Sabine Brandes

USA und Israel: Zeit zu reden

Sabine Brandes Foto: privat

Sabine Brandes

USA und Israel: Zeit zu reden

Lange hat Präsident Biden Israels Premier Netanjahu die kalte Schulter gezeigt. Jetzt braucht es jedoch den Dialog

von Sabine Brandes  20.07.2023 09:36 Uhr

Er hat seinen Standpunkt klargemacht. US-Präsident Joe Biden wollte dem israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu zeigen, was er von seiner Regierungspolitik hält. Insbesondere – aber nicht nur – von der Justizreform. Nicht viel.

Zweifelsohne ist die Botschaft bei Netanjahu angekommen. Präsident Isaac Herzog war eingeladen, durfte neben dem mächtigsten Mann der Welt Platz nehmen und sich ablichten lassen. Der Regierungschef blieb derweil in Jerusalem und bekam gerade einmal einen Anruf. Nun hat Biden eingelenkt. Zwar gibt es noch kein Datum für eine offizielle Visite, die Einladung an Netanjahu ist aber ausgesprochen.

Beziehung »Wer zusammenleben will, muss immer wieder an einen Tisch kommen und miteinander reden«, betonen Paartherapeuten gern. Die kalte Schulter zu zeigen, mag ein effektives Werkzeug sein, um seinen Unmut auszudrücken und Grenzen aufzuzeigen, allerdings nur kurzzeitig. Wer dauerhaft abblockt, droht, die Beziehung zu zerstören.

Die größte Macht der Welt ist für Israel lebensnotwendig, der engste Verbündete in Nahost auch für die USA nicht wegzudenken.

Zwar sind die Regierungen in Jerusalem und Washington kein Liebespaar, eine Beziehung haben sie aber dennoch. Und zwar eine äußerst bedeutende. Die größte Macht der Welt ist für Israel lebensnotwendig, der engste Verbündete in Nahost auch für die USA nicht wegzudenken.

schaden Gleich mehrere extremistische oder inkompetente Mitglieder der Regierung in Jerusalem haben sich in den vergangenen Monaten wie die Axt im diplomatischen Walde benommen und der Verbindung enormen Schaden zugefügt. Doch die Freundschaft zwischen den Nationen ist »unzerbrechlich«, ließ Biden Herzog wissen und fügte hinzu, seine »Liebe zu Israel ist tief«.

»Freunde müssen nicht immer einer Meinung sein, können aber dennoch Freunde bleiben«, so lautet ein viel benutzter Satz in der Diplomatie. Er mag etwas bemüht klingen, ist aber wahr. Um die Beziehung zwischen den USA und Israel steht es derzeit nicht zum Besten. Genau der richtige Zeitpunkt, um an den Tisch zurückzukehren und zu reden.

Die Autorin ist Israel-Korrespondentin der Jüdischen Allgemeinen und lebt in Tel Aviv.

Meinung

Notbremse gegen Antisemitismus

Die Hochschulleitungen müssen den Judenhass ihrer Mitarbeiter und Studierenden als das ernst nehmen, was er ist: eine Gefahr für jüdisches Leben in Deutschland

von Debora Eller  22.07.2026

Meinung

Herr Kretschmer, es gibt nichts mit der AfD zu bereden!

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer stellt einmal mehr die Brandmauer in Frage und will »mit jedem reden, der reden will«. Doch reden muss man allenfalls mit den Wählern der AfD

von Michael Thaidigsmann  22.07.2026

Meinung

Es reicht!

Im Angesicht der brutalen und mutmaßlich antisemitisch motivierten Gewalttat bei Würzburg muss endlich über Verantwortlichkeiten geredet werden

von Volker Beck  22.07.2026

Meinung

Ist der neue jüdische Außenminister nur ein Feigenblatt?

Großbritanniens neuer Premier Andy Burnham hat Ed Miliband zum Außenminister ernannt. Dass nun ein jüdischer Politiker für die Nahostpolitik zuständig ist, könnte auch ein Feigenblatt sein

von Michael Thaidigsmann  21.07.2026

Kommentar

Absage an Danger Dan und Igor Levit: Das ZDF hat absolut richtig gehandelt

Nicht alles, was nicht justiziabel ist, muss auch gesendet werden. Schon gar nicht unverhohlene Aufrufe zur linksextremen Gewalt und Verherrlichung der »Hammerbande«-Terroristen

von Philipp Peyman Engel  18.07.2026 Aktualisiert

Kommentar

Warum ich mit der SPD fertig bin

Eine späte Einsicht ist besser als gar keine, oder?

von Imanuel Marcus  18.07.2026

WM-Nachlese mit Marcel Reif

»Man muss Infantino zum Teufel jagen und die FIFA auflösen«

Der Moderator und Fußballexperte spricht im Interview über seine persönlichen Highlights und Enttäuschungen der WM, über surreale Argentinier und die Sinnhaftigkeit der Trinkpausen

von Michael Thaidigsmann  17.07.2026

Essay

Der Flüchtlingsstatus der Palästinenser muss endlich enden

Wer über Asyl spricht, muss auch über die Bedingungen sprechen, unter denen Schutz wieder entfallen sollte

von Steven Guttmann  16.07.2026

Meinung

So markiert man Feinde

Die sogenannte Studie der Rosa-Luxemburg-Stiftung zur UNRWA enthält entlarvende Widersprüche. Sie konstruiert eine angebliche Kampagne gegen das Palästinenserhilfswerk und stellt dessen Kritiker in die rechte Ecke

von Rebecca Schönenbach  16.07.2026