Hessen

Brandanschlag auf Gießener Synagoge: Was bislang bekannt ist

Szene am Dienstagabend vor der Synagoge in Gießen Foto: IMAGO/5VISION.NEWS

Vor der Beith-Jaakov-Synagoge am Burggraben in der Gießener Innenstadt zündet ein Mann einen Altpapiercontainer an. Dann zeigt er mit dem linken Arm den Hitlergruß und ruft Schmährufe wie »Fuck Israel«. Auch wenn die genauen Hintergründe vom Staatsschutz der Polizei erst noch ermittelt werden: In der Jüdischen Gemeinde im mittelhessischen Gießen ist man sich sicher, am gestrigen Abend Opfer eines antisemitischen Brandanschlags geworden zu sein.

Am Dienstag gegen 20.35 Uhr geht bei der Polizei ein Notruf ein: Eine Mülltonne vor dem Gebäude der jüdischen Gemeinde sei in Brand gesteckt worden. Die Beamten fahren mit mehreren Streifenfahrzeugen zum Tatort.

Aufnahme einer Überwachungskamera, die den Täter zeigen, wie er den linken Arm zum Hitlergruß erhebt Foto: X.com

Der mutmaßliche Täter, laut Behörden ein 32-jähriger Deutscher, wird festgenommen. Am Mittwochnachmittag wurde er dem Haftrichter vorgeführt. Informationen der Jüdischen Allgemeinen zufolge wurde der Mann von mindestens einem Anwohner aus dem Gebäude gegenüber angesprochen und am Verlassen des Tatorts gehindert, bis die Polizeibeamten eintrafen.

Die Feuerwehr konnte das Feuer vor der Synagoge löschen. An einem Rollladen sowie am Eingangstor sei ein Sachschaden entstanden, so der Polizeibericht. Menschen wurden jedoch nicht verletzt. Allerdings wohnt die Hausmeisterin des Gemeindezentrums mit ihrem Mann in dem Gebäude und war zum Zeitpunkt des Anschlags auch zuhause.

»Es war nur eine Frage der Zeit«

Zu den mutmaßlichen Hintergründen und Motiven des Attentäters wollte sich ein Polizeisprecher auf Nachfrage noch nicht äußern. Es werde noch ermittelt. Allerdings hat die Polizei Informationen dieser Zeitung zufolge noch keine Indizien dafür, dass die Tat einen politischen Hintergrund hat.

Bilder und Videoclips von Überwachungskameras, die den Vorfall aufgezeichnet hatten, machten am Mittwoch in den sozialen Netzwerken die Runde. Für die orthodoxe Gemeinde in Mittelhessen, die knapp 300 Mitglieder zählt und überwiegend aus Zuwanderern aus den Staaten der früheren Sowjetunion besteht, war es der erste schwerwiegende Vorfall dieser Tragweite.

»Es war immer nur eine Frage der Zeit, bis auch hier etwas passieren würde«, sagte Vorstandsmitglied Lawrence de Donges-Amiss-Amiss der Jüdischen Allgemeinen. »Für uns alle, die wir als jüdische Menschen sehr sichtbar sind und täglich gegen Antisemitismus ankämpfen, hat sich das Leben in den letzten Jahren radikal verändert. Wir haben einen wunderbaren Polizeichef, der uns jede erdenkliche Unterstützung zukommen lässt. Aber das hessische Innenministerium sollte seinen Personenschutz für uns nach diesem Anschlag unverzüglich überdenken.«

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