Meinung

Maria und Jesus waren keine Palästinenser. Sie waren Juden

Noa Cohen als Maria Foto: Christopher Raphael/Netflix

Aktuell läuft in den sozialen Netzwerken mal wieder eine Kampagne. Es geht gegen den Film »Mary«, der ab dem 6. Dezember auf »Netflix« zu sehen sein wird.

Der Grund für die Proteste ist simpel: Die Rolle der Maria wird von Noa Cohen verkörpert, einer israelischen Jüdin.

So postete jemand, es sei »zutiefst beleidigend, dass eine israelische Schauspielerin Maria, die Mutter Jesu, spielt, während Israel einen Völkermord an den Palästinensern begeht.« Ein anderer schrieb: »Die gesamte Besetzung besteht aus weißen Europäern, mit Ausnahme eines Mischlings.« Das sind absurde Thesen.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Wo, fragen sich kluge Menschen, ist das Problem, wenn eine Jüdin in einem Film eine andere Jüdin spielt? Nun, es ist offenbar deswegen ein Problem, weil manche die Menschen, die vor 2000 Jahren in Israel, pardon, in Palästina lebten, als »Palästinenser« ansehen. Dem bei vielen im Westen mittlerweile verbreiteten Narrativ zufolge waren Maria, ihr Mann Josef und ihr Sohn Jesus nämlich Palästinenser. Zumindest versuchen einige Menschen das der Welt einzureden.

Auch einige Christen haben im Bibelunterricht offenbar nicht aufgepasst. Denn sonst wüssten sie, dass Maria Forschungen zufolge im Jahr 16 v. Chr. geboren wurde. Ihr Sohn, über dessen Vaterschaft die Meinungen bekanntlich schon damals auseinandergingen, was aber seiner Jüdischkeit keinen Abbruch tut, kam der Logik unserer Zeitrechnung zufolge im Jahre Null, oder so um den Dreh, auf die Welt. Auch hier gehen die Meinungen auseinander.

Die Familie lebte - auch das erfährt man im christlichen Neuen Testament - im Königreich Judäa, unter der Herrschaft des König Herodes, der sich mit den Römern verbündet hatte, Bürger ihres Reiches war und auch ihre Götter verehrte, aber in der Geschichtsschreibung doch als Jude gilt und in Jerusalem zudem - ein nicht ganz unwichtiges Indiz - den zweiten jüdischen Tempel bauen ließ. Jenen Tempel also, in dem sich Jesus laut Neuem Testament rund 30 Jahre nach seiner Geburt heftige Diskussionen geliefert haben soll mit Rabbinern und anderen jüdischen Gelehrten.

Lesen Sie auch

Bevor die Römer ihn in Jerusalem kreuzigten, sollen sie auf sein Kreuz die Buchstaben INRI geschrieben haben - eine Abkürzung für »Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum«, zu Deutsch »Jesus aus Nazareth, König der Juden«.

Braucht es noch eines Beweises, dass Jesus als Jude geboren wurde und als solcher starb? Nicht einmal die Evangelisten im Neuen Testament bestritten das, auch wenn es sie nicht daran hinderte, den Juden kollektiv die Tötung des Jesus von Nazareth anzulasten und nicht etwa den Römern, die ihn tatsächlich hinrichten ließen.

Das Christentum als eigenständige Religion wurde erst viele Jahre nach dem Tod von Jesus als eigene Religionsgemeinschaft ins Leben gerufen. Ungefähr zeitgleich, genauer im Jahr 132, benannte der römische Kaiser Judäa in »Palästina« um. Der Islam, die vorherrschende Religion unter den Palästinensern, entstand erst im 7. Jahrhundert unserer Zeitrechnung.

Die logische Schlussfolgerung, auch wenn sie nicht ins Narrativ einiger postkolonialer Linker passt, ist: Weder Maria und Josef noch ihr Sohn Jesus waren zu Lebzeiten »Christen«. Sie waren auch keine »Palästinenser«, zumindest nicht in dem Sinn, in dem dieser Begriff heute gebraucht wird, nämlich als nichtjüdische Bewohner des Heiligen Landes.

Nein, sie waren Juden. Sie wurden als Juden in einem jüdischen Königreich geboren und starben als Juden. Sie nachträglich zu Palästinensern umzudeklarieren, ist reine Propaganda.

Interview

»Es fehlte am fußballerischen Können, nicht am Glück«

Sportreporter-Legende Marcel Reif über das WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft, Jürgen Klopp und die Zukunft von Julian Nagelsmann als Bundestrainer

von Michael Thaidigsmann  02.07.2026 Aktualisiert

Fußball

Länderspiel verlegt: Irland verzichtet auf Israel-Boykott

Irlands Fußballverband FAI will das UEFA-Nations-League-Spiel gegen Israel nun in Serbien austragen - auch, um einen Abstieg zu vermeiden

 02.07.2026

Großbritannien

London ehrt Stefan Zweig

84 Jahre nach seinem Tod wird der berühmte österreichische Schriftsteller Stefan Zweig in London geehrt. Dorthin war er 1936 vor den Nazis geflohen

 02.07.2026

Augsburg

Neue »Initiative Antisemitismuskritik & Theater« gegründet

Rund 60 Theaterschaffende haben in Augsburg ein neues Netzwerk gegen Judenfeindlichkeit ins Leben gerufen. Ihnen geht es etwa darum, antisemitismuskritische künstlerische Werke zu entwickeln. Und sie wollen expandieren

von Christopher Beschnitt  02.07.2026

Kulturkolumne

In der Hitze des Sommers

Zwischen Deutschland und Israel: Wenn die Luft sich nicht bewegt und die Zeit stillsteht

von Laura Cazés  02.07.2026

Thüringen

Achava-Festspiele: Dialog zwischen Religionen und Kulturen

Die Achava-Festspiele gehen mit mehr als 80 Veranstaltungen in ihre zwölfte Ausgabe. Neben Konzerten umfasst das Programm Ausstellungen, Filme, Vorträge, interreligiöse Begegnungen sowie Angebote für Familien und Schulen

 02.07.2026

Weimar

Ausstellung zeigt Verstrickung von Ärzten im NS-Staat

Die Weimarer Ausstellung »Systemerkrankung« skizziert ausgewählte Biografien von Medizinern im NS-Staat. Die Texte und Hörstationen ordnen dabei die Rolle der individuellen Verstrickungen, aber auch Widerstandshandlungen zwischen 1933 und 1945 ein

 02.07.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Katrin Richter  02.07.2026

Bachmannpreis

Sie ging – der Roman kommt

Die Autorin Slata Roschal las in Klagenfurt ihren Text »Es ist die Leichtigkeit, die den Herrn am Tisch von der Putzfrau unterscheidet«. Und sie verursachte einen kleinen Skandal

von Katrin Richter  02.07.2026