Deutsches Historisches Museum

Aufklärung statt Hass

Zentralratspräsident Josef Schuster (M.) Foto: Uwe Steinert

Mit einem eindringlichen Appell an die Wichtigkeit der Aufarbeitung judenfeindlicher Propaganda während der NS-Zeit hat Zentralratspräsident Josef Schuster am Dienstagabend in Berlin die Sonderausstellung »Angezettelt« im Deutschen Historischen Museum eröffnet. Die Schau zeigt ab Mittwoch dieser Woche antisemitische und rassistische Aufkleber vom Kaiserreich bis zur Gegenwart.

In seiner Eröffnungsrede erklärte Schuster, wie wichtig es ist, historische Tatsachen wie die systematische Diskriminierung von Juden auch heute noch zu vermitteln. »Das ist wichtig, weil politische Propaganda noch immer nach den gleichen Mechanismen funktioniert. Und es ist wichtig, damit sich heute alle mündigen Bürger dafür verantwortlich fühlen, was in ihrem Staat passiert«, betonte Schuster. Andernfalls gewännen undemokratische Strömungen ungehindert an Einfluss.

Medium »Als Zentralrat der Juden in Deutschland sind wir selbst regelmäßig Zielscheibe von antisemitischen Kommentaren auf Facebook«, so Schuster weiter. Das Medium des Hasses sei zwar nicht mehr dasselbe wie früher. Die Botschaften der Antisemiten sei aber nach wie vor dieselbe. »Was ist leichter, als von jedem Ort aus und zu jeder Zeit schnell ein paar hasserfüllte Sätze zu tippen und in die Welt zu senden?«

Zu dem seit einiger Zeit zu beobachtenden Rechtsruck in Deutschland und Europa sagte Schuster: »Derzeit gehören die rechtsextremen und rechtspopulistischen Bewegungen und Parteien leider zu jenen Gruppen, die besonders erfolgreich ihre Botschaften verbreiten.« Dies dürfe nicht achselzuckend als Geschwätz einer kleinen Minderheit abgetan werden. »Wir dürfen sie nicht stillschweigend hinnehmen!«

Die in der Ausstellung präsentierten Aufkleber werden seit dem späten 19. Jahrhundert in Deutschland massenhaft verbreitet und transportieren auf Laternen, Straßenschildern, Briefkästen oder in S-Bahnhöfen zumeist politische Botschaften. Bis heute dienen sie als Plattform von antisemitischen und rassistischen Feindbildern oder als Schlagabtausch zwischen verfeindeten politischen Lagern. Die Botschaften reichen von »Refugees welcome« bis »Nein zum Heim«.

Antisemitica Die gemeinsam mit dem Zentrum für Antisemitismusforschung an der TU Berlin erstellte Ausstellung fußt neben eigenen Beständen des Museums auch auf zwei privaten Sammlungen. Der 1924 geborene Wolfgang Haney sammelt seit 25 Jahren Antisemitica und hat so umfangreiche Bestände an judenfeindlichen Stickern angehäuft. Die ältesten reichen bis ins späte 19. Jahrhundert zurück.

Weitere Exponate stammen von der Berlinerin Irmela Mensah-Schramm, die seit 30 Jahren – mit Schaber und Spraydose ausgerüstet – rassistische und rechtsextreme Aufkleber und Parolen aus dem öffentlichen Straßenbild entfernt und das akribisch dokumentiert. ja

USA

Nach Epstein-Vorwürfen: Tucker Carlson entschuldigt sich bei Isaac Herzog

Der rechte Moderator: »Es gibt nichts Schlimmeres, als den Ruf eines unschuldigen Mannes zu beschädigen. Es tut mir leid, angedeutet zu haben, ich wüsste etwas, das ich nicht wusste.«

 23.02.2026

Schwedt

AfD-Lokalpolitikerin verteidigt »aus Versehen« Hitler

Peggy Lindemann teilte einen Beitrag, in dem Juden unterstellt wird, sie würden Kinderblut trinken

 23.02.2026

Berlin

Gedenken an Proteste von 1943 in der Rosenstraße

Der Protest von wahrscheinlich mehreren hundert Frauen in der Berliner Rosenstraße während der zwölfjährigen NS-Diktatur gilt als beispiellos. An den lange vergessenen Widerstand wird am Donnerstag erinnert

 23.02.2026

Nahost

Im Kriegsfall: Vergeltungsschläge des Iran über Stellvertreter erwartet

Nach Einschätzung westlicher Sicherheitskreise würden amerikanische Ziele weltweit ins Visier geraten - sogar in Europa

 23.02.2026

Interne Analyse

Gaza-Krieg schadete Kamala Harris im Präsidentschafts-Wahlkampf

Nachdem die Demokratin gegen Donald Trump verloren hatte, beauftragte ihre Partei einen »Autopsie-Bericht« über den Wahlkampf. Der wurde jedoch nie veröffentlicht. Jetzt sickern Details durch

 23.02.2026

Atomstreit

USA und Iran vor neuer Gesprächsrunde

Unterhändler beider Staaten sollen sich diese Woche in Genf treffen, um über einen iranischen Vorschlag für ein neues Atomabkommen zu beraten

 23.02.2026

Kiel

DIG-Landesvorsitzender nach Demo attackiert

Der Landesvorsitzende der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Schleswig-Holstein und eine Begleiterin wurden angegriffen, ein weiteres Opfer geschlagen

 23.02.2026

Braunschweig

Zentralrat der Juden: Schau betont »schmerzliche Aktualität«

Nur fünf Jahre nach dem Ende der Nazi-Diktatur und des Holocaust wurde der Zentralrat der Juden in Deutschland gegründet. Zur Eröffnung der Jubiläumsausstellung nach 75 Jahren gibt es mahnende Worte

 23.02.2026

Weimar

Linksextreme planen Aktion in KZ-Gedenkstätte

Israelfeindliche Gruppen rufen zu einem Protest in der KZ-Gedenkstätte Buchenwald auf – am Jahrestag der Befreiung des Lagers. Die Gedenkstätten-Stiftung ist besorgt

 23.02.2026 Aktualisiert