Ruben Gerczikow

Ein Schlag ins Gesicht der Angehörigen

Ruben Gerczikow Foto: Rina Gechtina

Ruben Gerczikow

Ein Schlag ins Gesicht der Angehörigen

Es ist zu befürchten, dass das Hanau-Gedenken gegen den Willen der Überlebenden und Familien von anti-israelischen Gruppen instrumentalisiert wird

von Ruben Gerczikow  16.02.2024 11:45 Uhr

Am 19. Februar jährt sich der rechtsterroristische Anschlag von Hanau zum vierten Mal. Vier Jahre ohne Gökhan Gültekin, Sedat Gürbüz, Said Nesar Hashemi, Mercedes Kierpacz, Hamza Kurtović, Vili Viorel Păun, Fatih Saraçoğlu, Ferhat Unvar und Kaloyan Velkov, die aus rassistischen Motiven ermordet wurden.

Seit  dem Anschlag engagieren sich viele Menschen in Gruppen und Bündnissen gegen Rassismus und Rechtsextremismus. Sie organisieren deutschlandweit Veranstaltungen und erinnern an die Opfer von Hanau. Auch in diesem Jahr wird es Demonstrationen geben. Vor dem Hintergrund der jüngsten Recherchen von Correctiv über ein Treffen rechtsextremer Aktivisten mit Politikern von AfD und CDU in Potsdam und den darauf folgenden Kundgebungen kann mit großem Andrang gerechnet werden.

Ein wichtiges Zeichen, doch auch eine Herausforderung. Denn das diesjährige Gedenken wird auch von den Nachwehen des 7. Oktober 2023, dem Anschlag der islamistischen Terrororganisation Hamas auf Israel und dem daran anschließenden Krieg, überschattet. Es ist zu befürchten, dass einige Gedenkdemonstrationen gegen den Willen der Überlebenden und Angehörigen von anti-israelischen Gruppen instrumentalisiert werden. So kam es bereits in den vergangenen Jahren in vielen deutschsprachigen Städten zu anti-israelischen und antisemitischen Vorfällen im Rahmen des Hanau-Gedenkens. 

Sechs Monate nach dem Anschlag fand eine Demonstration in Wien statt. Die Israel-Boykottkampagne BDS positionierte sich gegen den Willen der veranstaltenden Organisation direkt vor der Bühne und setzte im Vorfeld die Jüdischen Österreichischen HochschülerInnen mit den türkisch-rechtsextremen Grauen Wölfen gleich. Bei Gedenkveranstaltungen in Köln und Berlin zeigten Mitglieder der inzwischen verbotenen PFLP-Vorfeldorganisation Samidoun immer wieder durch die Fahnen ihrer Organisation Präsenz. Außerdem kam es beispielsweise in Berlin, Frankfurt und Hanau zu Rufen wie »Von Hanau bis nach Gaza – Yallah Intifada!«. 

Als die Initiative 19. Februar, die von Überlebenden und Angehörigen gegründet wurde, 2023 davon erfuhr, intervenierte sie und stellte die Gruppe zur Rede. Eine jüdische Aktivistin, die mit Überlebenden von Hanau und des antisemitischen Anschlags von Halle am 9. Oktober 2019 zusammenarbeitete, veröffentlichte im Nachgang ein Statement auf Instagram. Sie schrieb: »Selbst in Hanau (!!!) wurden die Wünsche und Bedürfnisse der Familien und Angehörigen nach einem würdigen Gedenken ohne Instrumentalisierung und Vereinnahmung bewusst ignoriert, um Antisemitismus zu verbreiten.«

Auch dieses Jahr bewerben im Vorfeld Gruppen wie »Migrantifa Braunschweig« und »Migrantifa Rhein-Main« ihre Demonstrationen mit dem Ausruf »Von Hanau bis nach Gaza«. Und in Berlin sind »Palästina Spricht« und »Young Struggle« Teil der Demo-Organisation. Beide hatten den Terrorangriff vom 7. Oktober 2023 auf Israel glorifiziert. Diese Gruppen müssen sich die Frage stellen, ob ihre Aufrufe nicht eher ein Schlag in das Gesicht der Angehörigen von Hanau sind. Denn die Initiative 19. Februar hat sich erneut klar dazu geäußert, was bei den diesjährigen Demonstrationen ein absolutes No-Go sein sollte: »National-, Partei- und Organisationsfahnen haben in diesem Erinnern keinen Platz. Unser Gedenken soll nicht instrumentalisiert werden.«

Essay

Fatale Geschichtsvergessenheit – Die Linke und der Antisemitismus

Klaus Lederer, ehemaliger Politiker der Partei »Die Linke« und aktuell Co-Sprecher der »Progressiven Linken e.V.«, zum dritten Jahrestag des Hamas-Massakers vom 7. Oktober 2023

von Klaus Lederer  05.10.2026

Kommentar

Die Linke sollte nicht den Berliner Bürgermeister stellen

Die Partei sollte sich erst einmal in der Opposition regenerieren und gegen Rassismus einsetzen

von Herbert Rubinstein  05.10.2026

Shelly Meyer

Kommentar

Wer tatsächlich vom »Judenfetisch« profitiert

150 Juden in Berlin haben mit einem Offenen Brief die Linkspartei unterstützt - das sind etwa 0,4 Prozent der Berliner jüdischen Stimmen. Doch sie könnten für die breite Öffentlichkeit kaum wertvoller sein

von Shelly Meyer  04.10.2026

Schweiz

Ein Importverbot von koscherem Fleisch gefährdet jüdisches Leben

Ein Kommentar von Jonathan Kreutner, Generalsekretär des jüdischen Dachverbands SIG

von Jonathan Kreutner  02.10.2026

Meinung

KI-Warnung: ehrlich oder eigennützig?

Wenn Künstliche Intelligenz wirklich so gefährlich zu werden droht, wäre nicht freiwillige Zurückhaltung, sondern internationale Kontrolle die richtige Antwort

von Elke Wittich  27.09.2026

Meinung

Wolfgang Benz, Stefanie Schüler-Springorum und das deutsche Zentrum für Antisemitismus-Leugnung

Ein Kommentar von JA-Chefredakteur Philipp Peyman Engel

von Philipp Peyman Engel  25.09.2026

Bern

Verantwortung lässt sich nicht neutralisieren

Die Schweiz debattiert anlässlich einer Volksabstimmung über ihre Neutralität. Ein Kommentar von JA-Schweiz-Korrespondentin Nicole Dreyfus

von Nicole Dreyfus  25.09.2026

Kommentar

Sprecht mit uns. Nehmt uns ernst

Herr Ramelow, die jüdische Gemeinschaft, die vor Judenhass warnt, ist nicht das Problem. Antisemitismus ist das Problem - insbesondere in Ihrer Partei

von Avitall Gerstetter  24.09.2026

Glosse

Ein Clan-Chef als Antisemitismusbeauftragter!

Warum Issa Remmo der »Linken« offiziell Persilscheine ausstellen und Arafat Abou-Chaker neuer Polizeipräsident in Berlin werden sollte

von Ayala Goldmann  22.09.2026