Berlin

Berlinale lädt AfD-Politiker aus

Das Leitungs-Duo der Berlinale, Mariette Rissenbeek, Geschäftsführerin, und Carlo Chatrian, künstlerischer Direktor Foto: picture alliance/dpa

Nach tagelanger öffentlicher Diskussion lädt die Berlinale-Leitung AfD-Politiker von der Eröffnungsgala der Internationalen Filmfestspiele Berlin 2024 aus. Diese Entscheidung teilte die Festivalleitung am Donnerstag auf ihrer Internetseite und im sozialen Netzwerk X, vormals Twitter, mit. Wörtlich hieß es: »Heute hat die Berlinale-Leitung entschieden, die zuvor eingeladenen fünf AfD-Politikerinnen und -politiker auszuladen.«

»Gerade auch angesichts der Enthüllungen der vergangenen Wochen zu explizit antidemokratischen Positionen und einzelnen AfD-Politikern« wolle man unmissverständlich Stellung beziehen für eine offene Demokratie. Die Betreffenden seien schriftlich ausgeladen und darüber informiert worden, dass sie auf der Berlinale nicht willkommen seien.

Zuvor gab es an der Entscheidung, AfD-Politiker einzuladen, massive Kritik. In einem offenen Brief im Internet vom 2. Februar, der mittlerweile nicht mehr online zu finden ist, wurde die Rücknahme von zwei Einladungen an AfD-Politiker gefordert. US-Medienberichten zufolge hatten hunderte Menschen, darunter Filmschaffende, unterschrieben. 

Die Berlinale hatte auf ihrem Instagram-Account auch zur Berliner Großdemonstration gegen rechts unter dem Motto »Wir sind die Brandmauer« am Samstag aufgerufen. Daraufhin forderten mehrere Menschen in Kommentaren ebenfalls eine Rücknahme von Einladungen an die AfD. 

Die Berlinale zählt neben Cannes und Venedig zu den großen Filmfestivals der Welt. Die nächste Ausgabe ist vom 15. bis 25. Februar geplant. Mariette Rissenbeek und Carlo Chatrian präsentieren als scheidendes Leitungsduo zum letzten Mal das Programm.

Der Originaltext der Pressemitteilung:

»Berlinale-Eröffnung: Ausladung von AfD-Politiker*innen

In den vergangenen Tagen gab es in der Kulturbranche, in den redaktionellen und sozialen Medien sowie im Team der Berlinale eine intensive Diskussion über die Einladungen von AfD-Politiker*innen zur Eröffnung der Berlinale. Heute hat die Berlinale-Leitung entschieden, die zuvor eingeladenen fünf AfD-Politiker*innen auszuladen.

Durch den aktuellen Diskurs wurde noch einmal ganz deutlich, wie sehr das Engagement für eine freie, tolerante Gesellschaft und gegen Rechtsextremismus zur DNA der Berlinale gehört. Die Berlinale engagiert sich seit Jahrzehnten für demokratische Grundwerte und gegen jede Form von Rechtsextremismus. Dafür stehen das Filmprogramm und die Berlinale als Kulturinstitution. Das Festival hat wiederholt darauf hingewiesen, dass es mit Sorge beobachtet, wie Antisemitismus, antimuslimische Ressentiments, Hassreden und andere antidemokratische und diskriminierende Haltungen in Deutschland zunehmen.

‚Gerade auch angesichts der Enthüllungen, die es in den vergangenen Wochen zu explizit antidemokratischen Positionen und einzelnen Politiker*innen der AfD gab, ist es für uns – als Berlinale und als Team – wichtig, unmissverständlich Stellung zu beziehen für eine offene Demokratie. Wir haben daher heute alle zuvor eingeladenen AfD-Politiker*innen schriftlich ausgeladen und sie darüber informiert, dass sie auf der Berlinale nicht willkommen sind‘, sagt das Leitungsduo der Berlinale, Mariëtte Rissenbeek und Carlo Chatrian.

Die AfD und etliche ihrer Mitglieder und Abgeordneten vertreten Ansichten, die den Grundwerten der Demokratie zutiefst widersprechen. Forderungen nach einer homogenen Gesellschaft, nach Zuwanderungsrestriktionen und Massenabschiebungen, homophobe und queerfeindliche oder rassistische Äußerungen bis hin zu schlimmem Geschichtsrevisionismus und klarem Rechtsextremismus – all das findet man bei der AfD.

In Zeiten, in denen rechtsextreme Personen in die Parlamente einziehen, will die Berlinale mit der heutigen Ausladung der AfD eine klare Position beziehen. Die Diskussion zum Umgang mit Politiker*innen der AfD betrifft auch viele andere Organisationen und Festivals. Diese Debatte muss gesamtgesellschaftlich und gemeinsam mit allen demokratischen Parteien geführt werden.« ja/epd/dpa

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