Sabine Brandes

Am besten lautstark und mit Daffke

Sabine Brandes Foto: privat

Sabine Brandes

Am besten lautstark und mit Daffke

Die Regierung in Jerusalem gibt Frauenhassern offenbar Auftrieb. Dagegen muss protestiert werden

von Sabine Brandes  05.09.2023 07:33 Uhr

Im Jahr 1995 machte Alice Miller es möglich: Nach ihrer Petition erlaubte es der Oberste Gerichtshof Frauen, Pilotinnen in der israelischen Armee zu werden. »Sie haben das Recht auf Chancengleichheit«, urteilten die Richter damals.

Heute gibt es Frauen in fast allen Einheiten der israelischen Armee. 2007 veröffentlichte das Segev-Komitee, das mit der Festlegung des Frauen-Militärdienstes beauftragt war, seinen Bericht. »Die Fähigkeiten von Männern und Frauen sollen auf identische Weise im Dienst genutzt werden«, stand dort geschrieben: »Keine Positionen oder Einheiten dürfen kategorisch verschlossen bleiben.«

armee 2017 waren es schon mehr als 2500 Frauen, die zu Bodenkampfeinheiten gehörten. Im Vergleich dazu dienen heute insgesamt nicht mehr als 1200 streng religiöse Männer in der israelischen Armee. Frauen sind in Israel weit gekommen. Das Militär war und ist eine der Institutionen, die dies unterstützt.

Vor wenigen Wochen verlangten religiöse Soldaten in einer Armeebasis für Grundausbildung, bekannt als Machane 80, dass Soldatinnen still sein sollen. Sie hatten in der Küche gearbeitet, Musik gehört und mitgesungen. Das Radio wurde ausgeschaltet.

Nicht mehr singen, aber das Land verteidigen? Hinten im Bus sitzen, aber Vollzeit arbeiten und Kinder erziehen? Ganz bestimmt nicht!

Nicht mehr singen, aber das Land verteidigen? Hinten im Bus sitzen, aber Vollzeit arbeiten und Kinder erziehen? Ganz bestimmt nicht! Die rechtsextreme Regierung in Jerusalem gibt Frauenhassern offenbar Auftrieb, sodass sie jetzt öfter ihren Mund aufreißen und uns zurück in die Küchen scheuchen wollen.

kundgebung Ich bin mir sicher, dass es sich dabei um eine kleine Zahl von frauenfeindlichen Extremisten handelt. Gleichwohl meine ich: Es muss dagegen protestiert werden. Am besten lautstark und mit Daffke. So wie die Demonstranten, die noch am selben Abend vor der Armeebasis eine Kundgebung abhielten.

Meine Tochter hat ihren Armeedienst längst beendet. Doch sie kann sich noch gut an ihre Grundausbildung in Machane 80 erinnern. Und auch daran, wie sie bis tief in die Nacht mit ihren Kameradinnen die Küche putzte. Und wie Musik dabei wohlverdiente Aufmunterung und Durchhalteparole war. Sie will demnächst noch einmal hinfahren. Um zu singen.

Die Autorin ist Israel-Korrespondentin der Jüdischen Allgemeinen.

Kommentar

Antisemitismus im »Safe Place«: Die Kunstakademie Düsseldorf macht’s möglich

Eine Kunstakademie sollte Räume für kritisches Denken öffnen - aber nicht für Ideologien, die Menschenfeindlichkeit salonfähig machen

von Nicole Dreyfus  02.02.2026

Meinung

Antisemitismus auf Sendung

RTL zeigte ein Video zu einem »Betrüger-Gen« von Gil Ofarim – ausgerechnet am Holocaust-Gedenktag. Nun wird das Video offline genommen. Doch das ist nur das Minimum an Konsequenzen

von Ayala Goldmann  03.02.2026 Aktualisiert

Meinung

Teilzeit ist kein »Lifestyle«

Der Wirtschaftsflügel der CDU und Bundeskanzler Merz wollen, dass die Deutschen mehr arbeiten. Sie missachten damit die vielfältigen Lebenswirklichkeiten der Menschen

von Günter Jek  02.02.2026

Meinung

Warum der Begriff »Davidstern-Skandal« unpassend ist

Die Formulierung beschreibt den Vorfall nicht nur falsch, sie deutet ihn auch als ein jüdisches Vergehen

von Martin Krauß  30.01.2026

Meinung

Warum es auch schwerfällt, die gelbe Schleife abzulegen

Zwei Jahre und drei Monate lang haben Menschen auf aller Welt mit der gelben Schleife ihre Solidarität mit den am 7. Oktober 2023 nach Gaza verschleppten Geiseln gezeigt. Nun können wir sie endlich ablegen

von Sophie Albers Ben Chamo  29.01.2026

Meinung

Die Täter müssen sich schämen

Ein Missbrauchsskandal erschüttert derzeit die jüdische Gemeinschaft Deutschlands. Wer solche Taten besser verhindern will, muss Betroffene in die Lage versetzen, angstfrei über ihre schrecklichen Erfahrungen sprechen zu können

von Daniela Fabian  29.01.2026

Meinung

Wenn Entwicklungspolitik Hamas-Propaganda übernimmt

Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD) tätigt faktisch falsche Aussagen und übernimmt zentrale Narrative der palästinensischen Terrororganisation. Und dies ist nur die Spitze des Eisberges

von Sacha Stawski  29.01.2026

Meinung

Was würden Saba und Safta sagen?

Sie würden uns zurufen: »Wehrt euch gegen diesen Hass! Schließt euch mit denen zusammen, die in Deutschland bisher schweigen, aber dennoch die Mehrheit darstellen«

von Avitall Gerstetter  28.01.2026

Kommentar

Ein Schmock kommt selten allein

Im »Dschungelcamp« scheint Gil Ofarim in bester Gesellschaft. Doch was hat er aus seiner Lüge in der »Davidstern-Affäre« gelernt?

von Ayala Goldmann  27.01.2026