Hanno Loewy

Österreich: Jom Kippur als Extrawurst

Hanno Loewy, Direktor des Jüdischen Museums Hohenems Foto: Jon Holloway

In Österreich wird über einen Feiertag gestritten. Und natürlich kann man in Österreich über nichts mehr streiten, ohne dass es um Muslime und Juden geht. Und die Rollen sind wieder einmal festgelegt. Schauen wir uns das einmal genauer an. Es geht um den Karfreitag, den höchsten protestantischen Feiertag. In einem traditionell katholischen Land, in dem Protestanten einst gewaltsam verfolgt und vertrieben wurden, war das hart erstritten. Der Europäische Gerichtshof hat nun entschieden, dass die geltende Regelung gegen europäisches Recht verstößt. Dass nur Protestanten, Altkatholiken und Methodisten an diesem Tag frei haben, verstoße gegen den Gleichheitsgrundsatz.

GLEICHHEIT Man könnte meinen, in Österreich würde man nun einen variablen Feiertag einführen, sodass die verschiedenen Religionsgemeinschaften selbst entscheiden können. Aber nein, weit gefehlt. Der Karfreitag als Feiertag wird nun einfach ganz abgeschafft. Auch so kann man »Gleichheit« herstellen. Sollen halt alle katholisch werden.

Wir Juden werden
hingegen wieder als
»unantastbar« vorgeführt.

Aber natürlich gibt es Ausnahmen, die man auch genüsslich zitiert. Uns Juden, die man neuerdings so liebt, wie man die »anderen Fremden« verachten darf; wir dürfen unseren Jom Kippur behalten, der ebenfalls durch einen Generalkollektivvertrag von 1953 gesichert ist.

MUSLIME Die Muslime haben bislang keinen Anspruch auf irgendeinen Feiertag. Und das soll auch so bleiben. Und damit wir uns richtig verstehen: Vizekanzler Heinz-Christian Strache hat nun in einem Interview für eine der populistischen Gratiszeitungen auch öffentlich die Katze aus dem Sack gelassen. Man hat den Evangelischen den Feiertag weggenommen, damit man den Muslimen keinen geben muss. Das wäre ja noch schöner.

Wir Juden werden hingegen wieder als »unantastbar« vorgeführt – von denen, die um antisemitische Pointen sonst nicht verlegen sind. »Ja, ja, die Juden bekommen eben wieder eine Extrawurst gebraten« – jedenfalls solange keiner das Naheliegende tut und wieder den Klageweg beschreitet (und damit in Kauf nimmt, als Antisemit beschimpft zu werden). Wenn das Ganze dann vor Gericht kommt, stürzt die Konstruktion der Regierung in sich zusammen wie ein Kartenhaus. Und schuld daran sind am Ende: »die Linken« (die Arbeiterkammer) und »die Muslime«, die unsere Regierung dann einmal wieder als die wahren »Antisemiten« entlarven wird. So funktioniert die Politik in Österreich.

Der Autor ist Direktor des Jüdischen Museums Hohenems.

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