Meinung

Auf die heilige Tour

Israel ist klein wie ein Mäuschen, doch seine Regierung benimmt sich immer häufiger wie ein Elefant. Der stampft schon wieder durch den Porzellanladen. Benjamin Netanjahus Ministerrunde hat am Sonntag zwei Kulturstätten im Westjordanland zum Nationalerbe erklärt: die Patriarchengräber in Hebron und Rachels Grab bei Bethlehem. Beide sollen auf eine Liste von rund 150 Stätten gesetzt werden. Für ihren Erhalt will Israels Regierung einen Haushaltsposten einrichten. Kultur vor dem Verfall zu bewahren, ist löblich. Umso mehr, wenn sie die nationale Identität fördern. Doch beide Orte liegen in den besetzten Gebieten. Sie derart undiplomatisch Israels Nationalerbe zuzuschlagen, hätte selbst ein friedlicher Nachbar als Affront empfunden. Um wie viel mehr tun es die Palästinenser, die nun tatsächlich regelrecht ausrasten. Wenn es Netanjahu wirklich nur um den Erhalt der Stätten ginge, hätte er einen leiseren Weg finden können, denn er weiß genau, wie viel Zündstoff heilige Orte im Nahen Osten enthalten. Die Entscheidung, sagt der Premier, sei auf Drängen der ultraorthodoxen Schas-Partei gefallen. Politische Stärke sieht anders aus.

Meinung

Israel hat seine Zukunft zurück

Ran Gvili, die letzte Geisel in Gaza, wurde geborgen und nach Israel überführt.

von Sabine Brandes  26.01.2026

Serie

»Holocaust«-Serie: Wendepunkt der deutschen Erinnerungskultur

Vor 47 Jahren wurde im öffentlich-rechtlichen Fernsehen die US-Serie »Holocaust - Die Geschichte der Familie Weiss« ausgestrahlt. Der damals verantwortliche Leiter der Hauptabteilung Fernsehspiel erinnert sich an Widerstände und weinende Anrufer

von Jonas Grimm  26.01.2026

Schleswig-Holstein

Vandalismus an Synagogen-Mahnmal in Kiel sorgt für Entsetzen

Zertretene Blumen und Kerzen: Politiker verurteilen die Verwüstungen des Synagogen-Mahnmals in Kiel - und sprechen von einem feigen Akt

 26.01.2026

Berlin

Geschichte jüdischer Politiker: Bundestag zeigt neue Ausstellung

Tagebücher, Videos und Briefe: Eine neue Ausstellung im Bundestag zeigt die Biografien jüdischer Politiker. Ein besonderes Augenmerk liegt auf einer Überlebenden des Holocaust

von Nikolas Ender  26.01.2026

Tova Friedman mit Enkel Aron Goodman

Mahnung

Überlebende Friedman über AfD: Ich möchte sie konfrontieren

Die Holocaust-Überlebende Tova Friedman wird am Mittwoch im Bundestag sprechen. Bewusst teilt sie ihre Erinnerungen öffentlich - um aufzuklären und deutlich zu machen, dass sich Juden nie wieder verstecken dürften

 26.01.2026

Berlin

Mehr Störungen an NS-Gedenkstätten

In Gästebüchern wird immer öfter eine Tonlage »im Grenzbereich zwischen antisemitischen und israelfeindlichen Inhalten« registriert

 26.01.2026

Essay

Zynische Umdeutung der Geschichte

Der Holocaust ist zur moralischen Währung geworden – und wird nun gegen die Juden selbst verwendet

von Johannes C. Bockenheimer  26.01.2026

Interview

»Den Worten müssen Taten folgen«

Ron Prosor über das Holocaust-Gedenken am 27. Januar, die Bedrohung jüdischen Lebens, den Zustand des deutsch-israelischen Verhältnisses und seine Position als Botschafter in Berlin

von Detlef David Kauschke  26.01.2026

New York

Columbia University beruft Jennifer Mnookin zur neuen Präsidentin

Die jüdische Rechtswissenschaftlerin übernimmt, nachdem in den vergangenen zwei Jahren zwei Präsidenten zurückgetreten waren – wegen ihres unzureichenden Umgangs mit Antisemitismus auf dem Campus

 26.01.2026