Meinung

Berliner Zustände

Antonia Yamin Foto: Boaz Arad

Meinung

Berliner Zustände

Warum unsere Autorin Antonia Yamin wenig Hoffnung hat, dass die Behörden den Angriff auf einen israelischen Touristen ernst nehmen

von Antonia Yamin  09.08.2023 12:05 Uhr

Nie werde ich meinen ersten Kontakt mit der Berliner Polizei vergessen. Mitten in Neukölln hatten mich arabische Jugendliche mit Böllern angegriffen, während ich für einen israelischen TV-Sender drehte.

Als ich Anzeige erstattete, wurden mir von einem Beamten die unverschämtesten Fragen gestellt: »Sind Sie sicher, dass Sie nicht provoziert haben?«, »Was haben Sie in Ihrem Bericht gesagt?«, »Haben Sie sich gegen Araber ausgesprochen?«, »Ist Ihr Sender für oder gegen Netanjahu?«.

attacken Es war das Jahr 2018, zu diesem Zeitpunkt wurden in Deutschland immer wieder Juden auf der Straße angegriffen, aber für die Polizei musste es einen anderen Grund geben, mich zu attackieren. Für sie ergab es keinen Sinn, dass arabische Jungs so etwas tun, nur weil ich Hebräisch spreche. Die Ermittlungen wurden nach ein paar Monaten eingestellt, die Angreifer nie gefunden, obwohl ihre Gesichter im Video deutlich zu erkennen waren.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Seitdem wurden viele andere Juden auf deutschen Straßen ebenfalls von radikalen Muslimen und Neonazis attackiert. Am vergangenen Wochenende stand ich wieder einem Juden gegenüber, der angegriffen worden war. Der 19-jährige Israeli vor mir hatte einen geschwollenen Kiefer, seine Arme und Wangen zeigten noch die Spuren der Tat vom Vortag.

täter Mit zitternder Stimme schilderte er mir, wie drei arabisch aussehende Männer aus einem Auto stiegen und ihn brutal attackierten, nachdem er auf Hebräisch telefoniert hatte. Als sie mit ihm fertig waren, fuhren sie mit lauter arabischer Musik davon. Der Israeli schaute mich an und fragte, ob die Polizei die Täter schnappen würde. Ich schaute ihn an und schwieg.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Sollte ich ihm jetzt wirklich sagen, dass die Männer wahrscheinlich nie gefasst werden? Nach ein paar Sekunden antwortete ich: »In Deutschland werden Angriffe auf Juden ernst genommen.« Als ich dann im Taxi saß, fragte mich der Fahrer wie so oft: »Wo kommst du her?« »Mannheim«, antwortete ich schnell. »Israel« ist in Berlin keine gute Antwort.

Die Autorin ist Chefreporterin (TV) bei der »BILD«-Zeitung.

Meinung

Droht in Sachsen-Anhalt eine Allianz der Antisemiten?

In Sachsen-Anhalt könnte es zu einer Zusammenarbeit zwischen AfD und BSW, die potenziell gravierende Folgen hat für die jüdische Gemeinschaft

von Igor Matviyets  11.09.2026

Meinung

Wahlkampf in Israel: Schluss mit der Schlammschlacht!

Niemand erwartet, dass Politiker einander mit Samthandschuhen anfassen. Aber eine Wahl in einer Demokratie ist keine Realityshow voller Gekreische

von Sabine Brandes  10.09.2026

Meinung

Gesundheitswesen: Was Deutschland von Israel lernen könnte

Israels Erfolg bei der Digitalisierung des Gesundheitssektors ist kein Hightech-Geheimnis, sondern das Ergebnis klarer politischer Führung

von Jacques Abramowicz  10.09.2026

Kommentar

Warum der Börsenverein des Deutschen Buchhandels nie wieder »Nie wieder!« sagen sollte

Wer Antisemitismus nur dort bekämpft, wo es bequem ist, bekämpft ihn nicht – und wer wie im Fall Maha El Hissy konkrete Vorwürfe nicht ernsthaft prüfen will, sollte aufhören, zu erklären, wie ernst er diesen Kampf nimmt

von Andreas Büttner  09.09.2026 Aktualisiert

Meinung

Wie London die Verweigerungshaltung der Palästinenser belohnt

Mit ihren Sanktionen gegen israelische Siedlungen will die britische Regierung im Nahost-Konflikt einer Zwei-Staaten-Lösung näher kommen. Doch sie zeigt vor allem: Verhandeln lohnt sich nicht, Blockade und Terror aber sehr wohl

von Daniel Neumann  08.09.2026

Meinung

Die Wähler sind selbst schuld

Die AfD macht die etablierten Parteien verächtlich und höhlt so die Demokratie aus. Doch die eigentliche Verantwortung für die Misere trägt der Souverän

von Michael Thaidigsmann  08.09.2026

Kommentar

Und nun?

Bloße Empörung über den Wahlsieg der rechtsextremen AfD ist billig und wohlfeil. Es sollte vielmehr über die Gründe ihrer Popularität gesprochen werden. Die Parteien der Mitte müssen endlich aufwachen

von Philipp Peyman Engel  07.09.2026

Kommentar

Warum es eine Brandmauer gegen die Linkspartei braucht

Wenn eine Brandmauer nur auf einer Seite steht, brennt es von der anderen rein. Über diese offene Seite müssen wir reden

von Nelly Eliasberg  06.09.2026

Kommentar

Wladimir Putin setzt auf unsere Langsamkeit

Konsulatsschließungen fangen keine Drohnen ab, Sanktionen schützen keinen Flughafen. Deutschland muss gegenüber Russland endlich eine härtere Gangart einschlagen

von Sergey Lagodinsky  04.09.2026