Sabine Brandes

Bibi, der »Putsch« und die Glaubwürdigkeit

Benjamin Netanjahu tut sich und Israel mit seiner Rhetorik keinen Gefallen

von Sabine Brandes  28.11.2019 11:54 Uhr

Sabine Brandes Foto: privat

Benjamin Netanjahu tut sich und Israel mit seiner Rhetorik keinen Gefallen

von Sabine Brandes  28.11.2019 11:54 Uhr

Er ist schon länger Premierminister, als Ben Gurion es je war. Keine Frage, dass Benjamin Netanjahu einen mehr als eindrucksvollen Werdegang als Politiker vorzuweisen hat. Doch das, was er nach der Verkündung der Anklagen gegen ihn sagte, wird nur wenige umgarnen. Schuld an seiner Misere sind für ihn nur die anderen: in erster Linie »die Linken«, die ihn so angeblich von der Macht putschen wollen.

BLAU-WEISS Tatsächlich aber hat die Zentrumsunion Blau-Weiß die Wahlen gewonnen. Zudem war Netanjahu bereit – und ist es nach eigenen Angaben immer noch –, mit ihnen zu koalieren. Unwahrscheinlich, dass er dies mit echten Putschisten tun würde.

Netanjahus Forderungen klingen eher nach denen eines Despoten als nach denen eines Ministerpräsidenten einer Demokratie.

Beschuldigungen umzukehren und die Polizei zu verunglimpfen, steht niemandem gut zu Gesicht. Dass Netanjahu Ermittlungen gegen die Ermittler fordert, klingt eher nach einem Despoten als nach dem Ministerpräsidenten einer stabilen Demokratie.

RÜCKKEHR Natürlich gilt der Grundsatz »im Zweifel für den Angeklagten« auch für einen Premierminister. Netanjahu hätte die Chance gehabt, seine Unschuld zu beweisen und im Amt zu bleiben. Präsident Rivlin und Blau-Weiß hatten ihm mehrfach vorgeschlagen, eine Einheitsregierung mit Rotation des Ministerpräsidentenamtes zu bilden und sich im Falle einer Anklage beurlauben zu lassen. Sollten sich die Beschuldigungen dann allesamt als unwahr herausstellen, hätte Netanjahu wieder auf dem Chefsessel Platz nehmen können.

Mit der Rede vom Putsch aber hat er sich keinen Gefallen getan. Er sollte sich für eine Weile zurückziehen und im Falle der Unschuld mit einem charmanten Lächeln wiederauftauchen. Stattdessen aber verlangt er, dass alle nur ihm glauben, während die anderen Lügner und Putschisten seien. Das ist zu viel. Imposanter Werdegang hin oder her.

Marian Offman

Affront in München: Als Jude ausgeladen

Mit ihrer Absage unterstellen die Veranstalter der Münchner Friedenskonferenz, Juden würden Antisemitismus provozieren

von Marian Offman  23.01.2020

Eva Umlauf

Gefühlserbschaften bearbeiten

Wir müssen über das Erlebte sprechen und es bewusst weitergeben – damit die jungen Menschen es heute verarbeiten können

von Eva Umlauf  23.01.2020

Stella Hindemith

Skrupelloses Spiel mit Emotionen

Mit seiner »Gedenkstele« ging es dem Zentrum für Politische Schönheit vor allem um eines: Aufmerksamkeitshascherei

von Stella Hindemith  21.01.2020

Meinung

Welche Farbe haben Juden?

Eine Replik auf Michael Wuligers Kolumne über jüdische »People of Color«

von Laura Cazés, Monty Ott  20.01.2020

Boris Moshkovits

Gleiche Maßstäbe für alle Israelis

Der Staat muss die Rechte und das Ansehen aller, die nach dem Rückkehrgesetz ankommen, schützen

von Boris Moshkovits  16.01.2020

Nicola Beer

EU-Staaten in die Pflicht nehmen

Was die von Judenhass betroffenen Menschen erleiden, sollte uns allen die Augen öffnen

von Nicola Beer  16.01.2020

Leonard Kaminski

Makkabi zu jeder Jahreszeit

Beim jüdischen Sportverein sind alle willkommen

von Leonard Kaminski  09.01.2020

Ayala Goldmann

8. Mai als Feiertag: Symbole reichen nicht

Wir sollten jetzt schon darüber nachdenken, was in den nächsten Jahren passieren soll

von Ayala Goldmann  09.01.2020

Martin Krauss

Wir neutralen Beobachter

Der Antiziganismus weist eine bemerkenswerte Ähnlichkeit zum Antisemitismus auf

von Martin Krauss  03.01.2020