Günter Jek

Unsoziale Streichungen

Günter Jek Foto: Gregor Matthias Zielke

Seit dem russischen Überfall suchten in Deutschland 1.139.689 Menschen aus der Ukraine Schutz und Sicherheit – die höchste Anzahl Geflüchteter seit dem Zweiten Weltkrieg. 80 Prozent von ihnen sind Frauen, die überwiegende Mehrheit davon kam ohne Partner, viele mit ihren Kindern. Diesen Menschen mit traumatischen Erfahrungen und ihren Sorgen um im Kriegsgebiet verbliebene Angehörige psychosoziale Hilfe und Unterstützung anzubieten, läge auf der Hand.

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Reem Alabali-Radovan, stellt stattdessen die von ihren Amtsvorgängerinnen ins Leben gerufenen Maßnahmen zum Empowerment von Frauen, Kindern und vulnerablen Geflüchteten lieber ein – aus Mangel an finanziellen Mitteln, wie es heißt. Betroffen davon ist auch das bundesweit einzige Projekt in jüdischer Trägerschaft, und zwar »Brückenbau – Vielfalt begegnen«, eine Kooperation der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST), Olam Aid (vormals IsraAid) sowie der jüdischen Gemeinde Bochum-Herne-Hattingen.

Beteiligung der jüdischen Zivilgesellschaft an der Aufnahme Geflüchteter

Die Beteiligung der jüdischen Zivilgesellschaft an der Aufnahme Geflüchteter war für Frau Özoguz seinerzeit ein persönliches Anliegen, Bundeskanzlerin Merkel würdigte die Arbeit des Projektes 2018 mit der Verleihung des Nationalen Integrationspreises.

Für die Integrationsbeauftragte, die zudem Beauftragte der Bundesregierung für Antirassismus ist, scheinen frühere Erfolge und aktuelle Herausforderungen wenig Bedeutung zu haben. Unter den Geflüchteten, die sich im Rahmen des Projektes mit eigenen sozialen Angeboten wie Sprachcafés und Wohnungslosenhilfe für die Aufnahmegesellschaft engagiert haben, herrscht Unverständnis über die Entscheidung, viele von ihnen betonen, dass die therapeutischen und psychosozialen Angebote von Brückenbau ihnen die Kraft gegeben hätten, sich zu einem aktiven, engagierten Part der deutschen Gesellschaft zu entwickeln.

Der Autor ist Leiter des Berliner Büros der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST).

Meinung

Wenn Empörung den Blick verstellt

Eine Replik an Wolf Biermann

von Sacha Stawski  06.10.2026

Essay

Fatale Geschichtsvergessenheit – Die Linke und der Antisemitismus

Klaus Lederer, ehemaliger Politiker der Partei »Die Linke« und aktuell Co-Sprecher der »Progressiven Linken e.V.«, zum dritten Jahrestag des Hamas-Massakers vom 7. Oktober 2023

von Klaus Lederer  05.10.2026

Kommentar

Die Linke sollte nicht den Berliner Bürgermeister stellen

Die Partei sollte sich erst einmal in der Opposition regenerieren und gegen Rassismus einsetzen

von Herbert Rubinstein  05.10.2026

Shelly Meyer

Kommentar

Wer tatsächlich vom »Judenfetisch« profitiert

150 Juden in Berlin haben mit einem Offenen Brief die Linkspartei unterstützt - das sind etwa 0,4 Prozent der Berliner jüdischen Stimmen. Doch sie könnten für die breite Öffentlichkeit kaum wertvoller sein

von Shelly Meyer  04.10.2026

Schweiz

Ein Importverbot von koscherem Fleisch gefährdet jüdisches Leben

Ein Kommentar von Jonathan Kreutner, Generalsekretär des jüdischen Dachverbands SIG

von Jonathan Kreutner  02.10.2026

Meinung

KI-Warnung: ehrlich oder eigennützig?

Wenn Künstliche Intelligenz wirklich so gefährlich zu werden droht, wäre nicht freiwillige Zurückhaltung, sondern internationale Kontrolle die richtige Antwort

von Elke Wittich  27.09.2026

Meinung

Wolfgang Benz, Stefanie Schüler-Springorum und das deutsche Zentrum für Antisemitismus-Leugnung

Ein Kommentar von JA-Chefredakteur Philipp Peyman Engel

von Philipp Peyman Engel  25.09.2026

Bern

Verantwortung lässt sich nicht neutralisieren

Die Schweiz debattiert anlässlich einer Volksabstimmung über ihre Neutralität. Ein Kommentar von JA-Schweiz-Korrespondentin Nicole Dreyfus

von Nicole Dreyfus  25.09.2026

Kommentar

Sprecht mit uns. Nehmt uns ernst

Herr Ramelow, die jüdische Gemeinschaft, die vor Judenhass warnt, ist nicht das Problem. Antisemitismus ist das Problem - insbesondere in Ihrer Partei

von Avitall Gerstetter  24.09.2026