Meinung

Jetzt kann das Herz heilen

Sabine Brandes Foto: privat

Zwei Jahre lang habe ich Worte mit zitternden Händen geschrieben, oft den Tränen nah, und Geschichten in mir getragen, die manchmal zu schwer zum Erzählen waren. Ich traf Familien, die auf Nachrichten warteten, die nie kamen. In den Händen immer die Fotos ihrer Liebsten, im Herzen die zerbrechliche Hoffnung.

Ich habe ehemalige Geiseln gehört, deren Rückkehr Wunder und Last zugleich war. Ihre Stimmen geprägt von tiefer Dankbarkeit und auch den Gespenstern der dunklen Tunnel der Hamas. Ihr Schicksal war nicht nur mit der Geschichte Israels, sondern auch mit meinem eigenen verwoben. Denn das Wissen um unschuldige Menschen, die eine Autostunde von mir entfernt in dunklen Tunneln angekettet unvorstellbare Qualen litten, ließ mich nicht in Ruhe.

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Heute, da die letzten lebenden Geiseln nach Hause zurückkehrten, kann ich meine Tränen nicht länger zurückhalten. Der Krieg gegen die Hamas in Gaza, der unsere Tage verschlang und unsere Nächte grausam verfolgte, ist hoffentlich endlich zu Ende. Es fühlt sich fast unwirklich an, die Worte Schwarz auf Weiß zu sehen: »Der Krieg ist vorbei.«

Kollektiver Atemzug in ganz Israel

In ganz Israel erhebt sich an diesem Tag die Erleichterung wie ein kollektiver tiefer Atemzug – teils Seufzer, teils Schluchzen, teils Gesang. Wir erleben Wiedersehen, die man kaum beschreiben kann: Eltern, die ihre verloren geglaubten Kinder im Arm halten. Freunde, die gemeinsam das Massaker der Hamas überlebten und sich endlich gegenseitig trösten können. Soldaten, die schweigend dastehen und zusehen, wie das Leben zurückkehrt, für das sie gekämpft haben. Die Gesichter erzählen Geschichten des Überlebens und von Liebe, die keine Grenzen kennt.

Und wir sehen auch all jene, zu denen niemand zurückkehrt, den sie in den Arm nehmen können. Sie, die jetzt noch weiterkämpfen müssen, damit auch die toten Geiseln alle nach Hause zurückkehren. Und sie wirklich Abschied von ihren Liebsten nehmen können.

Für mich, wie für so viele andere, haben diese zwei Jahre tiefe Spuren in der Seele hinterlassen. Oft wurde die Berichterstattung für mich wie zu einem Akt des Durchhaltens. »Ein wenig noch, dann wird alles gut«, dachte ich jeden Tag beim Aufstehen und Schreiben. Und jeden Abend, nachdem ich den letzten Satz beendet hatte, und einschlief.

Das Ende des Krieges wird nun aber auch Stille mit sich bringen. Die lauten Rufe des Kampfes um die Geiseln werden verstummen. Es wird eine Stille der Erinnerung an all jene, die nie mehr lebend zurückkehren. Die traumatischen Ereignisse und zwei schweren Jahre haben viele Menschen verändert und verängstigt. Es wird Zeit brauchen, bis wir lernen, die tägliche Angst abzulegen und ein Grundvertrauen in das Leben zurückzugewinnen.

Erfüllung der Hoffnung ist der echte Sieg

Doch ich bin mir sicher, wir können es. Denn ich glaube fest, die Erfüllung der Hoffnung durch die Rückkehr der Geiseln, ist der echte Sieg. Und er kann der Anfang sein, dass wir nach so viel Dunkelheit den Blick auf das Licht wagen können. Dass wir unseren Kindern nicht nur das Überleben, sondern auch den Glauben an den Frieden beibringen können.

Während ich diese Worte schreibe, denke ich an all die Menschen, die ich kennengelernt habe, die Mütter und Väter, die Schwestern, Brüder und Freunde - und wie ihr privater Schmerz zum Spiegel der Nation wurde. Endlich können sie aufatmen. Wir alle können es.

Die Plakate der verschleppten Menschen werden uns nun nicht mehr auf Schritt und Tritt begleiten und mahnen, dass wir sie nicht aufgeben dürfen. Jetzt, da sie zu Hause sind, kann das Herz endlich beginnen zu heilen. Das von Israel – und meins auch.

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