Benjamin Steinitz

Der Schmerz bleibt

Benjamin Steinitz von der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS), Foto: picture alliance / Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/ZB

Die Lichtenberger Kiezkneipe »Morgen wird besser« wurde am 14. August durch einen Brandanschlag komplett zerstört. Dem vorangegangen waren jahrelange antisemitische Bedrohungen und Anfeindungen gegenüber dem jüdischen Besitzer und seinen Angestellten. 

Die rechtsextreme Bedrohung von Jüdinnen und Juden wurde nicht erst mit dem Terroranschlag auf die Synagoge in Halle deutlich. Gewalt und Antisemitismus sind schon immer zentrale Bestandteile neonazistischer Ideologien. Statistisch gesehen gehen auch in der Bundeshauptstadt die meisten bekannt gewordenen antisemitischen Vorfälle von Rechtsextremen aus.

ANGRIFFE Seit vielen Jahren kommt es in der sich als weltoffen und multikulturell verstehenden Stadt Berlin zu gezielten antisemitischen Angriffen auf jüdische Gewerbetreibende, die zu oft mit den finanziellen Konsequenzen alleingelassen werden.

Die auf die wirtschaftliche Existenz und ihre persönliche Integrität abzielenden Anfeindungen gegen Dieter T. aus Reinickendorf oder Yorai Feinberg aus Charlottenburg sind hierbei leider nur die bekanntesten Beispiele. Ersterer gab seinen Traum vom koscheren Supermarkt in Berlin auf und kehrte nach Israel zurück. Feinberg hat mittlerweile aufgehört, die Anfeindungen überhaupt anzuzeigen. Es sind einfach zu viele geworden. Nun also das »Morgen wird besser«.

Eine Spendenaktion der Kiezkneipe hat es in wenigen Tagen auf mehr als 7500 Euro gebracht.

Immerhin, am 18. August fanden sich unmittelbar vor der Kneipe mehrere 100 Personen zu einer Solidaritätsveranstaltung ein. Der Berliner Justizsenator und der Antisemitismusbeauftragte des Landes hielten dort Reden. Eine Spendenaktion der Kiezkneipe auf betterplace.me hat es in wenigen Tagen auf mehr als 7500 Euro gebracht.

Ob das ausreicht, um die Kneipe rasch wieder zu eröffnen, wage ich zu bezweifeln. Selbst wenn es die finanzielle Not lindert – der Schmerz über den offen ausgelebten und gewalttätigen Antisemitismus in Berlin 75 Jahre nach dem Ende der Schoa bleibt beim Besitzer und der jüdischen Community.

RECHTSEXTREME Da scheint es besonders makaber, dass fürs Wochenende bundesweit und international von Rechtsextremen zu Versammlungen gegen die angebliche »Corona-Diktatur« nach Berlin mobilisiert wird. In den vergangenen Monaten wurden im Kontext solcher Versammlungen immer offener antisemitische Bilder und Argumentationsmuster propagiert. Leider wird es morgen erst einmal nicht so schnell besser.

Der Autor ist Gründer und Leiter der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Berlin (RIAS).

Meinung

Orden für den Botschafter: Wie Leo XIV. Irans Regime aufwertet

Mit seinem Orden für den iranischen Botschafter beim Heiligen Stuhl verpasst der Papst den Menschen im Iran symbolisch einen Tritt in die Magengrube

von Michael Thaidigsmann  13.05.2026

Meinung

Was Sachsen-Anhalt im Herbst droht

Nach den aktuellen Umfragen ist eine Alleinregierung für die AfD zum Greifen nah. Was das allein für die Erinnerungspolitik bedeuten würde, konnte man zuletzt an der Reaktion der Landespartei auf den 8. Mai beobachten

von Mascha Malburg  13.05.2026

Kommentar

Warum Dieter Nuhr den Leo-Baeck-Preis gerade jetzt verdient hat

Dass der Zentralrat der Juden den Kabarettisten ehrt, sendet ein wichtiges Signal weit über die jüdische Gemeinschaft hinaus

von Ahmad Mansour  13.05.2026

Meinung

Wer definiert das Judentum?

Die Theologische Fakultät der Universität Freiburg im Üechtland verleiht dem messianischen Rabbiner Mark S. Kinzer die Ehrendoktorwürde. Das belastet das jüdische Verhältnis zu einem katholischen Partner

von Zsolt Balkanyi-Guery  12.05.2026

Essay

Warum ich Zionist bin

Heute ist Zionismus für viele ein Schimpfwort und gleichbedeutend mit Rassismus. Da muss eine Verwechslung vorliegen. Antizionismus ist Rassismus. Der Zionismus ist die selbstverständlichste Antwort auf zweitausend Jahre Verfolgung, Vertreibung und Völkermord

von Mathias Döpfner  12.05.2026

Medien

Kristin Helberg, der Hass auf Israel und der urdeutsche Wunsch nach Entlastung

Ein Kommentar von Jan Fleischhauer

von Jan Fleischhauer  10.05.2026

Kommentar

Wenn »schwarz auf weiß« nicht mehr genügt

Eine funktionierende Demokratie braucht freie Medien – aber vor allem glaubwürdige

von Roman Haller  10.05.2026

Meinung

»Boykottlisten« gegen »Zionisten«? Die 30er-Jahre lassen grüßen

Streit um eine Palästina-Halskette: Was wirklich im Berliner Café »The Barn« passierte, was das Café »Acid« damit zu tun hat und welche Rolle die Lokalpresse spielt

von Ayala Goldmann  08.05.2026

Essay

Wenn meine Töchter mich fragen

Am 8. Mai 1945 wurde der NS-Staat besiegt, aber nicht das Denken, das ihn ermöglicht hat. Der Hass wächst heute wieder. Werde ich meinen Kindern einmal sagen können, dass ich nicht geschwiegen, sondern widersprochen habe?

von Andreas Albrecht  08.05.2026