Geschichte

Zwischen den Stühlen

Als die nationalsozialistische Rassenideologie während des Dritten Reiches grausam in die Praxis umgesetzt wurde, hat man zahlreiche Menschen, die sich entschieden zum Christentum bekannten, als Juden verfolgt. Die Geschichte dieser Personen jüdischer und teiljüdischer Herkunft – man sprach damals von »Halbjuden« – war vor zwei Jahren Gegenstand einer Konferenz. Dieser Tagung in der Evangelischen Bildungsstätte auf Schwanenwerder in Berlin verdanken wir das Erscheinen einer sehr informativen Publikation, der eine Video-Dokumentation eines Zeitzeugengesprächs beigefügt ist.

Den Herausgeberinnen des Bandes, der evangelischen Theologin Brigitte Gensch und der Erziehungswissenschaftlerin Sonja Grabowsky, ist es gelungen, in ihrer Einleitung jeden der 18 Beiträge in wenigen Zeilen zusammenzufassen. Natürlich können solche Zusammenfassungen die Lektüre der einzelnen Texte nicht ersetzen. So wie ein Filmtrailer uns die Entscheidung erleichtert, welche Kinoproduktion wir uns anschauen wollen, so können die Referate in der Einleitung uns bei der Auswahl der Texte, die wir uns zu Gemüte führen, eine Hilfe leisten. Denn wer liest schon einen Tagungsband (oder eine Festschrift) von der ersten bis zur letzten Seite?

Identitätsprobleme Das neue Buch verdient deshalb Beachtung, weil es hochinteressante Themen zur Sprache bringt, die unpopulär sind und daher oft übersehen werden. Das gilt sowohl für bestimmte historische Sachverhalte als auch für psychologische Fragestellungen. Wie Identitätsprobleme von Personen aus Familien mit jüdisch-christlichem Hintergrund aussehen, erfahren neben den Angehörigen sonst nur Sozialarbeiter und Psychotherapeuten. Es ist erstaunlich, welche generationsübergreifenden Nachwirkungen die »alten Geschichten« manchmal haben. Dokumentiert werden mehrere ungewöhnliche Schicksale; der Leser wird durch diese Falldarstellungen für die Lage von Menschen sensibilisiert, die sich zwischen den Stühlen befinden. Der Rückblick in eine finstere Vergangenheit führte bei nicht wenigen zu einem produktiven Zorn, zu einem nachhaltigen Engagement für die Schwachen und Verfolgten.

Brigitte Gensch und Sonja Grabowsky (Hrsg.): Der halbe Stern. Verfolgungsgeschichte und Identitätsproblematik von Personen und Familien teiljüdischer Herkunft. Psychosozial-Verlag, Gießen 2010, 299 S. mit DVD, 29,90 €

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Katrin Richter, Imanuel Marcus  06.08.2026

London

Schwinden die Chancen auf einen jüdischen James Bond?

Seit Jahren wird darüber spekuliert, wer der neue 007 wird. Wenn es nach Produzentin Amy Pascal geht, fällt die Entscheidung bald. Stehen die Chancen für Aaron Taylor-Johnson weiterhin gut?

 06.08.2026

Kulturkolumne

Es gibt keine blöden Fragen

Die schmerzhafte Erinnerung an eine Gerechte

von Laura Cazés  06.08.2026

Theater

Abschied vom Ich

Jossi Wieler bringt Peter Handkes Stück »Schnee von gestern, Schnee von morgen« bei den Salzburger Festspielen zur Uraufführung

von Nicole Golombek  06.08.2026

Zahl der Woche

4 Etagen

Fun Facts und Wissenswertes

 05.08.2026

Programm

Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 6. August bis zum 13. August

 05.08.2026

Meinung

Danke, Boy George!

Wie die 80er-Jahre-Ikone gegen alle Widerstände für Israel eintritt, verdient unseren Dank

von Sophie Albers Ben Chamo  05.08.2026

Potsdam

Forschung zu NS-Geschichte von Naturwissenschaften

International bekannte Forschungsinstitute haben ihren Sitz auf dem Potsdamer Telegrafenberg. Ihre Vorgeschichte insbesondere in der NS-Zeit wird nun Thema eines Wissenschaftsprojekts

 04.08.2026

Film-Klassiker

So wurde »Stand by Me« der beste Jugendfilm der Geschichte

Vier Jungs suchen Ende der 50er in der US-Provinz eine im Wald liegende Leiche. Der Kult-Film ist zum 40. Jubiläum nun etwa auch beim ZDF im Stream. Mit welchen Tricks Regisseur Rob Reiner arbeitete

von Gregor Tholl  04.08.2026