Israel

Alle sind für Netanjahu

Mitt Romney in Jerusalem Foto: Flash 90

Für beide erforderte es Fingerspitzengefühl. Einerseits betonte Mitt Romney, Präsidentschaftskandidat der Republikaner in den USA, dass ihn und Israels Premier Benjamin Netanjahu eine Freundschaft verbindet, »die weit in die Vergangenheit zurückreicht«. Andererseits hält sich Netanjahu mit Kritik am amtierenden US-Präsidenten Barack Obama zurück, will er doch Zusagen von dessen Seite nicht gefährden.

Romney hingegen, der bei seiner 36-Stunden-Visite in Israel Anfang der Woche Amerikas Juden, traditionell Wähler der Demokraten, für sich gewinnen wollte, setzte sich von Obama deutlich ab. »Wir müssen zugeben«, sagte er, »dass Sanktionen und Diplomatie Irans Atomprogramm um keinen Deut zurückgesetzt haben. Deswegen brauchen wir eine glaubhafte militärische Drohung.« Sein außenpolitischer Berater Dan Senor konkretisierte: Sollte Israel sich gezwungen sehen, allein zu agieren, um Irans Ansturm auf die Atombombe aufzuhalten, »würde Gouverneur Romney das respektieren«.

Iran Doch just, als Romneys Berater den Israelis grünes Licht für einen Alleingang gegen den Iran in Aussicht stellte, spielten diplomatische Quellen der Tageszeitung Haaretz einen Bericht zu, wonach die USA bereits einen Plan für einen eigenen Angriff auf den Iran ausgearbeitet hätten. Obamas Sicherheitsberater Tom Donilon habe Netanjahu diese Pläne gezeigt und ihm auch von Amerikas neuen Bomben erzählt, die jede iranische Atomanlage zerstören könnten.

Vergangenen Freitag unterschrieb Obama vor laufenden Kameras ein neues Gesetz, das Israel strategisch weiter absichert. Zusätzlich versprach er 70 Millionen US-Dollar für zwei neue Raketenabwehrbatterien. Selbst israelische Hardliner, wie der Direktor für politische Fragen im Verteidigungsministerium, Amos Gilad, bezeichneten das Abkommen als »historischen Meilenstein«. Israel könne nun Waffen kaufen, die ihm bisher von Washington verweigert wurden.

Dass sich Netanjahu trotz dieses Erfolgs bei Obama den Sieg Romneys herbeiwünscht, ist aber offensichtlich: Beide arbeiteten in den 70er-Jahren als Berater bei der Boston Consulting Group, und heute haben sie in dem Milliardär Sheldon Adelson denselben Gönner. Der hat Romneys Kampagne 100 Millionen US-Dollar zugesagt, in Israel trägt der Casinomagnat die auflagenstärkste Tageszeitung Israel Hayom, die mit Kritik an Netanjahu sehr sparsam ist.

Düsseldorf

Mehr als 600 Dokumente aus NS-Zeit an Gedenkstätten übergeben

Eine im November gestoppte Auktion hat zum Ankauf von mehr als 600 Dokumenten aus der NS-Zeit geführt. Im Düsseldorfer Landtag sind sie nun an Gedenkstätten, Erinnerungsorte und Archive übergeben worden

 06.07.2026

Hintergrund

UNRWA: Die Rosa-Luxemburg-Stiftung und die Israel-Lobby

Eine neue Studie der linksparteinahen Stiftung präsentiert jüdische und pro-israelische Organisationen in Deutschland pauschal als Sprachrohre der Regierung in Jerusalem

von Michael Thaidigsmann  06.07.2026

Bayern

Jüdische Gemeinde München hat einen neuen Vorstand gewählt

Wer die meisten Stimmen erhalten hat - ein Überblick

 06.07.2026

Erfurt

Erkenntnisse aus dem AfD-Parteitag

Während draußen Tausende protestieren, sieht sich die AfD drinnen bereit fürs Regieren. Wer gefeiert wird, wer an Einfluss gewinnt und was es mit einem rätselhaften Star-Wars-Moment auf sich hat

von Jörg Ratzsch, Anne-Beatrice Clasmann und Stefan Hantzschmann  06.07.2026

Berlin

Kommission soll Unrecht an Sinti und Roma aufarbeiten

Auch nach 1945 haben Sinti und Roma in Deutschland Unrecht erlebt. Schon bald soll eine Kommission diesen Teil der Geschichte aufarbeiten. Das hat die Bundesregierung beschlossen

von Alexander Riedel  06.07.2026

Berlin

Wadephul: Irans Zahlung für Minenräumung wäre gerechtfertigt

»Der Iran hat rechtswidrig eine internationale Seefahrtsstraße vermint«, sagte der Bundesaußenminister

 06.07.2026

Berlin

Wegen Kritik an Passage zu Judenhass: CDU entfernt Wahlkampfvideo vorübergehend

In den sozialen Medien schreiben Kritiker, die Wahlwerbung setze friedliche Demonstrationen mit Antisemitismus gleich. Die Partei weist dies zurück

von Imanuel Marcus  06.07.2026

Vermummte Menschen mit Holzlatten

Berlin

Antisemitismus-Streit in linkem Jugendzentrum eskaliert

In Berlin-Hellersdorf ist es am Wochenende zu gewalttätigen Auseinandersetzungen wegen konträrer Positionen zu Israel gekommen

 06.07.2026

Gaza

Hamas kündigt Auflösung der De-facto-Regierung an

Auf einer Pressekonferenz verkündet die Terrororganisation die Abgabe der Koordination der zivilen Verwaltung. Die saudi-arabische Zeitung »Asharq Al-Awsat« schreibt, dies könnte den Weg für eine Übergangsverwaltung aus Fachleuten ebnen

 06.07.2026 Aktualisiert