Antisemitismus

Bund-Länder-Kommission konstituiert sich

Antisemitismusbeauftragter der Bundesregierung, Felix Klein Foto: imago

In Berlin kommt am morgigen Mittwoch die Bund-Länder-Kommission zur Bekämpfung von Antisemitismus und zum Schutz jüdischen Lebens zu ihrer konstituierenden Sitzung zusammen. Felix Klein, der Beauftragte der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus, sagte der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung« (Mittwoch), in der Konferenz zeige sich, »dass Bund und Länder bei diesem Thema an einem Strang ziehen«.

Klein bezeichnete das Zustandekommen der Kommission, deren Einrichtung am 9. Mai 2019 von den Leitern der Staatskanzleien und Bundeskanzlerin Angela Merkel vereinbart und deren Einsetzung am 6. Juni 2019 beschlossen worden war, als »echten Erfolg« und bisherigen Höhepunkt seiner seit Mai 2018 währenden Amtszeit.

THEMEN Die Länder werden in der Kommission durch ihre Antisemitismusbeauftragten oder durch mit der Aufgabe betraute Ansprechpartner vertreten. In der konstituierenden Sitzung am Mittwoch geht es laut Klein darum, sich über die Grundlagen der gemeinsamen Arbeit in diesem Gremium abzustimmen und sich über die konkreten Themen zu verständigen.

Klein bezeichnete das Zustandekommen der Kommission als »echten Erfolg« und bisherigen Höhepunkt seiner Amtszeit.

»Der Schulterschluss mit den Ländern ist deshalb so wichtig, weil etwa 80 Prozent der Handlungsfelder bei der Bekämpfung von Hass gegen Juden in ihrer Zuständigkeit liegen, etwa Bildung, Prävention und Interventionsmöglichkeiten im Schul- und Universitätsbereich sowie ein Großteil der polizeilichen Präventionsmaßnahmen sowie Angelegenheiten der Strafverfolgung und des Strafvollzugs«, so der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung.

Es sei beabsichtigt, dass das Gremium zwei Mal im Jahr zusammenkommt. Den Vorsitz sollen demnach Klein und ein jeweils wechselnder Kovorsitzender eines Bundeslandes führen.

FAZ-INTERVIEW Der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung« (Mittwochsausgabe) sagte Felix Klein, dass die Bundesrepublik 70 Jahre nach ihrer Gründung in Sachen »Erinnerungskultur« gut aufgestellt sei. Eine sich verändernde Zusammensetzung der Gesellschaft und die Tatsache, dass bald keine Zeitzeugen mehr leben, habe allerdings Auswirkungen, gab der allerdings zu bedenken. Nötig seien neue Formen der Erinnerung, die etwa auch geeignet seien, »Brücken zu schlagen zu Menschen mit Migrationshintergrund«.

Dass Hass auf Israel in vielen Heimatländern der seit 2015 nach Deutschland gekommenen Migranten Staatsdoktrin sei, bezeichnet Klein als eine große Herausforderung.

Als Beispiel nannte Klein den ägyptischen Arzt Mohamed Helmy, der während des Zweiten Weltkriegs Juden in Berlin versteckte und den die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem 2013 als ersten Araber als »Gerechten unter den Völkern« auszeichnete. »Mit solchen Menschen können sich auch Muslime identifizieren«, so Klein, der generell dafür plädierte, vermehrt auch diejenigen in den Blick zu nehmen, »die damals das Richtige getan haben«.

ISRAEL Die Aufgabe, die Erinnerung zu bewahren, so machte der 51 Jahre alte Jurist deutlich, betreffe die ganze Gesellschaft. Gleiches gelte für den Kampf gegen Antisemitismus - in allen seinen Formen. Die dahinterstehende Ideologie sei stets die gleiche, »sie sucht sich nur neue Formen und neue Projektionsflächen«.

So stelle Israel-Hass inzwischen »die am weitesten verbreitete Form des Antisemitismus in Deutschland und Europa« dar. Dass diese Einstellung in vielen Heimatländern der seit 2015 nach Deutschland gekommenen Migranten Staatsdoktrin sei, bezeichnete Klein als eine große Herausforderung. Zugleich warnte er davor, Migranten unter Generalverdacht zu stellen.  kna/ja

Stuttgart

»Der Nationalsozialismus war wunderschön«: AfD-Gemeinderat droht Parteiausschluss

Niels Foitzik behauptete in Videos, unter Adolf Hitler sei jeder willkommen und wertgeschätzt gewesen. Sein Landesverband will ihn ausschließen. Nach wie vor ist er Stadtrat der AfD

 07.05.2026

Hamburg

»Nakba«-Protestcamp am Ort der Judendeportation?

Auf dem ehemaligen Juden-Sammelplatz soll wieder ein antiisraelisches Camp errichtet werden. Die Jüdische Gemeinde und die Stadt Hamburg fordern die Verlegung an einen anderen Ort

von Michael Thaidigsmann  07.05.2026

Berlin

Wegner: Kannte Liste mit Antisemitismus-Projekten nicht

Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson war im Zusammenhang mit der umstrittenen Vergabe von Fördermitteln zurückgetreten. Der Regierende Bürgermeister wusste laut eigener Aussage über einen wichtigen Aspekt nicht Bescheid

 07.05.2026

München

»Hitlergruß«-Collage? AfD-Politiker Bystron freigesprochen

AfD-Mann Bystron teilt in sozialen Medien eine Fotomontage - unter anderem mit Angela Merkel mit ausgestrecktem Arm. Strafbar? Geschmacklos? Das Landgericht sieht die Sache anders als die Vorinstanz

 07.05.2026

Redaktion

Die Menschen hinter der Jüdischen Allgemeinen

Wer textet und redigiert, gestaltet, illustriert und organisiert heute die Jüdische Allgemeine? 19 Menschen, neun Ressorts – wir stellen uns vor

 07.05.2026

Bayern

»Antisemitismus ohne mich«: Parteiübergreifende Kampagne

Landtagspräsidentin Ilse Aigner, Ministerpräsident Markus Söder sowie die Landtagsabgeordneten von CSU, Grünen, Freien Wählern und SPD nehmen Teil

 07.05.2026

Sachsen-Anhalt

Umfrage zur Landtagswahl: Rechtsextreme AfD stärkste Kraft

Die selbsternannte »Alternative« baut ihren Vorsprung zur CDU vor der Landtagswahl aus. Das zeigt eine Umfrage von Infratest dimap. BSW, Grüne und FDP wären nicht im mehr Landtag

 07.05.2026

Berlin

Gericht stoppt geplante Abschiebung israelfeindlicher Aktivistin aus Irland

Im Oktober 2024 dringen 20 Aktivisten in das Präsidium der Hochschule ein, beschädigten Büros und verletzten mindestens einen Mitarbeiter. Die Irin soll dabei gewesen sein

 07.05.2026

Meinung

Die Angst, als Jude erkannt zu werden

Der Lagebericht des Zentralrats offenbart, wie unsicher sich Juden in Deutschland fühlen. Eine Gemeindevorsitzende beschreibt, was das für den Alltag der jüdischen Gemeinschaft bedeutet

von Jeanne Bakal  07.05.2026