Potsdam

BSW vor Zerreißprobe: Dorst stellt Parteiverbleib infrage

Christian Dorst (BSW) Foto: picture alliance/dpa

Der Brandenburger Landtagsabgeordnete Christian Dorst sorgt erneut für Unruhe im ohnehin angeschlagenen Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW). Wie der »Tagesspiegel« berichtet, schließt Dorst einen Austritt aus der Partei nicht mehr aus. Am Wochenende war er bereits als stellvertretender Vorsitzender der Regierungsfraktion zurückgetreten – nachdem er einen AfD-Politiker verteidigt hatte, der mit relativierenden Aussagen zum Holocaust aufgefallen war.

Damit wächst der Druck auf das ohnehin fragile Regierungsbündnis aus SPD und BSW unter Ministerpräsident Dietmar Woidke. Bei nur zwei Stimmen Mehrheit im Landtag könnte jeder Bruch in der BSW-Fraktion das Ende der Koalition bedeuten.

In einem Beitrag auf X erklärte Dorst, die öffentliche Distanzierung der scheidenden Parteivorsitzenden Sahra Wagenknecht habe ihn »heftig ins Wanken« gebracht. Wagenknecht hatte seinen Rücktritt zuvor im Fernsehen als »überfälligen Schritt« bezeichnet. Sie kritisierte, Dorst habe mit der Verteidigung des AfD-Politikers Ulrich Siegmund eine rote Linie überschritten.

BSW-Parteispitze stellt sich vor Dorst

Dorst schrieb, er habe sich bislang in einer Partei für »Freigeister« gesehen. Nun aber stelle sich ihm die Frage, ob er dort weiterhin aufgehoben sei. Manches habe ihn in den vergangenen Monaten »an innere Grenzen« geführt.

Lesen Sie auch

Während Wagenknecht auf Bundesebene klare Worte fand, verteidigte die Landesführung Dorst teilweise. In einer gemeinsamen Stellungnahme betonten Landeschefin Friederike Benda, Fraktionschef Niels-Olaf Lüders und Geschäftsführer Falk Peschel, Dorst habe »die Singularität der Schoa nicht infrage gestellt«. Die Behauptung, er habe den Holocaust relativiert, sei »falsch«.

Auffällig ist jedoch: In ihrer Erklärung geht die Landesführung nicht darauf ein, dass Dorst die Aussagen des AfD-Politikers verteidigt und zugleich den Präsidenten des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, attackiert hatte. Lüders sagte zudem, Wagenknecht »benenne die Dinge aus einer gewissen Ferne«.

AfD wittert Chance

Mit Dorst und dem als unberechenbar geltenden Abgeordneten Sven Hornauf bröckelt die bisher knappe Mehrheit der SPD/BSW-Koalition. Beobachter schließen auch nicht aus, dass Dorst zur AfD wechseln könnte.

Die rechtsextremistische AfD nutzt die Situation für scharfe Angriffe. Fraktionschef Hans-Christoph Berndt erklärte, die Koalition habe de facto keine Mehrheit mehr. Dorst und Siegmund hätten »anständig und klug« gehandelt, behauptete er – und forderte Ministerpräsident Woidke auf, die Koalition zu beenden oder die Vertrauensfrage zu stellen.

Die SPD hält an der Koalition fest, die CDU lehnt Gespräche über eine mögliche Minderheitsregierung bisher ab. CDU-Fraktionschef Jan Redmann bezeichnete das BSW als »lose Schüttung«, in der es sowohl verlässliche als auch »andere« Akteure gebe.

Währenddessen versucht der BSW-Landesverband, sich eindeutig zur historischen Verantwortung Deutschlands zu positionieren. Man halte daran fest, dass der Holocaust ein »singulärer Zivilisationsbruch« sei, dessen Relativierung keinen Platz in der Partei habe. Ob diese Klarstellung ausreicht, das angeschlagene Bündnis zu stabilisieren, ist offen. im

Kolumbien

Knapper Wahlsieg, dramatischer Kurswechsel?

Der knapp zum kolumbianischen Präsidenten gewählte Abelardo de la Espriella will die Beziehungen zu Israel kitten - doch de la Espriella ist wie sein Vorgänger Gustavo Petro sehr umstritten

von Michael Thaidigsmann  24.06.2026

Berlin

Mahnmal für ermordete Zeugen Jehovas eingeweiht

Eine bronzene Stele am Goldfischteich im Tiergarten soll an die 15.000 Frauen und Männer erinnern, die von den Nationalsozialisten verfolgt wurden

von Linn Manegold  24.06.2026

Essay

Das Kopftuch, der Zwang und die Freiheit

Die radikalen Kräfte in der muslimischen Community bestimmen zunehmend den Kurs. Wenn dies ohne Gegenwehr von den moderaten Kräften hingenommen wird, ist irgendwann der Kipppunkt erreicht

von Daniel Neumann  24.06.2026

Kontrolle

IAEA-Chef: Inspektionen im Iran werden kommen

Der Chef der UN-Atomwächter stellt klar: Die Überwachung von Atomanlagen ist Teil des US-iranischen Rahmenabkommens. Doch wann und wie IAEA-Fachleute im Iran tätig werden, bleibt vorerst unklar

 24.06.2026

Meinung

Wie Israel zum Juden unter den Staaten gemacht wird

Antisemitismus zeichnet sich dadurch aus, dass er keine empirischen Grundlagen braucht, um zu existieren - weder in der UN noch anderswo

von Jacques Abramowicz  24.06.2026

Dresden

Sachsen erwägt Verbindungsbüro in Israel

Das sächsische Kabinett stehe seiner Anregung dazu positiv gegenüber, sagt der Beauftragte für jüdisches Leben, Thomas Feist

 24.06.2026

Abu Dhabi

Zugang für IAEA-Inspekteure: Marco Rubio widerspricht Teheraner Regime

Der US-Außenminister spricht auch die Situation in der Straße von Hormus an: »Kein Land darf Gebühren oder Maut für eine internationale Wasserstraße verlangen.«

 24.06.2026

Washington D.C.

US-Senat fordert Ende des Iran-Krieges und stellt sich gegen Trump

Die Resolution wird mit 50 zu 48 Stimmen angenommen. Vier republikanische Senatoren schließen sich fast allen Demokraten an

 24.06.2026

Nahost

Mehr als Tausend Schiffe sitzen im Persischen Golf fest

Die USA und der Iran haben sich nach dreieinhalb Monaten Krieg auf ein Rahmenabkommen geeinigt - doch für viele der im Persischen Golf festsitzenden Schiffe hat der quälende Stillstand kein Ende

 24.06.2026