Berlin

Antimuslimischer Rassismus trifft Frauen besonders stark

Muslimische Frauen in Hamburg Foto: picture alliance / Markus Scholz/dpa

Von antimuslimischem Rassismus betroffene Menschen in Deutschland wenden sich nur selten an staatliche Stellen, um Anzeige zu erstatten oder Unterstützung zu erhalten. Zu dieser Einschätzung kommen Mitarbeiter von Beratungsstellen, die mit dem Netzwerk Claim zusammenarbeiten.

Im vergangenen Jahr sei hier »ein hohes Maß an Misstrauen gegenüber staatlichen, aber auch zivilgesellschaftlichen Institutionen« deutlich geworden, heißt es in der bundesweiten Jahresbilanz von Claim. Es herrsche ein Klima der Angst. Zudem sei eine zunehmende Resignation unter den Betroffenen zu beobachten. Im schulischen Bereich würden Vorfälle häufig nicht gemeldet, weil Eltern Angst vor Repressionen hätten.

Wie die Bilanz für 2024 zeigt, hat das Netzwerk im vergangenen Jahr 3080 Fälle von antimuslimischem Rassismus oberhalb und unterhalb der Strafbarkeitsgrenze dokumentiert, nach 1926 registrierten Fällen im Jahr 2023.

Als Antisemiten oder Terroristen beschimpft

Direkt vergleichbar sind diese Zahlen nicht: So stieg die Zahl der teilnehmenden Beratungsstellen im vergangenen Jahr von 17 auf nunmehr 26 in 13 Bundesländern, wie Güzin Ceyhan von Claim erklärte. Doch auch die 17 Beratungsstellen, die 2023 schon teilnahmen, hätten über ein »deutlich höheres Beratungsaufkommen« berichtet. Einige Taten des vergangenen Jahres seien »sehr brutal und menschenverachtend«, sagte Ceyhan.

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In rund 70 Prozent der 2024 dokumentieren antimuslimischen Vorfälle wurden Frauen zur Zielscheibe. Da von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen werden müsse, lasse die Geschlechterverteilung zwar keine repräsentativen Rückschlüsse zu. Die Fallzahlen stünden jedoch im Einklang mit Ergebnissen entsprechender Studien.

Erwachsene, aber auch Kinder würden als »Messerstecher«, Antisemiten oder Terroristen beschimpft und teils auch bedroht, berichtet das Netzwerk. Darin spiegelten sich gesellschaftliche, mediale und politische Debatten wider.

Verbale und tätliche Angriffe

Verbale und tätliche Angriffe hätten besonders nach dem terroristischen Angriff der Hamas in Israel am 7. Oktober 2023 zugenommen sowie in zeitlichem Zusammenhang zu mutmaßlich islamistisch motivierten Terroranschlägen in Deutschland.

In einigen Fällen wird die Verharmlosung des Holocaust bei Sachbeschädigungen und Beleidigungen mit Hass auf Muslime verknüpft, hat Claim festgestellt. Ceyhan berichtete von 13-jährigen Mädchen, die in Dresden von Rentnerinnen als »Kopftuchjuden« beschimpft worden seien, und von Moscheen, die mit Hakenkreuzen beschmiert wurden.

Eine palästinensische Familie sah sich laut Claim mit dem Spruch »Dreckige Araber, verschwindet endlich aus Europa!« konfrontiert. Einer anderen Familie habe man einen Schweinekopf vor die Tür gelegt. dpa

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