Luftfahrt

Passagierflugzeug setzt auf Weg nach Tel Aviv Notrufsignal ab: Was geschah an Bord?

Eine Boeing 737 der Gesellschaft Fly Dubai Foto: picture alliance / NurPhoto

Ein Passagierflugzeug auf dem Weg von Dubai nach Tel Aviv hat am Mittwoch während des Fluges über Saudi-Arabien ein Notsignal gesendet, seine Route geändert und rapide an Höhe verloren. Israelischen Medien nach löste der Vorfall zunächst einen israelischen Abfangalarm aus.

Es handelte sich um einen Flug der Gesellschaft Fly Dubai mit 174 Passagieren an Bord, wie israelische Medien berichteten. Nachdem eine Entführung zunächst ausgeschlossen wurde, gab es zwei Theorien: ein versuchter Selbstmord eines der Piloten und ein versuchter Terroranschlag. Inzwischen wird offenbar eine versuchte Entführung wieder für möglich gehalten.

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Zunächst wurde bei der Flugüberwachung der internationale Notfallcode 7700 registriert, den einer der Piloten eingeschaltet haben muss. Wenig später wechselte das Signal auf den Code 7500. Dieser wird in der internationalen Luftfahrt verwendet, wenn eine Entführung oder ein anderer unrechtmäßiger Eingriff in den Flugbetrieb angezeigt werden soll.

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Kampfflugzeuge losgeschickt

Die Maschine befand sich zu diesem Zeitpunkt über Saudi-Arabien und hatte plötzlich eine Kursänderung eingeleitet. Nach Angaben von Sicherheitskreisen wurden daraufhin Kampfflugzeuge der israelischen Luftwaffe gestartet und in Richtung des Passagierflugzeugs geschickt.

Parallel zu den Vorgängen in der Luft liefen laut »The Times of Israel« in Jerusalem Beratungen auf höchster Ebene. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Israel Katz hätten angesichts der Situation eine Krisenbesprechung abgehalten, hieß es in dem Bericht. Auch der Schin Bet, der Mossad und die israelische Polizei sollen die Lage genau beobachtet und analysiert haben.

Meldungen wonach der israelische Luftraum aufgrund des Vorfalls kurzzeitig geschlossen worden war, waren laut »Ynet« Gerüchte.

Die Flugroute war zwischenzeitlich auf Tracking-Diensten nicht mehr zu verfolgen. Damit blieb zunächst unklar, wo sich die Maschine befand und was genau zu den beiden unterschiedlichen Notfallsignalen geführt hatte.

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Entführung ausgeschlossen

Wenig später berichteten israelische Zeitungen, der Vorfall habe mit einer Auseinandersetzung zwischen den beiden Piloten der Maschine zu tun. Laut »Ynet« prügelten sich der Pilot und der Co-Pilot. Der israelische Sender GLZ Radio berichtete, der Pilot sei Russe und der Co-Pilot Ukrainer. Anderen Berichten nach kommt der Co-Pilot aus dem Oman und der Pilot aus den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Das Flugzeug landete im saudi-arabischen Tabuk.

Offenbar spielten sich an Bord dramatische Szenen ab. Eine israelische Passagierin erklärte gegenüber »i24 News«, es habe einen Messerangriff auf den Piloten gegeben. Passagiere, die im vorderen Teil der Boeing 737 gesessen hätten, seien daraufhin ins Cockpit gegangen, um die Situation unter Kontrolle zu bringen.

Unbestätigten Angaben zufolge wollte einer der Piloten das Flugzeug zum Absturz bringen. Demnach wurde er vom anderen Piloten und einigen Passagieren davon abgehalten. In den sozialen Medien tauchten Bilder eines Passagiers mit Blutflecken auf seinem T-Shirt auf.

Verhinderter Anschlag

Auch ist inzwischen bekannt, dass die Boeing 737 im Flug plötzlich ihre Reiseflughöhe von 34.000 Fuß verließ und in weniger als einer Minute auf 17,000 Fuß absackte, während sie stark beschleunigte. Später war das Flugzeug bei gut 21.000 Fuß unterwegs, bevor es erneut absackte. Dies geht laut Zeitungsberichten aus öffentlich zugänglichen Flugdaten hervor und könnte für die Möglichkeit eines Selbstmordversuchs eines der Piloten sprechen.

Beispiele für durch Piloten-Suizide herbeigeführte Abstürze sind Egypt Air-Flug 990, der am 31. Oktober 1999 in den Atlantik stürzte, und German Wings-Flug 9525. In letzterem Fall verursachte der Co-Pilot am 24. März 2015 eine Kollision mit einem Berg in den französischen Alpen. In beiden Fällen kamen alle Passagiere ums Leben.

Andererseits geht Israel laut Kanal 12 zunehmend von der Terror-Theorie aus. Demnach wurde an Bord ein versuchter Anschlag verhindert. Wie sich am Mittag herauskristallisierte, griff der Co-Pilot den Piloten mit einem Messer an. Die saudischen Behörden ermitteln dem Fernsehbericht zufolge gegen ihn. Auch hieß es, in Jerusalem liefen Gespräche der Regierung und Behörden über den Vorfall und seine Implikationen.

Abholung der Passagiere

Die Gesellschaft Fly Dubai erklärte, eine andere Maschine werde nach Tabuk geschickt, um die Passagiere abzuholen und nach Israel zu bringen. Die israelische Regierung legt der »Times of Israel« zufolge Wert darauf, die Passagiere mit einer EL AL-Maschine oder einem Militärflugzeug abholen zu lassen.

Auf einem Foto, das offenbar ein Passagier in soziale Medien hochlud, ist die Boeing 737 mit einem erheblichen Schaden am Leitwerk zu sehen. Dieser muss bei den plötzlichen Sturzflügen entstanden sein.

Der Fly Dubai-Flug war um 7.05 Uhr Ortszeit in Dubai gestartet und sollte ursprünglich gegen 9.30 Uhr auf dem Ben-Gurion-Flughafen zwischen Lod und Tel Aviv landen.

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