Meinung

Bleibt standhaft und zeigt euren Protest

Felix Rottberger

Meinung

Bleibt standhaft und zeigt euren Protest

Wenn alle Menschen nach Frieden streben würden, wären Kriege und Hass schnell Geschichte

von Felix Rottberger  09.11.2023 01:24 Uhr

Ich hätte mir gewünscht, meinen Eltern noch viele Fragen stellen zu können. Aber ich bin 1936 geboren worden, sie sind längst verstorben. Meine Eltern flohen vor den Nazis aus Deutschland nach Island, das damals unter dänischer Flagge stand. Dort bin ich auf die Welt gekommen. Der erste auf der Insel geborene Jude.

Doch von den Isländern wurden wir wieder zurück nach Deutschland geschickt. Unser dänisches Kindermädchen auf Island gab meinen Eltern einen Zettel mit, auf dem der Kontakt einer Person stand, die uns in Dänemark helfen könnte. Alle Schiffe von Island nach Deutschland mussten in Dänemark einen Zwischenhalt einlegen. Dort kamen wir unter.

Doch als die Nazis einmarschierten, wurde es auch für uns gefährlich und wir mussten erneut flüchten. Wir konnten uns ins neutrale Schweden retten. Aber der Kapitän des Schiffs nahm nur unsere Eltern mit, nicht meine Geschwister und mich. So kamen wir auf einen Bauernhof, der zu einem Kinderheim umfunktioniert worden war. Das Kindermädchen aus Island hat unser Überleben möglich gemacht.

Auf dem Bauernhof gab es auch einen deutschen Soldaten, der meine Schwester entdeckte, aber nicht verriet. Nach anderthalb Jahren fanden uns meine Eltern und holten uns ab. Wir blieben noch zehn Jahre in Dänemark. Dann kamen wir nach Konstanz, wo wir wieder Antisemitismus erfuhren.

Nun finde ich es traurig, dass gerade mal 200 Leute sich an der Solidaritätsdemo für Israel beteiligen. Zu den pro-palästinensischen Demos kommen mehr. Ich habe keine Patentlösung dafür, damit sich die Geschichte nicht mehr wiederholt. Aber ich möchte allen sagen: Seid wachsam, bleibt standhaft und zeigt euren Protest. Wenn alle Menschen nach Frieden streben würden, wären Kriege und Hass schnell Geschichte.

Der Autor wurde 1936 in Island geboren, wohin seine Familie geflohen war. In dem Buch »Felix. Der lange Weg« hielt Simone Harre seine Biografie fest.

Wien

Antisemitismus am Denkmal für einen Antisemiten

Ausgerechnet am umstrittenen Denkmal für den einstigen Wiener Bürgermeister Karl Lueger ist es zu einem judenfeindlichen Eklat gekommen

 03.07.2026

Lettland

Deutsche Städte gedenken der nach Riga deportierten Juden

1941/42 wurden mehr als 25.000 Juden aus Deutschland und Österreich zur Vernichtung in die lettische Hauptstadt deportiert. Daran gedachten nun Vertreter aus 30 deutschen Städten

 03.07.2026

Karlsruhe

Waffen für Hamas? Verdächtiger nach Deutschland überstellt

Seit Monaten geht die Bundesanwaltschaft gegen mutmaßliche Hamas-Anhänger vor, die Waffen für die Organisation geschmuggelt haben soll. Ein weiterer Beschuldigter ist jetzt in deutscher U-Haft

 03.07.2026

Iran

Wollte Israel iranische Unterhändler töten?

Wie die »New York Times« berichtet, fürchtete die Trump-Administration bei den Iran-Verhandlungen die gezielte Tötung der iranischen Delegierten Abbas Araghchi und Mohammad Bagher Ghalibaf durch Israel

 03.07.2026

Studie

AJC warnt vor AfD-Regierungsübernahme

Zum AfD-Bundesparteitag hat das American Jewish Committee eine Analyse über den Landesverband in Sachsen-Anhalt veröffentlicht. Die Aussage ist eindeutig

 03.07.2026

Gesellschaft

Filmproduzentin Brauner: Erinnerungskultur ist gescheitert

Symbolpolitik statt echter Auseinandersetzung - Alice Brauner hält die deutsche Erinnerungskultur für gescheitert. Ihr neuer Film über Menschenversuche in Auschwitz soll die Vergangenheit schonungslos sichtbar machen

von Hannah Krewer  03.07.2026

Vereinigte Staaten

Trump: »Warum Juden Demokraten wählen, ist mir ein Rätsel«

Im CNBC-Interview hat sich der US-Präsident erneut abschätzig über amerikanische Juden geäußert, die seine Politik nicht goutieren

 03.07.2026

Iran

Trauerfeierlichkeiten für Ajatollah Chamenei beginnen Samstag

Rund vier Monate nach seiner Tötung soll Irans Staatsoberhaupt Ajatollah Ali Chamenei beerdigt werden. Mehrere Tage lang herrscht dafür im Iran Ausnahmezustand

 03.07.2026

Interview

»Ich nehme die Kritik sehr ernst«

Felix Klein, Beauftragter der Bundesregierung gegen Antisemitismus, wechselt nach Paris. Im Interview blickt er zurück und zieht Bilanz

von Leticia Witte  03.07.2026