Sabine Brandes

Schwieriger Dialog zwischen Freunden

Es war eine Reise in ungewöhnlicher Zeit. Vergangene Woche besuchte Bundesaußenminister Heiko Maas inmitten der Corona-Pandemie Israel. Doch nicht nur das Virus machte die Visite schwierig. Im Gepäck hatte Maas auch ein heikles Thema: die umstrittene Annexion von palästinensischen Gebieten durch die Regierung in Jerusalem.

Zwar durfte sich Maas wegen der Corona-Beschränkungen im Land nur begrenzt bewegen, traf jedoch auf drei Top-Politiker: Premier Benjamin Netanjahu, Verteidigungsminister Benny Gantz und seinen Amtskollegen Gabi Ashkenazi.

SONDERSTELLUNG Dabei machte er klare, wenn auch maßvolle Ansagen. Deutschland habe große Sorgen wegen der angekündigten Annexion und sehe sie als mit internationalem Recht unvereinbar. Man stehe jedoch als enger Freund an der Seite Israels. Er sprach sich gegen EU-Sanktionen aus, warnte allerdings, dass es Staaten gebe, die dies durchaus befürworten.

Maas’ Besuch war ein diplomatischer Balanceakt. Zum einen hat Deutschland in Bezug auf Israel zweifellos eine Sonderstellung, zum anderen war es sein Anliegen, die Haltung der Bundesregierung – gegen eine Annexion und nach wie vor für eine Zweistaatenlösung zwischen Israelis und Palästinensern – zu unterstreichen, bevor Tatsachen im Nahen Osten geschaffen werden. Zumal Deutschland am 1. Juli, dem vorgesehenen Stichtag der Annexion, die Ratspräsidentschaft in der EU und damit besondere Verantwortung übernehmen wird.

Er halte nichts davon, mit Drohungen Politik zu machen, betonte Maas.

Er halte nichts davon, mit Drohungen Politik zu machen, betonte Maas. Dass der Bundesaußenminister zudem ein Zeichen setzte, das Land, dessen Grenzen für Ausländer noch immer geschlossen sind, jetzt zu besuchen, machte deutlich, wie wichtig es ihm ist.

Das wird auch in Jerusalem anerkannt. Gabi Ashkenazi dankte ihm dafür mit der Versicherung, man wisse um Deutschlands Verpflichtung zu Israels Sicherheit und schätze die Perspektive aus Berlin. Denn man wolle einen offenen Dialog unter Freunden. Und der scheint trotz Schwierigkeiten und unterschiedlichen Meinungen gut zu funktionieren.

Meinung

Jugendwerk endlich gründen

Seit vielen Jahren wird immer wieder betont, wie wichtig die Institutionalisierung des deutsch-israelischen Jugendaustauschs wäre. Höchste Zeit, die Idee in die Tat umzusetzen

von Joshua Schultheis  21.01.2026

Meinung

Liebe Iraner, wir fühlen mit euch!

Als Israelin wünscht sich unsere Autorin nichts mehr, als dass das brutale Regime in Teheran bald fällt. Ein offener Brief an die mutigen Menschen im Iran

von Sabine Brandes  21.01.2026

Meinung

Friedensrat für Gaza oder Kriegsrat gegen Israel?

In Zukunft sollen ausgerechnet die Hamas-Unterstützerstaaten Katar und die Türkei im Friedensrat über den Gazastreifen mitbestimmen dürfen. Für Israel sollte das eine Warnung sein, sich unabhängiger von den USA zu machen

von Daniel Neumann  21.01.2026

Meinung

Einladung, Empörung, Ausladung

Dass der Iran am Weltwirtschaftsforum in Davos zunächst willkommen war und kurz darauf wieder ausgeladen wurde, ist ein Lehrstück darüber, wie Menschenrechte erst dann zählen, wenn sie zum Reputationsrisiko werden

von Nicole Dreyfus  19.01.2026

Gastbeitrag

Wie Europas Parlamentarier über Israel denken

Der Blick europäischer Politiker auf Israel hat sich gewandelt, wie die jüngste ELNET-Befragung von europäischen Politikern zeigt

von Carsten Ovens  16.01.2026

Meinung

Solidarität mit Israel ist links

Das Bekenntnis zum jüdischen Staat ist die Voraussetzung glaubwürdiger progressiver Politik. Doch in der Linkspartei werden Genossen für diese Haltung immer öfter angefeindet

von Selin Gören  15.01.2026

Kommentar

Ein freier Iran wäre kein Risiko für Israel, sondern ein Partner  

Die Zeit für moralische Distanz oder falsche Neutralität ist längst vorbei. Jetzt ist die Zeit, hinzusehen, zuzuhören - und Partei zu ergreifen

von Vida Funke  15.01.2026

Meinung

Für die Freiheit

Seit Wochen protestieren Tausende Menschen in ganz Iran gegen das Regime. Deutschland und Europa müssen nun endlich reagieren: Und zwar mit maximaler Härte

von Shahrzad Eden Osterer  13.01.2026

Kommentar

Europa und der Iran: Zaudernde Zaungäste

In Brüssel heißt es, man beobachte die sich dramatisch zuspitzende Lage im Iran »aufmerksam«. Doch warum macht die EU ihren Einfluss auf das Mullah-Regime nicht geltend?

von Michael Thaidigsmann  13.01.2026