Manchmal legen sogar Slogans der AfD Wahrheiten offen. »Du siehst es doch auch« ist überall in Baden-Württemberg, wo gerade Wahlkampf herrscht, auf Plakaten zu lesen. Darunter findet sich noch der Hashtag #JetztMalEhrlich.
Stimmt haargenau, möchte man laut ausrufen, auch wenn die Macher dieser Kampagne gewiss etwas anderes im Sinn hatten. Schließlich ist klar und deutlich zu sehen, dass es kein Zufall sein kann, wenn die Rechtsextremen ausgerechnet zum 100. Jahrestag des Reichsparteitags der NSDAP, der den Aufstieg der völkischen Bewegung markierte, ihren eigenen großen Parteitag zelebrieren wollen.
In Thüringen, wo das AfD-Treffen stattfindet, war die NSDAP erstmals an einer Landesregierung beteiligt.
Und weil ein Zufall selten allein kommt: Die Zusammenkunft der AfD findet ebenfalls, wie einst das große Get-together der Nazis von 1926, in Thüringen statt, wo dieses Jahr übrigens keine Wahlen abgehalten werden. Dafür aber war die NSDAP dort 1930 erstmals an einer Landesregierung beteiligt, was Adolf Hitler als großen Erfolg und Testlauf für eine Übernahme der Reichsregierung feierte.
#JetztMalEhrlich, liebe AfD: Das Spiel mit historischen Parallelen, der ständige Rückgriff auf kontaminierte Begriffe, ist bei euch Programm und Teil einer Strategie, die die Provokation zum Prinzip erhoben hat. Ist der positive Bezug auf den Nationalsozialismus dann doch allzu deutlich, wird alles zum Missverständnis umgedeutet oder werden die Kritiker der AfD als nur an »einer zwanghaften Instrumentalisierung der Geschichte interessiert« dargestellt, wie es Stefan Möller, Sprecher der Thüringer AfD, jetzt behauptete.
An der Spitze dieses Landesverbands steht Björn Höcke, ein Geschichtslehrer, der gern Nazi-Slogans verwendet, vor Gericht aber dann behauptet, dies ohne Kenntnis ihrer Herkunft getan zu haben. Höcke sollte vor wenigen Tagen durch ein Misstrauensvotum im Erfurter Parlament auf den Stuhl des Ministerpräsidenten gehievt werden. Geklappt hat es nicht. Wenigstens das ist keine historische Parallele.
Der Autor ist Historiker und freier Journalist in Berlin.