Rabbiner Andreas Nachama

Die Schoa war weltweit

Rabbiner Andreas Nachama Foto: imago/IPON

Mich hat die Formulierung der Gedenkgebete von Yad Vashem, wo von »den Lagern in Europa« die Rede ist, immer etwas irritiert. Denn es war ja bekannt, dass es auch außerhalb Europas Internierungen von Juden gab, in deren Folge Opfer zu beklagen waren. Nun hat Yad Vashem die Gebete ausgeweitet. Künftig wird nicht mehr ausschließlich der europäischen Opfer gedacht.

AFRIKA-EINSATZ Ein Blick in die von Israel Gutman im Auftrag von Yad Vashem 1989 herausgegebene Enzyklopädie des Holocaust weist Algerien, Libyen, Marokko und Tunesien als Länder aus, in denen die Wehrmacht oder deutsche Verbündete und Kollaborateure wie das Italien des Duce oder die Vichy-Regierung Frankreichs antijüdische Maßnahmen bis hin zu Internierungen in Lagern vornahmen.

Nordafrika war ein großer Kriegsschauplatz mit starker Beteiligung der Wehrmacht. Schließlich agierte da auch der SD, der mit staatlichen Weihen versehene »Sicherheitsdienst der NSDAP« im Reichssicherheitshauptamt, mit eigens für den Afrika-Einsatz modifizierten Uniformen, um jüdische Bewohner im deutschen Zugriffsbereich in Nordafrika für die Vernichtung zu erfassen.

In seiner berüchtigten Reichstagsrede vom 30. Januar 1939 drohte Hitler dem Judentum »innerhalb und außerhalb« Europas mit der »Vernichtung«.

So traurig wie die Geschichte der
Schoa ist, so wichtig ist es, sie
sich immer wieder neu anzueignen.

Aber mit der Geschichte und dem Begreifen historischer Umstände ist es wie mit dem Lesen der Tora: Ja, wir kennen den Text seit Jahrtausenden, und doch, jedes Mal, wenn wir ihn im Jahresrhythmus neu lesen, entdecken wir etwas Neues.

zivilisationsbruch So traurig wie die Geschichte der Schoa ist, so wichtig ist es, sie sich immer wieder neu anzueignen, denn noch längst kennen wir nicht die Namen aller Opfer und entdecken auch neue Sinnzusammenhänge dieses Zivilisationsbruchs.

Nicht zu vergessen und immer wieder neu zu entdecken, das sind wir den Opfern schuldig – und sei es wie jetzt durch Yad Vashem im Zuge der Weglassung einschränkender Territorialbezeichnungen. Denn die Schoa galt allen Juden, auch wenn die europäischen die größte Opfergruppe waren.

Der Autor ist Vorsitzender der Allgemeinen Rabbinerkonferenz und leitet die Stiftung Topographie des Terrors in Berlin.

Meinung

Knaulkorb für den Zentralrat

In einem »taz«-Kommentar von Susanne Knaul wird der Zentralrat der Juden und sein Präsident Josef Schuster aufgefordert, beim Thema Iran »einfach mal die Klappe« zu halten

von Michael Thaidigsmann  06.03.2026 Aktualisiert

Meinung

Der Iran, der Krieg und das Völkerrecht

Das Völkerrecht soll Menschen schützen. Wenn es zum Selbstzweck erhoben und höher gewichtet wird, als die Schicksale der Entrechteten, verliert es seinen Sinn

von Tobias Kühn  04.03.2026

Meinung

Wie die Kirche beim Thema Iran die Orientierung verliert

Ein Kommentar von Daniel Neumann

von Daniel Neumann  02.03.2026

Analyse

Geduld ist das Gebot der Stunde

Das iranische Regime hat in der Vergangenheit einen zermürbend langen Atem bewiesen. Auch nach der Tötung seines obersten Führers ist daher Demut und Weitsicht gefragt.

von Nathan Peres  02.03.2026

Kommentar

Die Kotel ist für alle da

Die Klagemauer könnte in Zukunft einzig vom orthodoxen Rabbinat verwaltet werden. Was als Schutz der Heiligkeit verkauft wird, wäre ein Angriff auf religiöse Vielfalt

von Sophie Goldblum  27.02.2026

Meinung

Was Layout verraten kann

Holger Friedrich hat die Ostdeutsche Allgemeine Zeitung auf den Markt gebracht. Bei der Gestaltung drängen sich merkwürdige Bilder auf. Welche Zielgruppe will er wohl erreichen?

von Marco Limberg  25.02.2026

Meinung

Xavier Naidoo hat allen etwas vorgemacht

Der Popstar hat gerade erst sein Comeback gegeben, da verbreitet er wieder antisemitisch konnotierte Verschwörungsmythen. Spätestens jetzt ist seine angebliche Läuterung ganz und gar unglaubwürdig geworden

von Ralf Fischer  23.02.2026

Kommentar

Eure Masche zieht nicht mehr!

Mittlerweile hat es sich selbst im Kulturbetrieb herumgesprochen, dass die Bigotterie der sogenannten pro-palästinensischen Aktivisten allzu durchschaubar ist, wenn Menschenrechte gepredigt und im gleichen Atemzug »Genozid« und »Boykott« geschrien wird

von Sophie Albers Ben Chamo  22.02.2026

Meinung

Endlich kehrt Ehrlichkeit in die Debatte über die UNRWA ein!

Der CDU-Antrag bringt auf den Punkt, was seit Jahren verdrängt wurde: Palästinensische Gewalt darf natürlich nicht als politisches Instrument akzeptiert werden

von Daniel Neumann  21.02.2026