Milieu-Vernetzung

Bericht: Antisemitismus als »gemeinsamer Nenner«

Demonstranten mit Schild »Jews vs Zionist Terrorism« (Juden gegen zionistischen Terrorismus) auf einer Kundgebung Foto: picture alliance / Ipon

»Du hast gerade ein Kind getötet, Zionist!« oder »Judenpresse«: Solche Parolen sind seit dem 7. Oktober 2023 auf öffentlichen Versammlungen in Deutschland zu hören gewesen und dokumentiert worden. Zwischen Oktober 2023 und Dezember 2024 listet der Bundesverband der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus (Rias) 2.225 Versammlungen mit antisemitischen Inhalten auf.

Vor dem Terrorangriff der Hamas auf Israel vor zwei Jahren, zwischen dem 1. Januar 2020 und dem 6. Oktober 2023, seien lediglich 1.636 solcher Versammlungen registriert worden, heißt es. Die Zahlen gehen aus dem am Montag veröffentlichten Rias-Bericht »Politischer Antisemitismus in Deutschland seit dem 7. Oktober 2023« hervor.

7. Oktober als Anlass

»Die antisemitischen Massaker vom 7. Oktober 2023 wurden weltweit zum Anlass genommen, sich antisemitisch zu äußern«, heißt es. Im Fall von Versammlungen seien es vor allem Äußerungen oder Aufschriften etwa auf Plakaten gewesen, die sich gegen Israel und die auf den 7. Oktober folgenden Kriege gewandt hätten.

Bei Versammlungen mit Antisemitismus mit Bezug zu Israel nennt Rias als politische Hintergründe am häufigsten »antiisraelischen Aktivismus« (80 Prozent). Es folgen mit deutlichem Abstand die Zuordnungen »links-antiimperialistisch« mit 9 und »islamisch/islamistisch« mit 4 Prozent.

»Normalisierung von Antisemitismus«

Als Beispiel für »Feindmarkierung« nennt der Bericht einen Vorfall am 17. Juli 2024 in Frankfurt am Main: Am Ende einer Versammlung unter dem Motto »Hands Off Gaza« fuhr demnach ein Mann mit dem Fahrrad vorüber, der unter anderem wegen seiner Kopfbedeckung, einer Kippa, als Jude erkennbar war. Eine Teilnehmerin der Versammlung habe ihn mit den Worten beschimpft: »Du hast gerade ein Kind getötet, Zionist!«

Dass am 21. Oktober 2023 in Berlin Versammlungsteilnehmer anwesende Journalisten wiederholt feindselig als »Judenpresse« bezeichnet hätten, fällt in dem Bericht unter »pressefeindliche Verschwörungsmythen«. Die Fantasie, dass Juden die Medien kontrollierten, zähle zu den Grundbausteinen des modernen Antisemitismus, heißt es.

Der Bericht sieht insgesamt eine Vernetzung über politische Lager hinweg, die teilweise auch gemeinsam mobilisiert hätten. »Damit wird Antisemitismus zunehmend zu einer verbindenden Strategie sehr unterschiedlicher Milieus - was dabei droht, ist eine Normalisierung von Antisemitismus.«

Washington D.C.

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