Meinung

Können Juden noch SPD wählen?

Die Vizepräsidentin des Bundestages, Aydan Özoğuz (SPD), hat auf Instagram einen Beitrag des antisemitischen Accounts »Jüdische Stimme« verbreitet, in dem der Zionismus dämonisiert wird. Ihr Fall wirft ein Schlaglicht auf einen oft fehlenden Feinsinn in der Politik. In Sonntagsreden beteuern Politikerinnen und Politiker gerne, dass Deutschland an der Seite Israels stehe – schließlich sei das Staatsräson. Doch verstehen sie wirklich, was Zionismus bedeutet?

Zionismus steht nicht für Krieg, Gewalt oder Besatzung. Theodor Herzl definierte ihn als die Schaffung eines jüdischen Staates in der historischen Heimat des jüdischen Volkes, in der Nähe des Zionberges bei Jerusalem. Zionismus bedeutet das Recht des jüdischen Volkes auf Selbstbestimmung und das Bestreben, in Frieden und Sicherheit in einem eigenen Staat zu leben. Wer Zionismus fälschlicherweise mit Konflikten oder Unterdrückung gleichsetzt, betreibt nicht nur Geschichtsfälschung, sondern bedient oft antisemitische Narrative.

Lesen Sie auch

Als SPD-Mitglied, das seit über zehn Jahren in der Partei aktiv ist, kann ich mit Überzeugung sagen: Die SPD ist nicht antisemitisch. In all diesen Jahren habe ich keinen antisemitischen Vorfall in meiner politischen Arbeit erlebt. Antisemitismus ist kein strukturelles Problem in der Partei. Ganz im Gegenteil: Die SPD versteht sich als Hüterin von Gerechtigkeit und Menschenwürde – Werte, die Antisemitismus ausschließen.

Die deutschen Sozialdemokraten haben schon 1952 eine entscheidende Rolle bei der Annahme des Luxemburger Abkommens gespielt, das unter Konrad Adenauer die Verpflichtung Deutschlands zur »Wiedergutmachung« gegenüber Überlebenden des Holocaust festlegte. Damals stimmte die SPD im Bundestag geschlossen dafür, während viele CDU-Abgeordnete – nicht selten belastet durch NSDAP-Mitgliedschaften und beeinflusst von nationalistischen und christlich-antisemitischen Ideologien – sich gegen diese Aussöhnung wehrten. Adenauer selbst erkannte, dass die deutsche Reintegration in die Weltgemeinschaft nur über eine Aussöhnung mit dem jüdischen Volk gelingen konnte.

Heute ist die CDU für viele Juden wählbar, weil sie – zumindest nach außen – eine klare, pro-israelische Haltung zeigt. Diese Geschlossenheit fehlt in der SPD gelegentlich. Doch bei näherem Hinsehen sind es Einzelne, die durch Unwissenheit ins Fettnäpfchen treten. Aber Unwissenheit schützt bekanntlich vor Strafe nicht – und bei antisemitischen Äußerungen sollte dies erst recht gelten.

Es liegt an uns, klare Konsequenzen zu ziehen. Die SPD darf sich keinen Raum für antisemitische Missverständnisse erlauben. Denn ich möchte weiterhin dafür kämpfen, dass die SPD für jüdische Bürgerinnen und Bürger nicht nur wählbar, sondern ein Zuhause bleibt.

Der Autor ist Mitglied im Kreisvorstand der SPD Germersheim.

Meinung

Warum der Begriff »Davidstern-Skandal« unpassend ist

Die Formulierung beschreibt den Vorfall nicht nur falsch, sie deutet ihn auch als ein jüdisches Vergehen

von Martin Krauß  30.01.2026

Meinung

Warum es auch schwerfällt, die gelbe Schleife abzulegen

Zwei Jahre und drei Monate lang haben Menschen auf aller Welt mit der gelben Schleife ihre Solidarität mit den am 7. Oktober 2023 nach Gaza verschleppten Geiseln gezeigt. Nun können wir sie endlich ablegen

von Sophie Albers Ben Chamo  29.01.2026

Meinung

Die Täter müssen sich schämen

Ein Missbrauchsskandal erschüttert derzeit die jüdische Gemeinschaft Deutschlands. Wer solche Taten besser verhindern will, muss Betroffene in die Lage versetzen, angstfrei über ihre schrecklichen Erfahrungen sprechen zu können

von Daniela Fabian  29.01.2026

Meinung

Wenn Entwicklungspolitik Hamas-Propaganda übernimmt

Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD) tätigt faktisch falsche Aussagen und übernimmt zentrale Narrative der palästinensischen Terrororganisation. Und dies ist nur die Spitze des Eisberges

von Sacha Stawski  29.01.2026

Meinung

Was würden Saba und Safta sagen?

Sie würden uns zurufen: »Wehrt euch gegen diesen Hass! Schließt euch mit denen zusammen, die in Deutschland bisher schweigen, aber dennoch die Mehrheit darstellen«

von Avitall Gerstetter  28.01.2026

Meinung

Ein Schmock kommt selten allein

Im »Dschungelcamp« scheint Gil Ofarim in bester Gesellschaft. Doch was hat er aus seiner Lüge in der »Davidstern-Affäre« gelernt?

von Ayala Goldmann  27.01.2026

Meinung

»Zeit Geschichte« stellt sich in eine unsägliche Tradition

Das Titelbild der neuen Ausgabe des Hefts reduziert den Nahostkonflikt auf ein simples Gut-gegen-Böse-Schema. Immer wieder nutzen renommierte Medien problematische Bildsprache, wenn es um Israel geht

von Nikolas Lelle  27.01.2026

Meinung

Israel hat seine Zukunft zurück

Ran Gvili, die letzte Geisel in Gaza, wurde geborgen und nach Israel überführt

von Sabine Brandes  26.01.2026

Menachem Z. Rosensaft

Deutsche Bahn auf Abwegen

Eine neue Bahntrasse soll in nur 400 Meter Abstand an der Verladerampe des ehemaligen Todeslagers Bergen-Belsen vorbeiführen. Der Umgang mit diesem historischen Ort ist skandalös

von Menachem Z. Rosensaft  22.01.2026