Meinung

Berlin: Mordaufruf am Campus

JSUD-Vizepräsidentin Alexandra Krioukov Foto: Elias Keilhauer

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Berlin: Mordaufruf am Campus

In unmittelbarer Nähe der Humboldt-Universität wurde der bei einem antisemitischen Anschlag ermordete Yaron Lischinsky verhöhnt. Für jüdische Studierende wird der Raum, in dem sie angstfrei existieren können, immer kleiner

von Alexandra Krioukov  30.05.2025 09:58 Uhr

Seit fast zwei Jahren fordern Menschen auch auf deutschen Campus: »Globalize the Intifada«, also die weltweite Verbreitung des Hamas-Terrors. Aus demselben ideologischen Wahn heraus haben Unbekannte nahe der Berliner Humboldt-Universität, wo ich studiere, Plakate des zwei Tage zuvor getöteten Yaron Lischinsky aufgehängt.

Der junge Mann wurde erschossen, als er nach einem Event des American Jewish Committee (AJC) das jüdische Museum in Washington verließ. Auf dem Plakat wird er mit dem roten Hamas-Dreieck als Feind markiert, darunter der Schriftzug: »Make Zionists Afraid«. Jeder, der Israels Existenz unterstützt, ist damit gemeint. Das ist Mordaufruf, Terrorverherrlichung und -reproduktion.

Leidtragende sind vor allem die jüdischen Studierenden. Wir verlieren immer mehr das Sicherheitsgefühl.

Leidtragende sind vor allem die jüdischen Studierenden. Wir verlieren immer mehr das Sicherheitsgefühl; der Raum, in dem wir angstfrei existieren können, wird kleiner. Das geht mit einer schwer zu ertragenden Isolation einher – dem Gefühl, von der Welt im Stich gelassen zu werden. Während sich die jüdische Gemeinschaft mit dem Ruf nach ihrer Vernichtung konfrontiert sieht, ist der Rest der Gesellschaft noch viel zu leise.

Auch meine Universität. Ihre Reaktion auf die Plakate ist bisher unzureichend. Und doch: Zahlreiche wohlwollende Einzelne an der Universität tun viel für jüdische Studierende. Ihr Einsatz droht aber zunichtegemacht zu werden durch diese barbarische Plakat-Aktion, die bewusst an dem Ort durchgeführt wurde, an dem Demokratinnen und Demokraten gebildet werden sollen. Die Universität wird so zum Austragungsort einer ideologischen Schlacht.

Wer für die Demokratie einsteht, muss sich gegen diese Instrumentalisierung wenden. Wir jüdische Studierende werden das weiterhin tun – uns bleibt keine andere Wahl. Jetzt ist es an der Zeit, dass mehr Nichtbetroffene endlich aufwachen und erkennen, dass es auch um ihre Demokratie geht.

Die Autorin ist Vizepräsidentin der Jüdischen Studierendenunion Deutschland (JSUD).

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