Gedenkfeier

Kontroverse um mögliche Verhaftung Netanjahus in Polen

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu in Auschwitz-Birkenau im Jahr 2010 Foto: imago stock&people

Die Frage ist eher hypothetischer Natur und sorgt doch für gehörigen politischen Sprengstoff: Würde Polen Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu im Falle seiner Teilnahme an der Gedenkfeier zum 80. Jahrestag der Befreiung des deutschen Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau verhaften lassen und an den Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) überstellen?

Polens stellvertetender Außenminister Wyadyslaw Bartoszewski sagte Ende Dezember der Tageszeitung »Rzesczpospolita«: »Wir sind verpflichtet, die Entscheidungen des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag zu respektieren«. Der Staatssekretär verwahrte sich anschließend allerdings gegen Medienberichte, die behaupteten, er habe die Verhaftung des israelischen Regierungschefs angekündigt: »Die Wahrheit ist, dass ich das nie gesagt habe«, so Bartoszewski in einem Leserbrief an die »Washington Times«.

Polen sei aber als Unterzeichnerin des Römischen Statuts des Internationalen Strafgerichtshofs und daher verpflichtet, die vom IStGH ausgestellten Haftbefehle zu respektieren. Sein Land halte alle internationalen Abkommen, Verträge und Verpflichtungen ein, die es unterzeichnet und ratifiziert habe, schrieb der Staatssekretär.

Bartoszewskis gleichnamiger Vater (1922-2015) war selbst ein Überlebender des Todeslagers. »Ich bin in die Fußstapfen meines Vaters Wladyslaw Bartoszewski getreten, der ehemaliger Auschwitz-Häftling, Außenminister Polens, Ehrenbürger Israels, Vorsitzender des Internationalen Auschwitz-Rates und bis zu seinem Tod ein Freund von Premierminister Benjamin Netanjahu war«, so Bartoszewski in seinem Leserbrief.

Die Nationalsozialisten ermordeten mehr als eine Million Menschen in Auschwitz. Die meisten von ihnen waren Juden. Israel wird bei der Gedenkfeier Ende Januar zum 80. Jahrestag der Befreiung des Lagers durch die Rote Armee nicht von Präsident Isaac Herzog vertreten werden.

Der Umgang mit dem Haftbefehl gegen Netanjahu und den früheren israelischen Verteidigungsminister Gallant ist umstritten. Zwar haben alle 27 EU-Staaten das Römische Statut für den IStGH ratifiziert. Frankreich hat im Gegensatz zu Polen aber durchblicken lassen, dass es Netanjahu nicht verhaften würde, falls er französisches Staatsgebiet beträte.

Die Auschwitz-Überlebende Angela Orosz, die 1944 im Lager geboren wurde, kritisierte die Erklärung Bartoszewskis scharf. »Ich finde die Erklärung Polens zutiefst beunruhigend. Die Drohung, den Regierungschef des jüdischen Staates bei einer Teilnahme an den Gedenkfeiern zum 80. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz zu verhaften, ist empörend und inakzeptabel. Eine sofortige Entschuldigung von Seiten Polens ist angebracht.«

Die Überlebenden müssten die Gedenkfeier boykottieren, falls Netanjahu nicht teilnehmen dürfe und Polen sich nicht dafür entschuldige, schrieb die in Kanada lebende Orosz auf ihrer Facebook-Seite. mth

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version wurde in der Überschrift und im Text suggeriert, Wladyslaw Bartoszewski habe die Verhaftung Netanjahus bei einer Teilnahme an der Auschwitz-Gedenkfeier befürwortet. Wir haben dies berichtigt.

Libanon

Suche nach sterblichen Überresten von Ron Arad gescheitert

Nach Angaben des israelischen Militärs landeten Kommandos in der Ortschaft Nabi Chit. Dort durchsuchten sie unter anderem einen Friedhof nach möglichen Hinweisen auf den Verbleib des Vermissten

 07.03.2026

USA

New York: Frau des Bürgermeisters gefallen Social-Media-Beiträge, die den 7. Oktober feierten

Einige der Posts stammten von israelfeindlichen Organisationen und stellten die Massaker in Israel als angeblichen Widerstand dar

 07.03.2026

Sicherheit

Israel verschärft Schutz für Botschaften im Ausland

Ein vereitelter Anschlag auf die israelische Botschaft in Aserbaidschan und eine Synagoge in Baku zeigen, warum die Maßnahmen als notwendig angesehen werden

 07.03.2026

Teheran

Iran bittet arabische Nachbarn um Entschuldigung – und setzt Angriffe fort

Die widersprüchlichen Signale werden als Anzeichen dafür angesehen, dass die politische Führung derzeit nur begrenzten Einfluss auf Teile des Militärs hat

 07.03.2026

Berlin

»Freiheit für den Iran«: Kundgebung am Brandenburger Tor

Demonstranten fordern Demokratie und erinnern an Tote und Gefangene

 07.03.2026

München

Vorfall am israelischen Generalkonsulat

Nach Steinwürfen gegen die diplomatische Vertretung kommt es zu einem Polizeieinsatz

 07.03.2026

Washington

Trump droht Iran mit »vollständiger Zerstörung«

Teheran werde heute »sehr hart getroffen«, sagt der amerikanische Präsident. »Iran ist nicht länger der Rüpel des Nahen Ostens, sondern stattdessen dessen Verlierer.«

 07.03.2026

Berlin

Bundesrat will Hakenkreuz-Schmierereien an Schulen bestrafen

Die Nutzung von verfassungsfeindlichen Kennzeichen durch Schüler soll strafbar werden. Der israelische Botschafter begrüßt den Schritt

 06.03.2026

Washington D.C.

Bodentruppen im Iran? Trump spricht von »Zeitverschwendung«

Grundsätzlich ausschließen wollte die US-Regierung den Einsatz von Bodentruppen im Iran bislang nicht. Jetzt reagiert Präsident Trump auf Äußerungen des iranischen Außenministers zu dem Thema

 06.03.2026