Insbesondere junge Menschen in Deutschland brauchen aus Sicht des Psychologen und Islamismus-Experten Ahmad Mansour mehr staatlichen Schutz vor Radikalisierung. »Wir brauchen Präventionsarbeit, wir müssen schneller sein als die Islamisten und um jede Seele dieser jungen Menschen kämpfen, bevor sie sich radikalisieren«, sagte Mansour am Dienstag im ARD-Morgenmagazin.
Alles, was noch im rechtlichen Rahmen vor einer Radikalisierung getan werden könne, müsse ausgeschöpft werden. Eine spätere Deradikalisierung sei ressourcenintensiver, dauere länger und habe weniger Erfolgsaussichten.
Die Radikalisierung kann aus Sicht des Experten unterschiedliche Gründe haben, hängt jedoch oft mit Lebenskrisen zusammen, in denen nach Antworten und Hilfe gesucht wird. »Islamisten genau wie Rechtsextremisten bieten diese einfachen Lösungen. Sie bieten Orientierung, Halt, Zugehörigkeit zu einer Elite.«
Mansour äußerte sich nach dem islamistischen Anschlag auf den Berliner Christopher Street Day am Samstag. In diesem Fall sieht der Experte auch ein Versagen der Sicherheitskräfte. Während es bei den Anschlägen in Solingen, München oder Mannheim Einzeltäter gewesen seien, die sich weitestgehend unbemerkt online radikalisiert hätten, sei der Täter in Berlin »sichtbar radikal« gewesen. »Eingestufte Gefährder dürfen kein Auto mieten und dürfen sich nicht frei bewegen.«
Der Psychologe kritisiert, dass bislang noch ein gesamtgesellschaftliches Konzept fehle, um Menschen vor der Radikalisierung zu schützen. Unmittelbar nach Anschlägen gebe es immer viele Forderungen aus Gesellschaft und Politik, »doch zwei, drei Monate danach passiert nichts«.
Eine Präventivhaft für Gefährder, wie sie Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) nach dem Anschlag gefordert hatte, hält Mansour hingegen nicht für zielführend. »Repressionen alleine werden nicht helfen.« kna/ja