sich in einen Schutzraum begeben.

Teheran

Trotz Angriffen: Iran mobilisiert zu Al‑Kuds‑Protesten

Zum Ende des Fastenmonats Ramadan findet im Iran immer eine staatlich-inszenierte Großdemonstration gegen Israel statt. Die Führung rief die Bevölkerung auf, es dem »Feind« zu zeigen

 13.03.2026

Andenes

Kanzler Merz sieht keinen Anlass für Militäreinsatz in Straße von Hormus

Der französische Präsident treibt die Idee eines Militäreinsatzes zum Schutz von Öltankern und Handelsschiffen in der Straße von Hormus voran. Kanzler Merz ist da deutlich zurückhaltender

 13.03.2026

Washington D.C.

»Schaut mal, was heute mit diesen geistesgestörten Drecksäcken passiert«

»Wir verfügen über beispiellose Feuerkraft, unbegrenzte Munition und viel Zeit«, schreibt der amerikanische Präsident auf seiner Plattform Truth Social

 13.03.2026

Maskat

Bericht: Tote und Verletzte durch Drohne im Oman

Woher die Drohnen kamen, war zunächst nicht bekannt. Trotz Vermittlungsbemühungen wurde der Oman mehrfach zum Ziel iranischer Angriffe

 13.03.2026

Meinung

Iran: Der Verrat des Westens

Die Islamische Republik ist angeschlagen, doch ihre Unterstützer im Westen sind nach wie vor aktiv

von Jacques Abramowicz  13.03.2026

Paris

Nationaler Widerstandsrat will Übergangsregierung im Iran stellen

Die Gruppe exilierter Iraner will nach dem Sturz der Mullahs innerhalb von sechs Monaten Wahlen durchführen. Der Widerstandsrat ist jedoch höchst umstritten

 13.03.2026

Nahost

US-Tankflugzeug bei Einsatz im Irak abgestürzt

Vier der fünf Crew-Mitglieder starben

 13.03.2026

Incirlik

Iranische Rakete auf NATO-Stützpunkt in der Türkei abgefeuert

Als Reaktion auf die wachsende Bedrohung verstärkt die Allianz ihre Luftverteidigung in der Region. Ankara droht derweil dem Regime in Teheran

 13.03.2026

Analyse

Der strategische Fehler Teherans – und die Chance auf eine neue Ordnung im Nahen Osten

Wie der Krieg gegen das iranische Regime die Machtverhältnisse der Region dauerhaft verändern könnte

von Sacha Stawski  13.03.2026