Washington D.C./New York

Bericht: Iran hat weiterhin erhebliche Raketenkapazitäten

Bei einer Pro-Regime-Demonstration in Teheran wird im April eine ballistische Rakete ausgestellt. Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Amerikanische Geheimdienste zeichnen im Vergleich zu Aussagen der Regierung ein gegensätzliches Bild der militärischen Lage Irans. Während Präsident Donald Trump und Verteidigungsminister Pete Hegseth von einer weitgehend ausgeschalteten iranischen Militärmacht sprechen, gehen Analysten in vertraulichen Berichten von einer weiterhin erheblichen Einsatzfähigkeit Teherans aus – insbesondere im Bereich der Raketenstreitkräfte. Dies geht aus einem Bericht der »New York Times« hervor.

Im Zentrum der Bewertung steht vor allem die Region rund um die Straße von Hormus, eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt. Nach Angaben der vertraulichen Analysen hat der Iran wieder Zugang zu 30 seiner 33 dort stationierten Raketeneinrichtungen. Damit wäre das Land in der Lage, sowohl Kriegsschiffe als auch Öltanker in dem engen Seegebiet zu bedrohen.

Die Berichte zeichnen zudem das Bild einer weitgehend intakten mobilen Raketeninfrastruktur. Demnach verfügt der Iran weiterhin über rund 70 Prozent seiner mobilen Startsysteme sowie über etwa 70 Prozent seines Bestands an ballistischen Raketen vor dem Krieg. Ergänzend heißt es, dass auch kleinere Bestände an Marschflugkörpern weiterhin einsatzbereit seien. Besonders brisant: Rund 90 Prozent der unterirdischen Lager- und Abschussanlagen sollen demnach wieder zugänglich oder zumindest teilweise funktionsfähig sein.

»Nicht tragfähig«

Diese Einschätzungen widersprechen klar der öffentlichen Kommunikation aus Washington. Donald Trump hatte etwa erklärt, Irans Raketenarsenal sei »auf einen Rest zusammengeschrumpft« und das Land habe »militärisch nichts mehr übrig«. Auch Pete Hegseth sprach in einer Pressekonferenz davon, die iranischen Streitkräfte seien »zerschlagen« und auf Jahre hinaus nicht mehr einsatzfähig.

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Auf Nachfrage zu den neuen Informationen verteidigte das Weiße Haus diese Linie. Sprecherin Olivia Wales erklärte, Irans Militär sei »zerstört« worden. Wörtlich sagte sie: »Die Regierung Irans weiß, dass ihre gegenwärtige Lage nicht tragfähig ist, und jeder, der glaubt, Iran habe seine militärischen Fähigkeiten wiederhergestellt, ist entweder nicht bei Verstand oder ein Sprachrohr des Korps der Islamischen Revolutionsgarde.«

Auch das Pentagon reagierte scharf auf die Berichte. Sprecher Sean Parnell warf der Presse vor, die Lage falsch darzustellen. Wörtlich sagte er: »Es ist beschämend, dass die New York Times und andere als PR-Agenten des iranischen Regimes agieren, um die Operation ‚Epic Fury‘ als etwas anderes als einen historischen Erfolg darzustellen.«

Überschätzte Wirkung

Die internen Bewertungen deuten jedoch darauf hin, dass die militärischen Planungen die Wirkung der Angriffe auf iranische Anlagen möglicherweise überschätzt haben. Auch Medien wie die »Washington Post« hatten zuletzt ähnliche Zahlen zur Erholung der iranischen Raketen- und Abschusskapazitäten berichtet.

Besondere Aufmerksamkeit gilt laut »New York Times« den Folgen für mögliche künftige Eskalationen. Sollte die fragile Waffenruhe im Konflikt erneut brechen, stünde die US-Armee vor der Herausforderung, erneut große Mengen an Präzisionsmunition einzusetzen – darunter Tomahawk-Marschflugkörper und Patriot-Abfangraketen. Gleichzeitig sind die US-Lagerbestände bereits durch frühere Einsätze stark belastet.

So wurden laut den Berichten während der Kampfhandlungen große Mengen moderner Munition verbraucht, darunter tausende Marschflugkörper und Abfangraketen. Experten warnen, dass die Wiederauffüllung Jahre dauern könnte, da die Produktionskapazitäten der Rüstungsindustrie begrenzt sind. Hersteller wie Lockheed Martin planen zwar Produktionssteigerungen, doch die Lieferketten gelten als schwer skalierbar. im

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