Saba Farzan

Keine Geschäfte mit den Mullahs

Saba Farzan Foto: privat

Saba Farzan

Keine Geschäfte mit den Mullahs

Es ist nicht die alleinige Verantwortung der deutschen Unternehmen, aus dem Iran-Handel auszusteigen, sondern auch eine Pflicht der Politik, andere Märkte zu öffnen

von Saba Farzan  07.09.2024 20:52 Uhr

Zu einer der vielen schlechten Traditionen der deutschen Außenpolitik gehört es, selbst dann einfach wie zuvor weiterzumachen, wenn die bisherige Herangehensweise wie ein Kartenhaus in sich zusammengefallen ist. Annalena Baer­bock verkündete 2022 nach der »Frau, Leben, Freiheit«-Revolution und den brutalen Menschenrechtsverletzungen im Iran, es könne kein »business as usual« mehr geben.

Die Bilanz im Jahr 2024: Die deutschen Geschäfte mit der iranischen Diktatur laufen besser denn je. Im ersten Halbjahr ist der Handel in Deutschland mit dem Iran um 11,6 Prozent gewachsen und umfasst ein schändliches Volumen von 636 Millionen Euro. Oftmals sind es »Dual-Use-Güter«, die die Schreckensherrschaft der Ayatollahs und Revolutionsgarden für ihr illegitimes Atomprogramm und zur weiteren Herstellung von Waffen nutzen, die auch an Putin geliefert werden.

Die Ayatollah-Herrschaft ist derzeit ungefähr so stabil wie die der SED kurz vor dem Mauerfall.

Diese Handelsbeziehungen sind für das Regime überlebenswichtig: In einem finanziell bankrotten Staat zählt jeder Cent, und sie halten den trügerischen Schein aufrecht, dass das Land stabil sei. Dabei ist die Ayatollah-Herrschaft derzeit ungefähr so stabil wie die der SED kurz vor dem Mauerfall. Deswegen ist der Handel mit dieser Diktatur kurzsichtig – und moralisch verwerflich. Im Iran gibt es eine kleptokratische Planwirtschaft, exorbitante Korruption und grausame politische Verfolgung. Das sind keine stabilen Bedingungen für Wirtschaftsbeziehungen.

Es ist nicht die alleinige Verantwortung der deutschen Unternehmen, aus dem Iran-Handel auszusteigen, sondern auch eine Pflicht der Politik, andere Märkte für die Mittelständler zu öffnen. Das könnten in einem größeren Rahmen als bisher beispielsweise die Vereinigten Arabischen Emirate sein, aber auch Bahrain. In jedem Fall braucht es eine konzertierte Anstrengung für einen Rückzug aus dem iranischen Markt. Denn das Equipment deutscher Firmen wird vom »Revolutionsführer« Chamenei und seinen Schergen dazu verwendet, im gesamten Nahen Osten und in der Ukraine Zerstörung anzurichten.

Die Autorin ist Mitglied im Landesvorstand der Berliner FDP.

Meinung

Im Zweifel für das Narrativ?

Die »tageszeitung« (taz) veröffentlichte einen Beitrag eines Deutsch-Palästinensers, der nicht nur unrichtige Aussagen enthält, sondern eine sehr fragwürdige Erzählung propagiert

von Michael Thaidigsmann  18.08.2026

Meinung

Von Menschen und Monstern

Die neuen Äußerungen des rechtsextremen israelischen Ministers Itamar Ben-Gvir sind schockierend, aber leider nicht überraschend

von Ayala Goldmann  18.08.2026

Bern

Verantwortung lässt sich nicht neutralisieren

Die Schweiz debattiert anlässlich einer Volksabstimmung über ihre Neutralität. Ein Kommentar von JA-Schweiz-Korrespondentin Nicole Dreyfus

von Nicole Dreyfus  16.08.2026

Essay

Politische und moralische Bankrotterklärung

Die Literaturkritikerin Maha El Hissy hat kein Problem damit, die populärste antisemitische Ritualmordlegende unserer Gegenwart zu verbreiten. Trotzdem wurde sie in die Jury des renommierten Deutschen Buchpreises berufen

von Daniel Neumann  15.08.2026

Meinung

Brennende Moscheen: Moralische Klarheit bei Siedlergewalt

Die Stimme gegen Gewalt, die im Namen des jüdischen Volkes ausgeübt wird, muss ebenso klar und deutlich vernehmbar sein wie gegen die Gewalt, die sich gegen uns richtet

von Rabbiner Pinchas Goldschmidt  14.08.2026

Meinung

AfD als Sicherheitsrisiko

Es ist die Pflicht jedes Einzelnen, unsere Verfassung zu verteidigen und ein Überprüfungsverfahren anzustrengen. Verbieten kann nur unser freiheitlich-demokratischer Rechtsstaat

von Roderich Kiesewetter  13.08.2026

Meinung

Warum die Begründung des OLG Zweibrücken nicht überzeugt

Der Beschluss des Pfälzischen Oberlandesgerichts zur Gleichsetzung von Davidstern und Hakenkreuz zeigt, wie die bestehende Dogmatik angesichts des Anstiegs des Antisemitismus in der Gesellschaft an Grenzen stößt

 12.08.2026

Kommentar

UNRWA: Fakten statt Tabus

Warum Kritik am Palästinenserhilfswerk auf Schweigen und Ablehnung stößt

von Duki Dror  12.08.2026

Georg Restle

Medien

Geglaubt und geteilt

»Antisemitismus«, definierte Adorno, sei »das Gerücht über Juden«. Was ist dann dessen Verbreitung? Die ARD muss sich einer längst fälligen Debatte stellen

von Esther Schapira  11.08.2026