Nahost

Angst vor Assads C-Waffen

Blick auf die syrische Grenze Foto: Flash 90

Selbst ultraorthodoxe Rabbiner, sonst ganz in ihrer eigenen Welt versunken, ignorieren das Blutbad im Nachbarland Syrien nicht mehr. Rabbiner Elieser Berland flehte bei einer Großveranstaltung bei Tel Aviv Anfang der Woche Israels Regierung an, in Syrien einzugreifen, um »das Gemetzel an Frauen und Kindern endlich zu stoppen, selbst wenn manche von ihnen eines Tages Terroristen werden«. Berland ist keine Ausnahme: Israelische Medien berichten täglich über die Kämpfe im Nachbarland.

Außenminister Avigdor Liebermann bot im März humanitäre Hilfe an: »Wir sind doch alle Menschen, bevor wir Politiker sind.« Und tatsächlich: Israels Armee hat bereits neben der Waffenstillstandslinie in den Golanhöhen Areale für die Aufnahme Tausender Flüchtlinge aus dem Nachbarland vorbereiten.

Alarmsignale Doch schwerer als die Sorge um das Wohlergehen der Syrer, die gar keine Hilfe aus Israel wünschen, wiegt die Sorge um die eigene Sicherheit angesichts des anhaltenden Bürgerkriegs nebenan. Israels Heimatfrontkommando will neue Alarmsignale einführen: Bald wird für die 3.100 Luftschutzsirenen ein spezieller neuer Warnton eingeführt: wenn ein Angriff mit nicht- konventionellen Waffen droht.

Israel befürchtet, dass Syriens Arsenal chemischer Waffen – eines der größten der Welt – in falsche Hände fallen könnte. Das libysche Beispiel hat gelehrt, dass Chaos im Nahen Osten letztlich seinen Weg an die Grenzen des jüdischen Staates findet. Hunderte Raketen aus Muammar al-Gaddafis Arsenal wurden an die Hamas im Gazastreifen exportiert. Ähnliches droht in Syrien zu geschehen, wo der Anteil von Kämpfern der Al-Qaida beständig zunimmt.

Doch die Probleme enden hier nicht. So wie im Sinai nach dem Sturz Mubaraks ein Machtvakuum entstand, dass von islamistischen Terrororganisationen gefüllt wird, könnten auch die Golanhöhen zum Krisenherd werden. Sechs Mal warfen Syrer dieses Jahr ausgegrabene Minen über den Grenzzaun – vor dem Aufstand geschah so etwas nie.

Brigadegeneral Tair Hyman warnt: »Ein Terrorangriff kann hier jeden Augenblick ohne Vorwarnung geschehen.« Der Wandel ist sichtbar: Bereitete man sich früher darauf vor, den Angriff einer Armee mit Panzern abzuwehren, sollen die Abwehrmaßnahmen inzwischen das Eindringen von Einzelpersonen verhindern. Dass jemand an den Zaun kommt, um um Hilfe zu bitten, halten die Militärs anscheinend für unwahrscheinlich.

Teheran

Irans neuer Oberster Führer erklärt USA zum Verlierer des Krieges

Der Oberste Führer wirft den Gegnern seines Landes vor, nach dem militärischen Konflikt nun auf psychologische Mittel zu setzen

 05.06.2026

Hamburg

Ex-Antisemitismusbeauftragter berät CDU

Stefan Hensel hatte sein Amt aus Protest gegen die Arbeit des rot-grünen Senats niedergelegt. Jetzt berät er die Opposition bei der Ausarbeitung eines Aktionsplans gegen Antisemitismus

 05.06.2026

Potsdam

Antisemitismusbeauftragter legt Bericht vor

Brandenburgs Antisemitismusbeauftragter Andreas Büttner hat eine erste offizielle Bilanz seiner Arbeit angekündigt

 05.06.2026

Wahlen

Weimer: AfD wird »wie ein Soufflé« zusammenfallen

In Umfragen ist die AfD an den Regierungsparteien CDU und SPD vorbeigezogen. Doch der Kulturstaatsminister ist zuversichtlich, dass sich das Blatt bald wendet

 05.06.2026

Jerusalem

US-Botschaft warnt amerikanische Staatsbürger vor erhöhter Gefahr im Nahen Osten

Ist die neue Sicherheitswarnung ein Hinweis auf bevorstehende neue Angriffe gegen das iranische Regime, dessen Revolutionsgarden und atomare Anlagen?

 05.06.2026

Interview

»Wir wollen eine Gegenstimme zu israelfeindlichen Narrativen sein«

Anika Schmütz ist die neue Vorsitzende des »Jungen Forums« der Deutsch-Israelischen Gesellschaft. Ein Gespräch über das Israelbild unter jungen Deutschen, Antisemitismus in linken Milieus und die Freundschaft zwischen zwei Ländern

von Joshua Schultheis  05.06.2026

Washington D.C.

Trump will iranische Uranbestände nach Kriegsende holen

Zum wiederholten Mal äußert sich der US-Präsident hinsichtlich eines Abkommens mit Teheran optimistisch: Bereits in den kommenden Tagen könne eine vorläufige Einigung erzielt werden

 05.06.2026

Kommentar

Juden haben Hausverbot

Ausgerechnet in einem Prozess gegen einen Antisemiten würde einer Jüdin der Zutritt verwehrt, weil sie einen Davidstern um den Hals trug. Keine der Erklärungen für diesen Skandal ist beruhigend

von Wolf J. Reuter  05.06.2026

Meinung

Sicherheitsrat? Wichtiger ist, dass Deutschland Weltmeister wird!

Deutschland scheitert in New York mit seiner Bewerbung für den UN-Sicherheitsrat - und die versammelte Schwarmintelligenz weiß auch warum. Spoiler-Alert: Es hat etwas mit Annalena Baerbock zu tun. Oder mit Israel

von Michael Thaidigsmann  04.06.2026