Meinung

Steht auf gegen Judenhass!

Jan Feldmann Foto: Andreas Wenzel

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Steht auf gegen Judenhass!

Eine Reihe antisemitischer Vorfälle in den vergangenen Tagen hat die jüdische Gemeinschaft in Deutschland erschüttert. So darf es nicht weiter gehen. Ein Appell an die Zivilgesellschaft

von Jan Feldmann  26.09.2025 14:38 Uhr

Antisemitismus ist allgegenwärtig. Er ist lauter, sichtbarer – und wird mehr und mehr salontauglich. Lange wollte ich das nicht wahrhaben. Ich gehörte zu denen, die naiverweise hofften, der moderne Antisemitismus sei nur ein gesellschaftliches Randphänomen, ein Überbleibsel der dunklen Vergangenheit. Doch die Realität des Jahres 2025 belehrt mich eines Besseren.

Im Schaufenster eines Geschäftes in Flensburg hängt ein Schild mit der Aufschrift: »Juden sind hier nicht erwünscht.« Michel Friedman wird in Mecklenburg-Vorpommern von einer Lesung ausgeladen. In einem Fürther Restaurant heißt es offen: »Israelische Bürger sind hier nicht willkommen.« Kein Sport mit Juden, keine Musik mit Juden, kein Essen mit Juden. Ausgrenzung wird wieder zur Normalität.

Dabei gibt es seit Jahren Antisemitismusbeauftragte, Behörden, Aktionspläne. Und doch wächst der Hass. Wenn die eigens geschaffenen Strukturen ihn nicht eindämmen, sondern er heute so massiv auftritt wie lange nicht, muss man fragen: Handeln diese Behörden richtig? Oder haben wir uns in Symbolpolitik eingerichtet, während die Realität längst außer Kontrolle geraten ist?

Wenn Juden das Land verlassen, weil sie sich hier unsicher oder ausgegrenzt fühlen, dann verliert Deutschland seine Identität.

Mein Appell richtet sich deshalb nicht in erster Linie an die Politik, sondern an die deutsche Zivilgesellschaft: Steht auf! In den sozialen Medien, in der Nachbarschaft, in Kultur, Wissenschaft und Sport. Deutsche Juden waren und sind stolz darauf, jüdisch und deutsch zu sein – Teil eines Landes, das sich wie kein anderes mutig und schmerzhaft seiner Geschichte gestellt hat.

Kritik an israelischer Politik ist legitim, wie jede politische Kritik in einer Demokratie. Aber wenn Juden das Land verlassen, weil sie sich hier unsicher oder ausgegrenzt fühlen, dann verliert nicht nur die jüdische Gemeinschaft. Dann verliert Deutschland seine Identität.

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Schon meine Eltern, die 1999 als jüdische Kontingentflüchtlinge aus Usbekistan nach Deutschland kamen, erzählten mir, wie Antisemiten in der Sowjetunion riefen: »Juden, haut ab nach Israel.« Heute hört man das Gegenteil: »Juden, raus aus Israel.« Die Botschaft ist dieselbe geblieben: Juden sollen keinen Platz haben – nirgendwo.

Wenn die Politik ohnmächtig bleibt, ist die deutsche Gesellschaft gefragt. Steht auf – gegen Antisemitismus und gegen jede Form der Diskriminierung. Jetzt. Mehr denn je.

Der Autor ist Videoredakteur bei der Jüdischen Allgemeinen.

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