Moskau

»Antisemitismus, der vom Staat ausgeht«

Rabbiner Pinchas Goldschmidt Foto: Uwe Steinert

Moskau

»Antisemitismus, der vom Staat ausgeht«

Das jüdische Leben in Russland ist laut Moskaus Ex-Oberrabbiner Goldschmidt massiv bedroht

 22.01.2023 11:15 Uhr

Das jüdische Leben in Russland ist nach den Worten des früheren Moskauer Oberrabbiners Pinchas Goldschmidt massiv bedroht. Das Land verändere sich »rapide zum Schlechteren«, sagte Goldschmidt der »Süddeutschen Zeitung« (Wochenende). »In Sowjetzeiten hat die jüdische Gemeinde 70 Jahre an Isolation durchlebt - und das hat ihr extrem geschadet«, so der Präsident der Konferenz der Europäischen Rabbiner. Es herrsche große Angst, dass ein neuer »Eiserner Vorhang« diese Isolation wiederherstelle.

Mit dem Begriff »Eiserner Vorhang« bezeichnete 1946 der britische Politiker Winston Churchill die nach dem Zweiten Weltkrieg einsetzende Trennung des kommunistischen Teils Europas vom restlichen Kontinent. Bis zum Zusammenbruch des Ostblocks 1989 prägte dieses Bild die Wahrnehmung einer ganzen Epoche. Der in Zürich geborene Goldschmidt war im Sommer vergangenen Jahres nach fast 30 Jahren als Leiter des Moskauer Rabbinats zurückgetreten. Bereits kurz nach Beginn des russischen Krieges gegen die Ukraine hatte er Russland verlassen und war schließlich nach Israel gegangen.

Wie der Rabbiner der »Süddeutschen Zeitung« weiter sagte, befürworteten 90 Prozent der jüdischen Bevölkerung in Russland den Krieg nicht. »Die meisten, die bleiben, schweigen. Alles andere wäre zu gefährlich«, fügte Goldschmidt hinzu.

Neben der Unterdrückung der Zivilgesellschaft und Einschränkungen bei der Meinungsfreiheit sei in Russland ein stark ansteigender Antisemitismus wahrzunehmen. »Und damit meine ich nicht den Antisemitismus auf der Straße, spontane Taten, wie sie leider auf der ganzen Welt vorkommen. Was uns in diesem Moment besonders beunruhigt, ist Antisemitismus, der vom Staat ausgeht«, so der Rabbiner.

Dass der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill I. nicht zu den Kritikern des Krieges zähle, überrascht Goldschmidt laut eigenem Bekunden nicht. »Die Frage ist, ob Religion das Instrument eines Staates sein darf. Meine Position ist: Wenn Religion das tut, ist sie keine moralische Kraft mehr. Dann ist sie der Staat. Und damit überflüssig.« kna

Berlin

Neukölln verschärft Regeln: CDU-Politiker will bei Antisemitismus Gelder streichen

Sozialstadtrat Hannes Rehfeldt will Förderbescheide mit strengeren Vorgaben versehen und bei Verstößen die Finanzierung von Projekten stoppen

 11.08.2026

Washington D.C.

Trump soll Bedrohung durch Iran mit Geheimflug aus der Türkei entgangen sein

Wie schafften es die Bewacher des Präsidenten, ihn unerkannt in eine kleinere Maschine zu bringen und nach London zu fliegen?

 11.08.2026

Aberdeen

Israelfeindliche Aktivisten dringen in britisches Büro von US-Rüstungskonzern ein

Nach Angaben der Aktivistengruppe arbeitet das Unternehmen gemeinsam mit Elbit Systems aus Israel an mindestens einem Verteidigungsprojekt

 11.08.2026

Washington D.C.

Für Trump ist die Straße von Hormus wieder offen

Der US-Präsident sagt, die Meerenge sei von Minen geräumt und werde »zu 100 Prozent« von den USA kontrolliert. Der Iran dürfte das kaum so sehen

 11.08.2026

Iran

Ist Modschtaba Chamenei noch am Leben?

Äußerungen aus dem Umfeld der Regierung von Präsident Masoud Peseschkian lassen aufhorchen

 10.08.2026

Medien

Wo steckt die palästinensische Opposition?

Zwei taz-Essays erzählen eindringlich von palästinensischer und muslimischer Entfremdung in Deutschland. Sie lassen zugleich einen entscheidenden blinden Fleck im Nahostkonflikts unerwähnt

von Leeor Engländer  10.08.2026

Bayern

Erneut Ermittlungen gegen Aiwangers Ex-Lehrer

Vor drei Jahren rüttelte die Flugblattaffäre um Hubert Aiwanger die bayerische Landespolitik heftig durcheinander. Viele haben das schon wieder vergessen. Nicht so die Staatsanwaltschaft Regensburg

 10.08.2026

Meinung

Renten: Her mit der aufrichtigen Debatte!

Eine Reform, die lediglich das Bestehende in noch teurer absichert, löst das Problem nicht

von Günter Jek  10.08.2026

Magdeburg

Sachsen-Anhalt: AfD und BSW legen zu

Die Rechtsaußenpartei baut ihren Vorsprung in Sachsen-Anhalt einer neuen Umfrage zufolge weiter aus. Die Wagenknecht-Partei wiederum könnte zum entscheidenden Machtfaktor werden

 10.08.2026