Essay

Warum ich stolz auf Israel bin

Alon David ist freier Journalist, wuchs in Deutschland auf und lebt seit 2011 in Israel. Foto: Privat

Ich sitze vor meinem Haus im Kibbuz Dan und blicke in Richtung Libanon, dessen Grenze ich mit bloßem Auge sehen kann. Während die Sonne langsam untergeht und der Schabbat beginnt, höre ich sie wieder, die dröhnenden Geräusche israelischer Kampfflugzeuge am Himmel.

Heute Morgen gab es wieder Sirenen, gar nicht weit von hier, in Kirjat Schmona, Tel Chai und in den angrenzenden Kibbuzim. Während Menschen in Deutschland mit dem Klang des Weckers aufgewacht sind, wurden wir mal wieder von Sirenen geweckt. Nur wenige Sekunden blieben uns, um uns in einen der Schutzräume zu begeben. Der Grund: Terroristen in der Nähe versuchen immer wieder und nach wie vor, uns und den ganzen jüdischen Staat zu vernichten.

Während Kinder in Deutschland zur Schule gehen, halten wir im Schutzraum unsere Kinder in den Armen und versuchen sie zu beruhigen, obwohl wir selbst aufgeregt und nervös sind. Während in deutschen Häusern der Morgenkaffee in Ruhe genossen wird, rufen wir in Israel Verwandte und Freunde an, um sicherzustellen, dass alle wohlauf sind.

Heute Abend ist es im Kibbuz ruhig, aber nicht wegen des Schabbats. Es ist ruhig, weil die meisten meiner Nachbarn noch immer nicht in ihre Häuser zurückgekehrt sind, die sie vor anderthalb Jahren, nach dem Beginn der Angriffe der Hisbollah, verlassen mussten. Auch wenn die vereinbarte Waffenruhe die Illusion vermittelt, dass alles wieder zum Alltag zurückgekehrt ist: Von Normalität ist hier weit und breit nichts zu spüren.

Gedanken an die Schoa

Die Sirenen heute Morgen haben uns wieder gezeigt, dass der Terror längst nicht aufgehört hat. Natürlich haben wir uns schon ein bisschen daran gewöhnt. Die Abläufe – Sirene, Schutzraum, Warten, Entwarnung und wieder zurück zum Leben – sind mittlerweile fast schon mechanisch. Es fühlt sich an, als probte man immer wieder dasselbe Stück.

Aber während ich so draußen sitze und die israelischen Kampfflugzeuge über mir höre, die die Abendstille zunichtemachen, bin ich plötzlich sehr dankbar. Dankbar, dass dieser Staat eine starke Armee hat, die uns vor dem Terror schützt. Meine Gedanken gehen zu den Familienmitgliedern, die in der Schoa ermordet wurden. Ich denke plötzlich an jene, die unvorstellbares Leid in Konzentrationslagern und auf der Flucht ertragen mussten.

Hätte jemand damals unseren jüdischen Brüdern und Schwestern in Auschwitz gesagt, dass es eines Tages einen souveränen jüdischen Staat geben würde, mit einer starken und wehrhaften Armee, die nicht zulässt, dass Juden wehrlos ihren Feinden gegenüber stehen, dann hätte niemand daran geglaubt. Doch heute ist dieser Staat Wirklichkeit.

Leider gibt es auch in meiner alten Heimat, in Deutschland, jüdische Stimmen, die sich immer weiter von ihrer Vergangenheit und den Erfahrungen ihrer Familien entfernen. Es sind Menschen, die die Verbindung zu Israel verloren haben oder nie eine aufgebaut haben und die nun gegen Israel hetzen, Seite an Seite mit denen, die uns gerne vernichten möchten.

Lesen Sie auch

Ich kann sie nicht verstehen. Ich möchte ihnen zurufen: Israel ist doch ein Wunder, seht ihr das nicht? Es ist ein Land, das von Holocaustüberlebenden aus dem Nichts aufgebaut wurde, von einem traumatisierten Volk, das während des Zweiten Weltkriegs fast ausgelöscht wurde. Es ist ein immer noch junger Staat, der seit seiner Gründung um seine Existenz kämpfen muss.

Es ist nicht immer einfach

Und ja, die aktuelle Regierung in Israel ist vielleicht die schlechteste, die wir je hatten in den vergangenen 77 Jahren. Aber dass der Staat Israel existiert, dass er sich verteidigt, dass er zwar nicht perfekt, aber doch der beste jüdische Staat ist, den es je gab, das und das allein ist der Garant dafür, dass wir Juden überleben werden. Egal, ob hier oder in der Diaspora.

Ich lebe seit vielen Jahren in Israel. Ich weiß, was es bedeutet, von Terror und Vernichtungswahn bedroht zu werden. Ich weiß, wie schwer das Leben hier aufgrund dieser Bedrohungen und der wiederkehrenden Terroranschläge ist. Es ist wirklich nicht immer einfach.

Und doch bin ich erfüllt von tiefem Dank und Stolz, als jüdischer Mensch hier zu leben, Teil dieses Staates und Volkes zu sein, das so widerstandsfähig, so stark ist und das das Leben in seiner ganzen Tiefe feiert und für seine Freiheit kämpft.

Wenn die israelische Nation trotz der politischen Zerrissenheit und der tiefen Spaltung, die auf den 7. Oktober 2023 folgten, nicht zusammengebrochen, sondern widerstandsfähig, hoffnungsvoll und vereint geblieben ist, dann zeigt das, wie stark wir wirklich sind. Und wir werden kämpfen.

Wir werden leben, trotz des Terrors. Trotz des unbeschreiblichen Verlustes, des Schmerzes und all der Herausforderungen, mit denen wir es zu tun haben.

Der Autor ist freier Journalist, wuchs in Deutschland auf und lebt seit 2011 in Israel.

Interview

»Die meisten arabischen Staaten wollen, dass Israel gewinnt«

Dan Schueftan gilt als wichtigster israelischer Sicherheitsexperte. Er sieht Jerusalem so stark wie nie zuvor – und Europa auf einem ideologischen Irrweg

von Detlef David Kauschke  03.09.2026

Umfrage

Umfrage: Netanjahu-Lager holt auf, beide Blöcke bei 53 Mandaten

Noch vor einer Woche hatte dieselbe Umfrage ein deutlich anderes Bild ergeben. Damals lag die Opposition mit 57 Sitzen vorn

 03.09.2026

Missbrauch

Razzia gegen Kinderehen

Die Polizei ermittelt gegen eine strengreligiöse sektenähnliche Gruppe wegen illegaler Hochzeiten von Minderjährigen

von Sabine Brandes  03.09.2026

Jerusalem

Die Gewalt hat am Schabbat gesiegt

Wegen ultraorthodoxer Randalierer: Das Café Besimta der Bewegung »Juden für Jesus« öffnet samstags nicht mehr

von Sabine Brandes  03.09.2026

Gesellschaft

Rafael schlägt David

Die beliebtesten Kindernamen der Erstklässler in den unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen von Jerusalem

von Sabine Brandes  03.09.2026

Debatte

Öffentlich-Rechtliche Medien: Macht euren Job, aber macht ihn besser!

Ein Appell von Esther Schapira

von Esther Schapira  03.09.2026

Jerusalem

Netanjahu sagt, Sicherheitschefs hätten ihn am 7. Oktober absichtlich nicht geweckt

Neu ist vor allem die Behauptung, die Sicherheitsführung habe ihn nicht lediglich aus einer Fehleinschätzung heraus nicht informiert, sondern sich bewusst dagegen entschieden

 03.09.2026

Rehovot

Israelische Forscher melden Erfolg bei Krebsforschung

Forscher des Weizmann Institute of Science entdeckten gemeinsam mit amerikanischen Wissenschaftlern einen bislang unterschätzten Mechanismus bei der Entstehung genetischer Mutationen

 03.09.2026

Jerusalem

Katz: Israel ist bereit, die freiwillige Ausreise aus Gaza zu ermöglichen

Die Hintergründe

 03.09.2026