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Warum wir über Antisemitismus unter Syrern sprechen müssen

Joshua Schultheis Foto: Charlotte Bolwin

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Warum wir über Antisemitismus unter Syrern sprechen müssen

Immer wieder fallen syrische Geflüchtete mit judenfeindlicher Gewalt auf. Um solche Taten zu verhindern, braucht es eine rationale Analyse

von Joshua Schultheis  11.03.2025 12:32 Uhr

Für ein komplexes Problem gibt es selten eine einfache Lösung. Das ist eine Binse, und doch wird sie allzu oft ignoriert. Etwa dann, wenn es um antisemitische Straftaten von syrischen Geflüchteten geht. Bei diesem emotionalen Thema fallen die Reaktionen in der Regel unterkomplex aus: Die einen leugnen, verharmlosen oder relativieren das Problem. Die anderen tun so, als müsse nur nach Syrien abgeschoben oder die Grenzen geschlossen werden, um es aus der Welt zu schaffen.

Beides hat mehr von einem trotzigen Reflex als von einer rationalen Analyse. Doch eine solche bräuchte es, um dem näherzukommen, worum es eigentlich allen gehen sollte: eine Lösung.

Dafür muss zunächst das Problem anerkannt werden: Vergangenen Samstag randalierten drei Syrer vor dem Jüdischen Museum in München und nur, weil Polizisten mit gezückten Waffen einschritten, konnte eine Gewalttat verhindert werden. Ende Februar zog ein 19-jähriger Asylbewerber aus Syrien zum Berliner Holocaust-Mahnmal, um »Juden zu töten« und verletzte einen Touristen lebensgefährlich mit einem Messer. Das sind zwei Vorfälle allein in diesem Jahr. Seit 2015 gab es mehrere andere antisemitisch motivierte Gewaltverbrechen oder geplante Anschläge ausgehend von Syrern, die vor dem Krieg in ihrer Heimat nach Deutschland geflohen waren.

Gleichzeitig gilt: Nur ein kleiner Bruchteil der Syrer hierzulande wird gewalttätig.  

Vorkommnisse wie diese gefährden die Sicherheit der jüdischen Gemeinschaft. Das abzustreiten, wäre Realitätsverweigerung. Gleichzeitig gilt: Die Bedrohungen für Jüdinnen und Juden in Deutschland sind vielfältig und nur ein kleiner Bruchteil der Syrer hierzulande wird gewalttätig.      

Dennoch müssen solche Taten besser verstanden werden, um sie künftig zu verhindern. Die dafür nötige Forschung ist rar gesät, auch weil das Thema in der Wissenschaft tabuisiert wird. Die neue Studie »Von Damaskus nach Berlin« von Günther Jikeli bildet eine der wenigen Ausnahmen. Der Antisemitismusforscher interviewte mehr als 200 syrische Geflüchtete und kommt zunächst zu einem ernüchternden Ergebnis: Der Großteil von ihnen hat ein antisemitisches Weltbild. Andererseits zeigt Jikeli auf, wie groß die Unterschiede zwischen Syrern sein können, je nach ihrem spezifischen Hintergrund und den bisherigen Erfahrungen, die sie in Deutschland gemacht haben. Studien wie diese können den Weg zu echten Lösungen und Interventionsmöglichkeiten weisen.

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Doch noch scheinen differenzierte Antworten auf das Problem des Antisemitismus unter syrischen Geflüchteten wenig Gehör in Politik und Öffentlichkeit zu finden. Dort bevorzugt man auch zehn Jahre nach der Zuwanderung von fast einer Million Syrern lieber Hauruck-Rhetorik auf der einen und Leugnen auf der anderen Seite. Höchste Zeit, dass sich das ändert.

schultheis@juedische-allgemeine.de

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