Jackson

Brandanschlag auf Synagoge in Mississippi

Die Synagoge der Gemeinde »Beth Israel« wurde bei dem Brand schwer beschädigt. Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Ein Brandanschlag hat die Synagoge der Gemeinde »Beth Israel« in Jackson im US-Bundesstaat Mississippi schwer beschädigt. Die Feuerwehr geht von vorsätzlicher Brandstiftung aus. Ein Tatverdächtiger wurde festgenommen und wegen Brandstiftung angeklagt. Neben der Stadtpolizei ermitteln auch Bundesbehörden, darunter das FBI und die Behörde für Alkohol, Tabak, Schusswaffen und Sprengstoffe.

Das Feuer brach in den frühen Morgenstunden am Samstag (Ortszeit) aus und wurde kurz nach 3 Uhr gemeldet. Besonders schwer betroffen ist die Bibliothek der Synagoge, in der der Brand gelegt worden sein soll. »Der gesamte Inhalt der Bibliothek ist zerstört. Es gibt dort praktisch nichts, was noch gerettet werden kann«, sagte der Leiter der Brandermittlungen der Feuerwehr von Jackson, Charles Felton. Andere Gebäudeteile seien vor allem durch Rauch und Ruß beschädigt worden.

Der Präsident der Gemeinde, Zach Shemper, zeigte sich erschüttert. »Verrückte Dinge passieren überall auf der Welt, und nichts fühlt sich wirklich real an, bis es direkt einen selbst trifft«, sagte er. »Wenn es einen selbst trifft, ist es einfach schwer. Ehrlich gesagt versuche ich noch immer, das alles zu begreifen.« Zugleich betonte er die Resilienz der rund 150 Familien umfassenden Gemeinde.

Torarollen zerstört

Nach Angaben der Gemeinde wurden durch das Feuer zwei Torarollen vollständig zerstört, fünf weitere beschädigt. Eine besonders wertvolle Tora, die den Holocaust überstanden hatte, blieb unversehrt, da sie in einer Vitrine geschützt war. Ebenfalls zerstört wurde eine Gedenktafel, die an wichtige Lebensereignisse von Gemeindemitgliedern erinnerte. Neben der Bibliothek erlitten auch Verwaltungsräume und der Eingangsbereich erhebliche Schäden.

Lesen Sie auch

Überwachungsvideos zeigen laut Shemper einen Mann mit Kapuze und Maske, der eine Flüssigkeit aus einem Kanister im Inneren der Synagoge verteilt. Ermittler kamen dem Verdächtigen auf die Spur, nachdem ein örtliches Krankenhaus Hinweise gemeldet hatte. »Es gab einen Verdächtigen, der möglicherweise Verbrennungen hatte und sich in einem Krankenhaus befand«, sagte Felton. Dort habe man ihn befragt, und er habe eine Beteiligung an dem Feuer eingeräumt. Ob der Fall als Hassverbrechen eingestuft wird, prüfen nun die Bundesbehörden.

Die Gemeinde »Beth Israel« ist die einzige jüdische Gemeinde in Jackson und wurde bereits 1860 gegründet. Ihre Geschichte ist eng mit dem Kampf gegen Rassismus verbunden. 1967, auf dem Höhepunkt der Bürgerrechtsbewegung, wurde die Synagoge von Mitgliedern des Ku-Klux-Klan bombardiert, ebenso das Haus des damaligen Rabbiners, der sich öffentlich gegen Rassentrennung ausgesprochen hatte. In beiden Fällen kam niemand zu Schaden.

Unterstützung zugesichert

Der Bürgermeister von Jackson, John Horhn, sicherte der jüdischen Gemeinde Unterstützung zu. »Antisemitismus, Rassismus und religiöser Hass sind Angriffe auf Jackson als Ganzes und werden als Terrorakte gegen die Sicherheit unserer Bürger und die Freiheit der Religionsausübung behandelt«, erklärte er.

Trotz der Zerstörung blickt die Gemeinde nach vorn. »Mit der Unterstützung unserer Gemeinschaft werden wir wiederaufbauen«, erklärte Shemper. »Die Beth-Israel-Gemeinde ist seit über 160 Jahren das jüdische spirituelle Zuhause in Jackson. Wir sind erschüttert, aber bereit, neu zu beginnen.« Mehrere christliche Gemeinden haben bereits angeboten, ihre Räume vorübergehend für Gottesdienste zur Verfügung zu stellen. im

Bayern

Kommunen müssen Antisemitismus-Verdacht alleine prüfen

Wenn der Verdacht des Judenhasses aufkommt, können Bayerns Kommunen jetzt Veranstaltungen in ihren Räumen untersagen. Um Gerichtsverfahren zu vermeiden, hatten sie um Hilfe gebeten - vergeblich, wie sich nun zeigt

 12.01.2026

Argentinien

Antisemitische Verschwörungstheorien nach Waldbränden

Der ehemalige General César Milani beschuldigt »Israelis«, für die Brände verantwortlich zu sein. Präsident Javier Milei spricht in Zusammenhang mit den Verschwörungsmythen von der »dunklen Seite Argentiniens«

 12.01.2026

Washington D.C.

Trump an Antisemiten: »Ich denke, wir mögen sie nicht«

In einem Interview sagt der amerikanische Regierungschef auch: »Ich war der beste Präsident in der Geschichte der Vereinigten Staaten für Israel.«

 12.01.2026

Berlin/Jerusalem

Dobrindt: Mehr Kooperation mit Israel für Sicherheit Deutschlands

Der Brandanschlag auf das Stromnetz im Berliner Südwesten zeigt Schwachstellen in Deutschlands Sicherheit. Um besser aufgestellt zu sein, will die Bundesrepublik enger mit Israel zusammenarbeiten

 11.01.2026

Meinung

Wo bleibt Deutschlands Unterstützung für die protestierenden Iraner?

Bisher äußerte sich der Bundeskanzler schmallippig zu den Protesten gegen die Mullahs. Es wird Zeit, dass er aus Europa Druck auf die Mullahs macht

von Saba Farzan  11.01.2026

Kommentar

Ärzte mit Grenzen

Die Waffen schweigen weitgehend in Gaza, der Informationskrieg tobt weiter. Ein besonders niederträchtiges Beispiel liefert »Ärzte ohne Grenzen«

von Wolf J. Reuter  10.01.2026 Aktualisiert

Kommentar

Die Proteste im Iran und die blamable Berichterstattung von ARD und ZDF

Die Mullahs sollen weg, der Schah soll kommen: Dafür hat die Linke gerade keine Erklärung parat - und mit ihr auch nicht die links geprägten Redaktionen des Öffentlich-rechtlichen Rundfunks

von Christoph Lemmer  10.01.2026

Berlin

»Das Mullah-Regime muss jetzt fallen«

Zentralrat der Juden: Es braucht ein Ende der Zurückhaltung gegenüber Teheran - und ein klares politisches Signal aus Deutschland

 09.01.2026

Fernsehen

Jüdische Journalisten kritisieren Verpixelung von »Bring them Home!«-Kette

Der Verband JJJ fordert: Die »unpolitische, rein humanitäre Forderung« auf der Plakette eines Kochs muss sichtbar sein

 09.01.2026