Mögen Sie Pilze? Ich liebe sie. Vor allem jene, die still im Schatten gedeihen: Morcheln, Steinpilze, Sorten mit eigenem Charakter und feiner Note. Doch wie im politischen Leben gilt auch im Wald: Nicht alles, was harmlos aussieht, ist bekömmlich. Manche Pilze wirken ehrlich, entpuppen sich jedoch als gefährlich.
In New York, jener Stadt, die schon alles gesehen hat, von XXL-Ratten zu King Kong und Immobilienmoguln als Präsidenten, ist ein Pilz besonderer Art ins Rathaus eingezogen: der Spaltpilz, lateinisch fungus divisivus. Im Wahlkampf präsentierte er sich wie ein Edelpilz aus dem Reformhaus: frisch, genießbar, wählbar.
Doch bei jüdischen New Yorkern offenbart sich der angebliche »Bürgermeister für alle« als bedenklich sortenrein. Nun darf der lupenreine Antizionist im scheinliberalen Gewand, amtlich provozieren, polarisieren und das antisemitische Dreifaltigkeits-Vokabular predigen: BDS, Genozid, Apartheid.
Seine Spaltpilz-Politik unterteilt Juden in rein oder unrein, gut oder böse. Jene mit zionistischer Würze sortiert er aus, als unrein, unbekömmlich, gefährlich. Ab dem 1. Januar dürfen offiziell Wissenschaftler, Schauspieler und Musiker mit zionistischer Würze boykottiert werden. Israels Politik wird folgerichtig nicht kritisiert, sondern kriminalisiert. Wen wundert es, dass er am ersten Amtstag jene Exekutivanordnung die International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA)-Definition kippte, die Antizionismus als antisemitisch definierte.
Wie jeder Mykologe weiß: Wer Gift für Geschmack hält, wacht selten ohne Übelkeit auf. Die Verwechslung ist menschlich. Die Bauchschmerzen sind real. Pilze, makellos außen, giftig innen, gehören nicht in die Küche. Und erst recht nicht ins Rathaus. Ein Spaltpilz ist nun mal kein Edelpilz.
Der Autor coacht Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik und Kultur. Zuletzt erschien von ihm das Buch »Der Blinde Fleck. Die vererbten Traumata des Krieges – und warum das Schweigen in den Familien jetzt aufbricht« (Heyne Verlag, 2025).
Anmerkung der Redaktion: Nach Zohran Mamdanis Amtsübernahme wurden außerdem Tweets vom offiziellen X-Account des Bürgermeisters gelöscht, die sein Vorgänger Eric Adams gepostet hatte. Darin hatte Adams den jüdischen Bürgern der Stadt Schutz vor Antisemitismus versprochen.