Berlin

»Antisemitismus bedauern reicht nicht - wir müssen handeln«

Wolfram Weimer, Staatsminister für Kultur und Medien Foto: picture alliance/dpa

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer warnt zum 7. Oktober vor zunehmender Judenfeindlichkeit – auch im Bereich der Kultur. »Die bittere Wahrheit, vor der wir stehen, ist die: Jüdinnen und Juden haben wieder Angst in Deutschland – und das ist unerträglich«, sagte er am Sonntag in Berlin mit Blick auf eine am Nachmittag in München geplante Großkundgebung gegen Judenhass: »Der Antisemitismus ist mitten unter uns. In unseren Straßen, in unseren Schulen und – ja, auch im Kulturbetrieb.«

Kultur als »Fenster in die Welt des anderen« dürfe niemals zum Werkzeug der Ausgrenzung werden, fügte er hinzu. Umso mehr sei er besorgt über eine zunehmende Ausgrenzung jüdischer Kulturschaffender in Deutschland und Europa. Öffentliche Boykottaufrufe, Anfeindungen und Ausladungen – zuletzt gegenüber dem israelischen Dirigenten Lahav Shani oder jüdischen Künstlerinnen beim Eurovision Song Contest – seien nicht hinnehmbar: »Wir dürfen nicht zulassen, dass sich die Schlinge der Intoleranz weiter zuzieht. Und wir dürfen nicht hinnehmen, dass das Fenster zum anderen von Ideologie und Menschenhass verdunkelt wird.«

Jeden Tag Haltung zeigen

Weimer rief dazu auf, nicht nur zum 7. Oktober, sondern an jedem Tag des Jahres Haltung zu zeigen: »Es genügt nicht, Antisemitismus zu bedauern, die Vorfälle zu betrauern. Wir müssen handeln.« In diesem Zusammenhang verwies er auf den von zahlreichen Organisationen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz erarbeiteten und im September vorgestellten Fünf-Punkte-Plan gegen Antisemitismus.

Für diesen Plan haben neben Weimer auch die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, und der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, die Schirmherrschaft übernommen.

Weimer dankte dem Bündnis »DACH gegen Hass« für die Initiative zu einer Großkundgebung gegen Antisemitismus in München, die um 16 Uhr beginnt. Zu den Unterstützern zählen rund 200 jüdische Organisationen, die beiden großen Kirchen, die Deutsch-Israelische Gesellschaft sowie zahlreiche Einzelpersonen aus Politik, Kultur und Gesellschaft. Die Schirmherrschaft haben Charlotte Knobloch, und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) übernommen. kna/ja

Magdeburg

Jüdische Gemeinden in Sachsen-Anhalt kritisieren Hallervorden-Wahlkampf der CDU

Der Landesverband der jüdischen Gemeinschaft schaltet sich mit deutlichen Worten in die Debatte ein

 06.08.2026

Dublin

Wegen Israel-Boykott: Irisches Regierungsflugzeug kann nicht mehr im Nebel landen

Beim Kauf der Maschine wurde bewusst auf das System »FalconEye« verzichtet, weil der israelische Rüstungskonzern Elbit Systems an dem Produkt beteiligt ist

 06.08.2026

Mehrere Flaschen mit Limonade der Marke Lemonaid in verschiedenen Geschmacksrichtungen stehen im Regal in einem Getränkemarkt

Meinung

Kann politisch korrekte Limonade antisemitisch sein?

Beim FC St. Pauli ist der langjährige Kapitän Jackson Irvine weg, doch bei der politisch korrekten Brausefirma »LemonAid« sitzt der anti-israelische Australier weiter im Aufsichtsrat

von Daniel Killy  06.08.2026

Kommentar

Landtagswahlkampf mit Israelfeindlichkeit

Mit einem vielleicht auf den ersten Blick unschuldigen Satz macht das BSW Stimmung. Gegen den einzigen jüdischen Staat, die »Zionisten« und damit die Juden

von Imanuel Marcus  06.08.2026

Leipzig

Dobrindt: Deutsche Drohnenabwehr mit Unterstützung Israels

Nach dem Fund einer mit Sprengstoff bestückten Drohne am Leipziger Flughafen kündigte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt verstärkte Anstrengungen gegen hybride Bedrohungen an. Helfen sollen dabei auch die Ukraine und Israel

 06.08.2026

Magdeburg/Halle

Schulze: Hallervorden-Auftritt steht für Meinungsfreiheit

Der Komiker verbreitet Verschwörungstheorien über Israel und relativiert Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine

 06.08.2026

Medien

Wo steckt die palästinensische Opposition?

Zwei taz-Essays erzählen eindringlich von palästinensischer und muslimischer Entfremdung in Deutschland. Sie lassen zugleich einen entscheidenden blinden Fleck im Nahostkonflikts unerwähnt

von Leeor Engländer  06.08.2026

Detroit (Michigan)

Israel-Kritiker El-Sayed gewinnt demokratische Vorwahl für Senat

Der Politiker wird im November gegen den republikanischen Kandidaten antreten. Trump nennt El-Sayed einen »kommunistischen Verlierer, der Juden und Israel hasst«

 06.08.2026

Meinung

»Blaue Moschee« als Gedenkstätte für die Opfer des Islamismus?

Nach der Schließung des eng mit dem iranischen Regime verflochtenen »Islamischen Zentrums Hamburg« wird über die künftige Nutzung des Ortes diskutiert

von Ulrike Becker  06.08.2026