Bildung

Antisemitismus unter Studenten: Zentralrat fordert mehr Forschung

Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden Foto: picture alliance/dpa

Nach der Veröffentlichung der Ergebnisse einer Studie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zu antisemitischen Einstellungen unter Studenten hat der Zentralrat der Juden Stellung genommen.

Dessen Präsident Josef Schuster erklärte, zum Antisemitismus an Hochschulen bedürfe es noch weiterer Forschung. Diese müsse auch die Betroffenenperspektive mit einbeziehen.

»Die Antwort auf die Frage, warum Antisemitismus an Hochschulen noch präsenter und radikaler auftritt, obwohl Studenten im Vergleich zur Gesamtbevölkerung nicht anders zu denken scheinen, bleibt die grundsätzlich begrüßenswerte Studie des BMBF leider schuldig«, so Schuster.

Leichter und gezielt

»Ein Grund könnte sein, dass an Universitäten leichter und gezielt Grenzen überschritten werden, die aufgrund gesellschaftlicher Konventionen außerhalb dieser wissenschaftlichen Einrichtungen noch gelten. Beruhigend wäre diese Erklärung freilich nicht«, fügte der Präsident des Zentralrates hinzu.

Dem Ergebnis der Studie zufolge haben fast 20 Prozent der Hochschüler antisemitische Einstellungen oder eine Tendenz dazu. Befragt wurden mehr als 2300 Studenten. Die Studie war nach den Terroranschlägen der Hamas in Israel am 7. Oktober und den anschließenden antisemitischen Vorfällen an deutschen Hochschulen in Auftrag gegeben worden.

Untersucht wurde die Frage, wie sehr antisemitische Einstellungen allgemein vorhanden sind, wie Studierende zum Hamas-Terrorangriff und dem folgenden Krieg in Gaza stehen und inwieweit sie Diskriminierung erlebt oder beobachtet haben. Der Befragung zufolge hat rund ein Drittel der jüdischen Studierenden schon selbst Diskriminierung erlebt, mehr als die Hälfte hat dies an der Hochschule beobachtet.

Potenzial für Radikalisierung

71 Prozent der Studierenden stimmten der Aussage: »Der Überfall der Hamas auf Israel war ein verabscheuungswürdiger Terrorakt« zu. Zwölf Prozent stimmten aber auch der Aussage zu, der Angriff der Hamas auf Israel sei »Teil des legitimen Befreiungskampfes« der Palästinenser.

Bei etwa jedem Zehnten besteht nach Angaben des Verfassers der Studie, Thomas Hinz, das Potenzial für eine mögliche Radikalisierung. Diese zehn Prozent würden »von sehr umstrittenen Parolen und symbolisch gegen Israel gerichteten Aktionen angetriggert«, sagte der Konstanzer Soziologe.

Er sprach insgesamt aber von einem eher differenzierten Meinungsklima unter Studierenden: »Die große Mehrheit verurteilt den Angriff der Hamas auf Israel. Gleichzeitig sieht die Mehrheit das Vorgehen des israelischen Militärs kritisch und ist über die humanitäre Lage der Zivilbevölkerung sehr besorgt.«

Zivilcourage zeigen

Bei der großen Mehrheit (mehr als 80 Prozent) der Befragten zeigten sich dabei keine antisemitischen Haltungen. Bei 17 bis 18 Prozent gibt es allerdings solche Einstellungen oder eine Tendenz dazu.

Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) sagte, die Ergebnisse seien nicht so, dass man zur Tagesordnung übergehen könne. Dass ein hoher Anteil jüdischer Studierender Diskriminierung erlebe oder beobachte, sei erschreckend.

»Deshalb müssen Hochschulleitungen konsequent von ihrem Hausrecht Gebrauch machen und die Länder ihr Hochschulrecht hinsichtlich der Möglichkeit einer Exmatrikulation in besonders schweren Fällen überprüfen und anpassen.« Nichtjüdische Studierende rief sie dazu auf, Zivilcourage zu zeigen und an ihren Hochschulen Stellung zu beziehen. dpa/ja

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