Einspruch

Europa rückt zusammen

Michael Thaidigsmann Foto: privat

Seit Langem steht die Europäische Union in der Kritik. Immer dort, wo die Einstimmigkeit der 27 Regierungen notwendig sei – zum Beispiel bei Anstrengungen gegen den wachsenden Antisemitismus, der Impfstoffbeschaffung oder in der Außenpolitik –, handele Brüssel zu zögerlich, erziele nur den kleinsten gemeinsamen Nenner und lasse gar zu, dass einige wenige der Mitgliedsländer die ganze EU lahmlegten.

Manche dieser Vorwürfe wirkten zwar schon früher reichlich übertrieben oder waren schlicht falsch. Fest steht aber: Der russische Einmarsch in die Ukraine hat die Verantwortlichen in Brüssel und den anderen EU-Hauptstädten wachgerüttelt; sie zusammengeschweißt.

mitgliedsstaaten Plötzlich ist vieles machbar: knallharte Wirtschaftssanktionen gegen Russland, milliardenschwere Finanzspritzen und auch Waffenlieferungen an Kiew. Die 27 Mitgliedsstaaten haben sich schnell auf eine gemeinsame Haltung in der Flüchtlingsfrage geeinigt. Sogar ein EU-Beitritt der Ukraine erscheint nun möglich.

Fast täglich werden dieser Tage in Brüssel heilige Kühe geschlachtet.

Fast täglich werden dieser Tage in Brüssel heilige Kühe geschlachtet. Jedem ist bewusst, dass die gemeinsamen Grundwerte Europas nicht durch hehre Deklarationen, sondern durch rasches Handeln verteidigt werden. Das gilt nach innen wie nach außen. Die mutigen Ukrainer haben Europa gezeigt, dass man Aggressoren nicht einfach gewähren lassen darf.

folgen Das könnte auch im Innern der Union Folgen haben. Letzte Woche beschloss der EU-Ministerrat einstimmig ein Paket zum Kampf gegen den Antisemitismus. Es fand naturgemäß wenig Beachtung, gibt es doch Wichtigeres in diesen Tagen. Auch der Konflikt mit Polen und Ungarn über die Einhaltung rechtsstaatlicher Prinzipien ist nun in den Hintergrund getreten.

Europa rückt zusammen. Es besinnt sich auf seine Stärken. Demonstrative Entschlossenheit und Einigkeit im Handeln gehören neuerdings dazu. Das Räderwerk der EU läuft auf Hochtouren, es funktioniert erstaunlich reibungslos. Jeder weiß: Nur so besteht eine Chance, die dramatischen Auswirkungen des russischen Angriffskriegs für Europa zu bewältigen.

Karneval

Gegen Judenhass in de Bütt gestiegen - diesen Redner muss man lieben

Bei der Mainzer Fastnacht hält »Till« eine bemerkenswerte Rede über den wachsenden Antisemitismus in Deutschland. Eine Wohltat für den sonst so schrecklich unpolitischen Karneval

von Martin Krauß  16.02.2026

Meinung

Danke, Herr Minister!

Johann Wadephul hat sich von Francesca Albanese distanziert und ihren Rücktritt gefordert. Doch jetzt müssen Deutschland und andere Staaten den Druck weiter erhöhen

von Michael Thaidigsmann  13.02.2026

Meinung

Jeffrey Epstein: Ein schlechter Mensch

Der verurteilte amerikanische Sexualstraftäter ist und bleibt ein beliebig formbares Vehikel für jedweden Verschwörungsmythos

von Sophie Albers Ben Chamo  13.02.2026

Meinung

Wiesbaden: Wie man dem Antisemitismus und dem Islamismus eine Bühne bietet

Im Haus der Vereine durfte die Jugendgruppe »Salehin« auftreten. Offiziell ging es um eine »kulturelle religiöse Jugendveranstaltung«. Doch tatsächlich wurde dort Propaganda für das Mullah-Regime gemacht

von Daniel Neumann  12.02.2026

Meinung

Oliver Pochers geschmacklose Witze über Gil Ofarim

Der Comedian verkleidet sich auf Instagram als Ofarim und reißt Witzchen über die Schoa. Während echte Komiker Humor stets als ein Mittel nutzen, um sich mit den Schrecken und Abgründen dieses Verbrechens auseinanderzusetzen, tritt Pocher nur nach unten

von Ralf Balke  11.02.2026

Kommentar

 »Nie wieder!« ist eine grenzüberschreitende Daueraufgabe

Die Antisemitismus-Konferenz in St. Gallen macht klar: Judenhass macht vor Grenzen nicht halt und muss entsprechend bekämpft werden

von Jonathan Kreutner  11.02.2026

Meinung

Sprachrohr der Hamas, Maulheldin der Vereinten Nationen

Wieder einmal macht Francesca Albanese mit ungeheuerlichen Äußerungen von sich reden. Doch Europas Politiker bleiben seltsam still

von Michael Thaidigsmann  11.02.2026

Kommentar

Wie aus berechtigter Kritik kollektive Abrechnung wurde

Die Diskussion über Gil Ofarim zeigt wieder einmal, wie sehr die Maßstäbe verrutschen, sobald Juden angreifbar erscheinen

von Jonas Schnabel  10.02.2026

Meinung

Warum ich mich für meine Teilnahme am Dschungelcamp nie schämen würde

Die »Lindenstraßen«-Darstellerin Rebecca Siemoneit-Barum war 2015 bei der berühmt-berüchtigten RTL-Sendung in Australien dabei. Hier erzählt sie, was die Zeit im Dschungel bis heute für sie bedeutet

von Rebecca Siemoneit-Barum  09.02.2026 Aktualisiert