19. Februar

»Antifaschismus liegt mir im Blut«

Singt am Samstag in Dresden gegen Nazis: Konstantin Wecker Foto: Bayerischer Rundfunk

Herr Wecker, Sie unterbrechen Ihre laufende Tournee, um am Samstag in Dresden ein Solidaritäts‐Konzert anlässlich der Anti‐Nazi‐Blockade zu geben. Was veranlasst Sie zu diesem ungewöhnlichen Schritt?
Ich hatte sowieso vor, dort zu sein, wie schon im vergangenen Jahr, als wir einen richtigen, ermutigenden Sieg errungen haben. Denn die Nazis konnten wegen der Blockaden nicht marschieren und mussten am Bahnhof bleiben. Am Samstag werden 6.000 bis 7.000 von ihnen aus ganz Europa anreisen. Das ist erschreckend. Eine Horde Rechtsextremisten, die von der Polizei geschützt wird: Ein solches Bild darf in Deutschland nicht mehr zu sehen sein!

Was haben Sie konkret am Samstag vor?
Wenn es klappt, singen wir von irgendeinem Lastwagen in der Blockade. Ich habe dementsprechend Lieder dafür im Gepäck.

Welche zum Beispiel?
Sag nein! und meinen Song über die Weiße Rose. Aber auch neue Sachen. Ich war gerade in Italien und habe, nachdem ich sechs Jahre keine CD mehr herausgebracht habe, Wut und Zärtlichkeit geschrieben. Und aus der Abteilung »Wut« werde ich ein paar Lieder singen.

Gibt es ein spezielles Lied, das Dresden gewidmet ist?
Nein, aber inspiriert durch den Essay von Stéphane Hessel habe ich ein Lied geschrieben, das Empört Euch heißt.

Wie sind Sie überhaupt zum Kampf gegen Rechts gekommen?
Ich engagiere mich ja seit über 30 Jahren gegen Nazis. Der Antifaschismus liegt mir quasi im Blut. Mein Vater hat unter Hitler den Dienst an der Waffe verweigert und diese Haltung nicht mit seinem Leben bezahlen müssen. Ich habe ihm versprochen, nie im Leben eine Uniform anzuziehen. Auch meine Mutter war bis kurz vor ihrem Tod noch auf Demonstrationen in München. Sie war eine sehr wehrhafte Frau.

Viele Prominente engagieren sich gegen Rechts, etwa mit Videobotschaften oder öffentlichen Aufrufen. Reicht das?
Ich denke, das allein ist noch nicht genug. Deswegen möchte ich persönlich vor Ort sein. Ich merke, dass das ein Gewicht haben kann. Viele junge Leute freuen sich, wenn sie sehen, dass ein »alter Sack« wie ich sich noch auf die Beine macht. Es kann ihnen vielleicht Mut geben. Ich habe mich auch schon im vergangenen Jahr zur Blockade bekannt, obwohl es hieß, dies sei eine Ordnungswidrigkeit. Aber Falschparken ist auch eine Ordnungswidrigkeit. Und das haben wir schon des Öfteren in unserem Leben gemacht. Für mich gilt: Den Antifaschismus kann man nicht dem Staat überlassen.

Glauben Sie, dass solche Aktionen die Nazis beeindrucken?
Vielleicht nicht den eingefleischten Rechtsextremen. Wir unterstützen aber die vielen mutigen Menschen vor Ort, die sich ihnen entgegenstellen.

Wenn die großen Demonstrationen vorbei sind, dann ebbt das Interesse am Kampf gegen Rechtsextremismus gemeinhin deutlich ab. Wie bewerten Sie das Engagement gegen Neonazis im Alltag?
Es gibt so viele Organisationen, die sich zum Beispiel um Aussteiger kümmern und kaum Geld vom Staat bekommen. Das sind für mich die eigentlichen Helden. Denn sie müssen zu allem Überfluss auch noch mit brutalen Übergriffen auf ihre Einrichtungen rechnen. Ihnen sollte unsere Unterstützung gelten.

Jedes Jahr werden Nazidemos in Dresden in letzter Sekunde genehmigt. Ärgert Sie das?
Es wäre sicherlich ein gutes Signal, wenn der Marsch verboten werden könnte. Noch besser wäre es, wenn den Nazis nur ein Platz weit außerhalb des Stadtzentrum zugewiesen würde. Aber es ist nun mal nicht so. Das darf uns dennoch nicht daran hindern, am Samstag vor Ort Gesicht zu zeigen. Denn das Motto heißt »Dresden nazifrei«. Dazu stehe ich.

Mit dem Sänger sprach Katrin Richter.

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