Michel Friedman

Wir haben schon lange die Anfänge der Gewalt verlassen

Michel Friedman Foto: picture alliance / Panama Pictures

Mitten in Europa, in Amsterdam, werden jüdische Menschen gehetzt, geschlagen, getreten, bedroht – nur weil sie Juden sind. Ob man das nun Pogrom oder schlicht und einfach Verbrechen nennt: Es ist ein Angriff auf Menschen, ein Angriff auf die körperliche Unversehrtheit, ein Angriff auf die Freiheit, auf die Menschenwürde, auf die Demokratie. Was muss noch passieren, bis unsere Gesellschaft und die politisch Verantwortlichen verstehen, dass jüdisches Leben bedroht ist, nur weil es jüdisch ist?

Es ist nicht mehr zu relativieren, dass der politische Islam, der religiöse Extremismus aus der arabischen Welt, mehr und mehr unsere Demokratie angreift. Es ist nicht mehr zu erklären, warum die politischen Systeme, aber auch die Polizei, die Staatsanwaltschaften und die Justiz dagegen nicht in aller Härte präventiv, aber auch mit den Mitteln des Rechts durchgreifen .

Für jüdische Menschen ist es im Ergebnis gleichgültig, aus welchem Motiv Menschenhass, Judenhass, sie mitten in Europa trifft. Noch nie war jüdisches Leben nach 1945 so bedroht wie heute. Wir haben schon lange die Anfänge der Gewalt verlassen. Das gilt gerade für Deutschland, wo der Satz »wehret den Anfängen« seit Jahrzehnten wiederholt wird, ohne das ausreichend gehandelt wird. Wo jüdisches Leben nicht sicherer geworden ist und die alltägliche Lebensqualität schlechter. Gerade hier befinden  wir uns sehr nah einem neuen Endpunkt.

Wenn »Nie wieder« immer wieder wiederholt wird, klingt es furchtbar hohl  und zynisch. Nicht nur in Amsterdam, auch in Berlin haben jüdische Menschen Angst um ihre körperliche Unversehrtheit und um ihr Leben. Sie zu schützen – nicht nur, weil sie jüdisch sind, sondern Menschen und Bürgerinnen unserer Länder in Europa – wäre eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Seit Jahren ist aber nichts geschehen und umgesetzt worden. Ich fordere alle Verantwortlichen auf, mit allen politischen und juristischen Möglichkeiten den radikal-islamischen Gewalt-Terror gegen jüdische Menschen zu unterbinden. Jetzt.

Niemand kann sagen, er habe es nicht gewusst. Niemand kann seine Hände später in Unschuld waschen.

Meinung

Was im Iran-Krieg bisher erreicht wurde

Israelis und Amerikaner können durchaus schon militärische Erfolge gegen den Iran vorweisen. Das Mullah-Regime wird definitiv schwächer aus diesem Konflikt herauskommen, als es hineingegangen ist

von Sima Shine  18.03.2026

Meinung

Die Hertie School ist eine seltene Ausnahme

An der privaten Hochschule wurde die Studierendenvertretung für eine Pro-BDS-Resolution abgestraft. Das ist ein wichtiges Signal. Doch das Problem des Antisemitismus an deutschen Universitäten reicht viel weiter

von Ron Dekel  18.03.2026

Meinung

Das Tischtuch ist zerschnitten

Die niedersächsische »Linke« hat auf ihrem Parteitag einen Beschluss gegen den Zionismus verabschiedet. Das schadet dem Zusammenleben von Juden und Nichtjuden in Deutschland

von Achim Doerfer  18.03.2026

Kommentar

Jetzt offenbart die Linke ihr wahres Gesicht

Wer den Zionismus ablehnt, lehnt die Existenz eines jüdischen Staates ab - und damit genau jenen Schutzraum, der für Juden weltweit nach Jahrhunderten der Verfolgung existenziell geworden ist

von Daniel Neumann  17.03.2026

Meinung

Linke: Rotes Fähnchen im antizionistischen Wind

Linken-Parteichef Jan van Aken bagatellisiert den Beschluss seiner Genossen in Niedersachsen zu Israel. Damit dürfte er nicht durchkommen

von Michael Thaidigsmann  16.03.2026

Meinung

Iran: Der Verrat des Westens

Die Islamische Republik ist angeschlagen, doch ihre Unterstützer im Westen sind nach wie vor aktiv

von Jacques Abramowicz  13.03.2026

Analyse

Der strategische Fehler Teherans – und die Chance auf eine neue Ordnung im Nahen Osten

Wie der Krieg gegen das iranische Regime die Machtverhältnisse der Region dauerhaft verändern könnte

von Sacha Stawski  13.03.2026

Kommentar

Chamenei und die VIP-Lounge im Paradies

»VIP?«, fragt ein Engel durch den Türspalt. »Gewiss. Ich bin der Erhabene Führer«, sagt er ungeduldig

von Louis Lewitan  12.03.2026

Lanz und Precht

»Irgendwie so bombt man sich das Ganze am Ende zurecht«

In ihrem wöchentlichen Podcast versuchen sich Talkmaster Markus Lanz und Philosoph Richard David Precht an einer Analyse der Hintergründe des Irankriegs – und scheitern gewaltig

von Michael Thaidigsmann  11.03.2026