Meinung

Keine Ausreden mehr für Elon Musks Apologeten

Antonia Sternberger Foto: Florian Pfeiffer

Meinung

Keine Ausreden mehr für Elon Musks Apologeten

Spätestens nach seinem Auftritt bei einer AfD-Wahlkampfveranstaltung sollte klar sein: Der Tech-Milliardär steht nicht aufseiten von Freiheit und Demokratie

von Antonia Sternberger  28.01.2025 17:08 Uhr

Jubel brandet in der Halle auf, Deutschlandfahnen werden geschwungen, die Masse ist begeistert. Der Applaus auf der Wahlkampfveranstaltung der AfD gilt aber nicht der eigenen Spitzenkandidatin Alice Weidel, sondern Elon Musk. Der Multimilliardär ließ sich aus den USA zuschalten, um den Anwesenden mitzuteilen, dass »in Deutschland zu viel Fokus auf vergangene Schuld gelegt werde und man sich davon lösen solle«.

Der Wunsch nach einer Abkehr von der Erinnerungskultur und dem »Schlussstrich« unter den Nationalsozialismus ist Anhängern der AfD alles andere als fremd. Doch diese Forderung aus dem Mund von Elon Musk zu hören, muss für sie eine lang herbeigesehnte Anerkennung gewesen sein. Seht her: Der reichste Mensch der Welt bestätigt unser ewig gestriges Weltbild.

Auf treue Musk-Apologeten, die den Milliardär bisher vor allem als genialen Unternehmer bewundert haben, hat dessen AfD-Auftritt hoffentlich eine ganz andere Wirkung: Sie sollten sich endlich von ihrem Idol loszusagen. Denn spätestens jetzt ist klar, dass Elon Musk nicht aufseiten der Freiheit und Demokratie steht, sondern sich mit Rechtsextremen gemein macht.

Lesen Sie auch

Hinweise auf Musks Gesinnung gab es auch davor eigentlich genug. Am Tag der Amtseinführung Donald Trumps sorgte er für Gesprächsstoff, als er zweimal hintereinander den Hitlergruß zeigte. Da hilft es auch nicht, dass die Anti-Defamation League (ADL) lediglich von einer »seltsamen Geste« spricht. Zurecht hat die ADL das Zeigen von Hitlergrüßen auf Pro-Palästina-Demonstrationen verurteilt und möchte nun die von Musk gezeigte Geste anders interpretieren als 99 Prozent der Weltöffentlichkeit? Das ist Doppelmoral.

Schon in den vergangenen Jahren machte Musk mit antisemitischen Ausfällen auf sich aufmerksam.

Abseits seiner Business-Ventures und seinem Vorhaben den Mars zu besiedeln, wird Musks Faszination für totalitäre Regime und Ideologien immer offensichtlicher. Seine Unterstützung Donald Trumps ist also nicht der Beginn, sondern lediglich der bisherige Höhepunkt seiner Reise in die Welt der verschwörungsfreudigen Ideologien.

Schon in den vergangenen Jahren machte Musk mit antisemitischen Ausfällen auf sich aufmerksam. Weder die Verschwörungstheorie, dass Juden heimlich die Geschicke der Welt lenken würden, noch dass sie »Hass gegen Weiße schüren«, wurde ausgelassen. Um sich von den Vorwürfen des Antisemitismus reinzuwaschen, besuchte er im Januar 2024 das ehemalige Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz. Denn man weiß ja: Wer eine KZ-Gedenkstätte besucht, legt beim Betreten rechtsextremes Gedankengut für immer ab.

Die Zeiten, in denen der FDP-Vorsitzende Christian Lindner davon sprach, dass man »mehr Musk und Milei wagen« solle, müssen mit Musks neuesten Eklat auf der AfD-Veranstaltung nun ihr Ende finden. Zwar zeigten sich Teile seiner deutschen Anhänger ob seiner jüngsten Aussagen irritiert, ihr Urteil fiel jedoch nicht allzu harsch aus. Doch man kann sich nicht als Kämpfer gegen Antisemitismus inszenieren und im selben Atemzug den Judenhass seines Idols unter den Teppich kehren wollen, nur weil er nicht aus dem linken politischen Lager stammt. Dann ist man nämlich nur eines: ein Heuchler.

Die Autorin hat Jura an der Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn studiert und arbeitet als Wissenschaftliche Mitarbeiterin in Düsseldorf. Sie schreibt regelmäßig für EDA, das Magazin der Jüdischen Studierendenunion Deutschland.

Meinung

KI-Warnung: ehrlich oder eigennützig?

Wenn Künstliche Intelligenz wirklich so gefährlich zu werden droht, wäre nicht freiwillige Zurückhaltung, sondern internationale Kontrolle die richtige Antwort

von Elke Wittich  27.09.2026

Meinung

Wolfgang Benz, Stefanie Schüler-Springorum und das deutsche Zentrum für Antisemitismusleugnung

Ein Kommentar von JA-Chefredakteur Philipp Peyman Engel

von Philipp Peyman Engel  25.09.2026

Bern

Verantwortung lässt sich nicht neutralisieren

Die Schweiz debattiert anlässlich einer Volksabstimmung über ihre Neutralität. Ein Kommentar von JA-Schweiz-Korrespondentin Nicole Dreyfus

von Nicole Dreyfus  25.09.2026

Kommentar

Sprecht mit uns. Nehmt uns ernst

Herr Ramelow, die jüdische Gemeinschaft, die vor Judenhass warnt, ist nicht das Problem. Antisemitismus ist das Problem - insbesondere in Ihrer Partei

von Avitall Gerstetter  24.09.2026

Glosse

Ein Clan-Chef als Antisemitismusbeauftragter!

Warum Issa Remmo der »Linken« offiziell Persilscheine ausstellen und Arafat Abou-Chaker neuer Polizeipräsident in Berlin werden sollte

von Ayala Goldmann  22.09.2026

Kommentar

Schwesigs Erfolg: Wie man die AfD im Zaum halten kann

Manuela Schwesig hat gezeigt, wie man dem Populismus der Rechtsextremen begegnen kann. Das ist nicht nur eine gute Nachricht für die SPD, sondern für alle Demokraten

von Michael Thaidigsmann  22.09.2026

Meinung

Berlin bekommt, was es verdient!

Ein Kommentar von Chefredakteur Philipp Peyman Engel zum Erdrutschsieg der Linkspartei in der Hauptstadt

von Philipp Peyman Engel  20.09.2026

Essay

Wo ist mein Berlin, in dem es keinen Hass auf Juden mehr geben sollte?

Unsere Gastautorin Dorothea Schupelius warnt vor der unheiligen Allianz der Linkspartei mit radikalen Muslimen - und vermisst das Berlin, in dem sie aufgewachsen ist

von Dorothea Schupelius  20.09.2026

Es braucht eine Brandmauer gegen die Linkspartei

Wenn Rassismus von rechts für Regierungsverantwortung disqualifiziert – warum sollte Antisemitismus von links weniger schwer wiegen?

von Nelly Eliasberg  20.09.2026 Aktualisiert