Wahlkampf

Laschet beruft Karin Prien

Karin Prien und Armin Laschet (beide CDU) bei der Vorstellung des »Zukunftsteams« am Freitag in Berlin Foto: Screenshot

Es wäre eine Premiere: Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg kann sich eine Jüdin gute Chancen ausrechnen, zur Bundesministerin berufen werden. Zumindest dann, wenn es Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet noch gelingt, bis zur Wahl am 26. September den negativen Umfragetrend umzukehren und die Chancen für eine Regierungsbeteiligung von CDU und CSU zu erhöhen.

FAMILIENGESCHICHTE Heute stellte Laschet nach langem Zögern sein achtköpfiges »Zukunftsteam« vor. Ein Schattenkabinett soll es ausdrücklich nicht sein, das machte der CDU-Chef schon im Vorfeld klar. Für eine Besetzung aller Ministerien wäre die Zahl der Teammitglieder auch gar nicht ausreichend – lediglich acht Köpfe wurden in Berlin präsentiert, vier Frauen und vier Männer. Neben seinem einstigen Rivalen um den Parteivorsitz, Friedrich Merz, gehört auch die amtierende Kultusministerin Schleswig-Holsteins, Karin Prien, zu den Auserwählten.

Erst vor einigen Jahren bekannte sich die heute 56-Jährige öffentlich zu ihrem Judentum. Ihre Mutter hatte zuvor stets davon abgeraten – aus Gründen. Zwei von Karin Priens Urgroßmüttern wurden in der Schoa ermordet. Ihre eigene Mutter musste als junges Mädchen 1940 in Amsterdam mitansehen, wie eine von ihnen von den deutschen Besatzern verhaftet wurde.

Prien sagte 2016, ihre Mutter habe ihr schon »sehr früh nahe gelegt, über mein Jüdischsein oder meine jüdische Abstammung nicht zu sprechen und hat auch schon zum Ausdruck gebracht, dass sie jedenfalls Angst hätte, das öffentlich zu sagen.« Doch mittlerweile spricht die CDU-Politikerin auch öffentlich darüber.

BILDUNGSGERECHTIGKEIT Seit einiger Zeit ist Prien auch Sprecherin des Jüdischen Forums in der Union, eines losen Zusammenschlusses von jüdischen Mitgliedern der Partei und solchen mit Affinität und Sympathie zum Judentum. »Viel zu lange ist in der CDU zu wenig Wert darauf gelegt worden, dass sich Juden zur Union bekennen. Jetzt ist es an der Zeit: Juden und Menschen mit jüdischem Hintergrund müssen mehr wahrgenommen werden, zumal es zahlreiche, unter den Nägeln brennende Themen gibt«, sagte Prien 2018 in einem Interview mit dieser Zeitung.

Im Team von Armin Laschet soll die Volljuristin ebenfalls den Bildungsbereich abdecken. Bei der Vorstellung in Berlin sagte Prien, sie wolle dafür sorgen, »durch Aufstieg soziale Gerechtigkeit zu schaffen«. Das gelte auch und gerade für Kinder von Zugewanderten. Man müsse in der frühkindlichen Bildung mehr tun. Dazu gehöre aus das Erlernen der deutschen Sprache.

Auch die Digitalisierung in den Schulen will Prien vorantreiben. Die habe nämlich das Potenzial, »eine neue Bildungsrevolution in diesem Jahrzehnt einzuleiten und das Versprechen, Bildungsgerechtigkeit unabhängig von der sozialen Herkunft tatsächlich einzulösen.«

KOMPETENZEN Wie viel von ihren Plänen tatsächlich umsetzbar sind, sollte Prien am Ende von der Landes- in die Bundespolitik wechseln, ist unklar. Laschet selbst wies bei der Präsentation seines Teams darauf hin, dass die Kompetenzen im Bildungsbereich überwiegend bei den Ländern angesiedelt seien. Doch am Ende interessiere es die Leute nicht, wer wofür zuständig sei, so der Kanzlerkandidat weiter. In Schleswig-Holstein ist Prien nicht unumstritten und zieht des Öfteren Kritik auf sich, auch aus der Lehrerschaft.

Sie zeigte sich am Freitag aber trotz allem kämpferisch: »Ich freue mich auf dich, lieber Armin, als Bundeskanzler.«

Berlin

Remmo: Koçak hat bei mir im Büro gesessen

Wie eng war der Kontakt des Linken-Bundestagsabgeordneten Koçak zur Großfamilie Remmo? Nach der Berliner Wahl kamen Chatnachrichten ans Licht, die er als Fehler bezeichnete. Gab es auch ein Treffen?

 16.10.2026

Berliner Sondierungen

Özdemir: Berliner Linke hat sich »radikalisiert«

Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir schaut mit Sorge auf die politischen Geschehnisse in der Bundeshauptstadt. Seiner Ansicht nach hat sich die Berliner Linke radikalisiert

 16.10.2026

Kommentar

Deutsche Iran-Politik: Urkomische Dinge und pure Realitätsverweigerung

Der neue Botschafter der Bundesrepublik in Teheran, Axel Dittmann, produziert mit seinen Instagram-Videos unfreiwillig Realsatire

von Saba Farzan  16.10.2026

Meinung

Keine Wahlen in Palästina: Armutszeugnis für den Westen

Mahmud Abbas hat die Wahlen in den Palästinensergebieten erneut um ein Jahr verschoben und bricht damit seine Zusagen. Wann zieht man in Europa endlich Konsequenzen?

von Jacques Abramowicz  16.10.2026

Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD)

Rede des Bundesratspräsidenten

Bovenschulte zu AfD-Verbot: »Prüfen heißt nicht verbieten«

Seine letzte Rede als Bundesratspräsident nutzt Andreas Bovenschulte für einen Appell. Es geht darum, wie weit die Demokratie im Umgang mit der AfD gehen sollte – und warum kein Fehler passieren darf

 16.10.2026

München

Oberrabbiner Goldschmidt: »Wir können nicht immer wegrennen«

Jüdisches Leben in Europa hat eine Zukunft, aber nicht von allein. Dafür braucht es nach den Worten des Oberrabbiners Pinchas Goldschmidt Partner in den Regierungen und in der Zivilgesellschaft

von Barbara Just  16.10.2026

Steffen Alisch

Meinung

Die Berliner Linke und ihr DDR-Vorleben

Linker Antisemitismus, Israelfeindschaft und Genozid-Vorwurf – all das gab es bereits in der DDR unter dem Regime der Linkspartei-Vorläuferin SED

von Steffen Alisch  16.10.2026

Staatsanwaltschaft

Der Bundestag hebt die Immunität von SPD-Abgeordnetem Adis Ahmetovic auf

Ermittler durchsuchen sein Büro und Wohnungen wegen des Verdachts verbotener Absprachen

von Leonard Fischer  16.10.2026

Annäherung

Warum die FPÖ auf ein Gütesiegel aus Israel hofft - Österreichs Rechte knüpfen Verbindungen zum Likud

Noch stehen in Österreich keine Wahlen an. Dennoch will die rechte FPÖ ihr aktuelles Umfrage-Hoch mit einer Strategie untermauern, die verwundert: Die einstige Altnazi-Partei sucht Unterstützung aus Israel

von Markus Schönherr  16.10.2026