Rom

Abschied von Papst Franziskus

Beerdigung von Papst Franziskus auf dem Petersplatz in Rom. Foto: picture alliance / Sipa USA

Die Welt hat Abschied von Papst Franziskus genommen. Der gebürtige Argentinier, der mehr als zwölf Jahre lang die katholische Kirche geführt hatte, liegt nun in der Marienkirche Santa Maria Maggiore begraben.

Zuvor hatte es auf dem Petersplatz mit einer Viertelmillion Teilnehmern und Staatsgästen aus aller Welt eine bewegende Trauerfeier gegeben. Als Repräsentant Israel war jedoch nur der israelische Botschafter beim Heiligen Stuhl, Yaron Sideman, anwesend. Das berichtet »Times of Israel«. Weder Ministerpräsident Benjamin Netanjahu noch Präsident Isaac Herzog oder ein anderer bedeutender Vertreter des jüdischen Staates war zur Beerdigung des Papstes angereist.

Hinter dieser Entscheidung könnte die diplomatische Verstimmung stehen, die zuletzt zwischen dem Papst und Israels Regierung entstanden war. Franziskus hatte wiederholt mit teils scharfen Worten das militärische Vorgehen Israels in Gaza kritisiert. Vertreter Israels sowie der jüdischen Gemeinschaft warfen im Gegenzug dem Argentinier vor, Israel unverhältnismäßig hart zu verurteilen, während er zu den Massakern der Hamas am 7. Oktober 2023 kaum etwas gesagt habe.

400.000 Menschen in Rom auf den Beinen

Nach der Trauerfeier auf dem Petersplatz gab es einen Zug über sechs Kilometer durch die Straßen von Rom, den rund 150.000 Menschen verfolgten. Kardinal Giovanni Battista Re, der das etwas mehr als zwei Stunden lange Requiem auf dem Petersplatz leitete, predigte: »Er hat die Herzen berührt.«

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier führte die deutsche Trauerdelegation an und nannte Franziskus einen Mann der Barmherzigkeit, der dies auch selbst vorgelebt habe.

Neben der Polit-Prominenz, Monarchen, mehr als 200 Kardinälen und gut 4.000 anderen Geistlichen versammelten sich rund 250.000 Menschen dicht gedrängt auf dem Vorplatz der mächtigen Basilika und in den umliegenden Straßen.

Subtiler Appell in Predigt an Trump und Co.

Als einen Papst mit »großer menschlicher Wärme und zutiefst empfindsam« beschrieb Kardinal Re den Verstorbenen. Der Kirchenmann erzählte vom Wirken Franziskus‘, von dessen Einsatz für die Armen und Schwachen, für den Frieden sowie gegen Ungerechtigkeit und Krieg.

Dies konnte als subtiler Appell verstanden werden in Richtung der Mächtigen dieser Welt. Einige von ihnen waren auf dem Petersplatz bei dem Requiem dabei, etwa US-Präsident Donald Trump, der in der ersten Reihe ganz in der Nähe von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron saß.

Ein paar Plätze weiter nahm der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj Platz, dessen Land sich seit mehr als drei Jahren gegen den russischen Angriffskrieg verteidigt. Trump und Selenskyj trafen sich im Petersdom, ganz in der Nähe des Sarges, auch zu einem kurzen Gespräch.

Ausnahmezustand in Rom

Die hunderten Politiker aus mehr als 160 Delegationen sorgten in Rom für einen Ausnahmezustand. Vor allem wegen Trump, der am späten Freitagabend mit seiner Frau Melania in der Air Force One auf dem Flughafen Fiumicino landete, herrschten extreme Sicherheitsvorkehrungen. Direkt nach dem Ende der Trauerfeier eilten Trump und seine Leute zum Flughafen und reisten ab.

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Etliche Straßen waren gesperrt. Rund 10.000 Einsatzkräfte wurden aufgeboten, um einen reibungslosen Ablauf der Großveranstaltung zu gewährleisten. Über der Stadt kreisten Helikopter. Das gesamte Gebiet rund um den Vatikan wurde strengstens bewacht. Scharfschützen, Hundestaffeln, Patrouillen auf dem Fluss Tiber, Polizisten und Soldaten mit Anti-Drohnen-Technologie und andere Spezialeinheiten waren im Einsatz. Das italienische Heer war zudem mit Kampfjets in Bereitschaft.

Die vielen Staatsgäste nahmen seitlich des Altars Platz. Ganz vorn saß Präsident Javier Milei aus Franziskus‘ Heimatland Argentinien. Daneben waren die Italiener mit Präsident Sergio Mattarella und Ministerpräsidentin Giorgia Meloni. Aus Deutschland waren unter anderem Steinmeier und der geschäftsführende Kanzler Olaf Scholz angereist. Viele internationale Politiker nutzten die Trauerfeier dafür, um - zumindest kurz - miteinander zu sprechen.

Hunderttausende Menschen wohnen Messe bei

Dem Requiem wohnte bei strahlendem Sonnenschein eine Schar an Menschen bei. Als der Petersplatz voll war, reihten sich die Leute auch in der zum Dom führenden Via della Conciliazione auf. Auf der etwa 500 Meter langen Prachtstraße und bis hin zur Engelsburg am Tiber verfolgten sie über riesige Monitore die Trauerfeier. An mehreren Orten der Stadt waren Leinwände aufgebaut.

Danach wurde der Sarg des Papstes auf ein offenes Papamobil gelegt, das Franziskus auf seine letzte irdische Reise brachte. Auf den abgesperrten Straßen fuhr der Konvoi zunächst über den Tiber, dann durch das historische Zentrum Roms, über die Piazza Venezia, vorbei am Forum Romanum und dem wohl bekanntesten Wahrzeichen der Stadt, dem Kolosseum.

Einen solchen Trauerzug hat auch die Ewige Stadt schon lange nicht mehr gesehen. Als erster Papst seit mehr als 120 Jahren wird Franziskus nicht im Petersdom in den vatikanischen Grotten begraben, wie noch seine Vorgänger Johannes Paul II. und Benedikt XVI. Nur sieben seiner Vorgänger liegen in Santa Maria Maggiore, zuletzt wurde Clemens IX. dort beigesetzt – im Jahr 1669.

Letzte Ruhestätte außerhalb des Vatikans

Bei der Ankunft an der Kirche Santa Maria Maggiore brach Applaus unter den versammelten Menschen aus. Die Beisetzung fand in verhältnismäßig kleinem und nicht-öffentlichem Rahmen statt: mit Kardinälen, aber auch mit Franziskus‘ engen Mitarbeitern und seinem persönlichen Krankenpfleger.

Auf Wunsch des Papstes waren auch einige Arme und Obdachlose dabei, die sich von Franziskus verabschieden konnten. Der Pontifex, der am 17. Dezember 1936 als Jorge Mario Bergoglio in Buenos Aires geboren wurde, hatte sich stets für die Abgehängten und Ausgestoßenen eingesetzt.

In einem Schriftstück, das nach katholischem Ritus in seinen Sarg gelegt wurde, steht: »Franziskus hinterließ allen ein bewundernswertes Zeugnis der Menschlichkeit, der heiligen Lebensführung und der universalen Vaterschaft.« dpa/ja

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