Kino

Zwischen Tollpatschigkeit und Teamgeist

Das Team, auf das Trainer Thomas Rongen trifft, ist weit von einer professionellen Fußballmannschaft entfernt. Foto: © 2022 20th Century Studios

Die kleine Insel Amerikanisch-Samoa hält einen unliebsamen Rekord: Mit 31 zu 0 kassierte das Nationalteam des US-Außengebiets gegen Australien die höchste Niederlage in einem offiziellen Fußballwettbewerb. Inspiriert von der wahren Geschichte erzählt »Jojo Rabbit«-Regisseur Taika Waititi in seiner neuen, gefälligen Komödie »Next Goal Wins«, wie das dauernd verlierende Team trotzdem zur Qualifikation für die Weltmeisterschaft antritt. Alle Hoffnung hängt an einem cholerischen Coach aus den USA, dessen Rolle Michael Fassbender nach längerer Leinwandpause übernimmt.

Als der neue Trainer Thomas Rongen auf der Insel im Südpazifik ankommt, zieht er nicht nur einen kaputten Rollkoffer, sondern auch eine Reihe privater Probleme hinter sich her. Diese spicken Waititis farbenfrohen Feelgood-Streifen vereinzelt mit dramatischen Momenten. Das von ihm mitverfasste Drehbuch basiert auf dem gleichnamigen Dokumentationsfilm aus dem Jahr 2014.

Das Team, auf das Rongen trifft, ist weit von einer professionellen Fußballmannschaft entfernt. Die Spieler schießen regelmäßig am Tor vorbei und sind schnell aus der Puste. Das gibt reichlich Stoff für lustige Szenen. Passend dazu sind die einzelnen Charaktere oft überspitzt dargestellt, was sie dafür aber weniger authentisch erscheinen lässt.

Um Fußball geht es bei »Next Goal Wins« kaum. Regisseur Waititi sagt: »Ich habe mich darauf eingelassen, ohne etwas über Fußball zu wissen. Und am Ende des Films wusste ich noch weniger.«

»Ein Tor« ist das bescheidene Ziel der Gruppe für die WM-Qualifikation. Der schrullige, überoptimistische Präsident des Fußballverbands - dargestellt von Oscar Kightley - wiederholt es mantraartig, vor allem gegenüber dem Neuankömmling aus den USA. Nach den ersten Trainings hat dieser aber schon keine Lust mehr auf den Job. Oft schreit Rongen wütend herum und hat fast immer einen Pappbecher in der Hand, in den er Fläschchen mit Hochprozentigem kippt.

Es fällt auf, dass Fassbender nicht der typische Komödienschauspieler ist. Die Filme vor seiner mehrjährigen Auszeit von der Leinwand - in der der 46-Jährige sich übrigens als Rennfahrer betätigt hat - sind eher düster. Auch seine zweite neue Produktion, »The Killer«, ist als Action-Thriller keine leichte Kost. In seiner Hauptrolle in »Next Goal Wins« wirkt der in Deutschland geborene Ire daher manchmal zu ernst - auch wenn seine Figur tatsächlich eine traurige Familiengeschichte in sich trägt.

Über die meisten Spieler aus seinem Team erfahren wir kaum etwas, genauso wie über ihre Beziehung untereinander. Hier konzentriert sich der Film auf Jaiyah, die biologisch männlich geborene, aber als Frau lebende Abwehrspielerin. In der Kultur Amerika-Samoas heißt dieses Geschlecht »Fa’afafine« und ist in der Gesellschaft voll akzeptiert. Gespielt wird die Rolle von Kaimana, die eine bemerkenswerte Leistung abliefert. Es ist schön, wie eine größere Filmproduktion die Kultur der kleinen Insel ins Bewusstsein des Publikums rückt.

Ein weiteres Gesicht, dass die Zuschauenden öfter sehen, ist das von Elisabeth Moss (»The Handmaid’s Tale«), die Rongens Ex-Frau spielt. Auch Will Arnett (»Arrested Development«) ist mit von der Partie und übernimmt eine ursprünglich für Armie Hammer gedachte Rolle. Der US-Schauspieler hatte eine Reihe von Projekten wegen Missbrauchsvorwürfen verlassen. Vergangenen Juni verkündete die Staatsanwaltschaft in Los Angeles aber, aus Mangel an Beweisen keine Anklage gegen ihn zu erheben.

Um Fußball an sich geht es bei »Next Goal Wins« kaum. In einem Trailer zu der Komödie sagt Regisseur Waititi selbst: »Ich habe mich darauf eingelassen, ohne etwas über Fußball zu wissen. Und am Ende des Films wusste ich noch weniger.«

Die Gags sind simpel und wirken oft schlicht aneinandergereiht, aber sie entlocken dem Publikum durchaus den ein oder anderen Lacher oder Schmunzler. »Next Goal Wins« ist sehr unterhaltsam, bleibt aber auch oberflächlich. Trotzdem fiebert man am Ende mit dem Fußballteam mit, ob es tatsächlich mit dem herbeigesehnten Tor klappt - denn Waititi nimmt sich die künstlerische Freiheit, die wahre Geschichte nicht bis ins kleinste Detail nachzuerzählen.

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