Potsdam

Zehn Tage Kino

Mit einer Gala ist am Sonntagabend das 21. Jüdische Filmfestival Berlin & Potsdam eröffnet worden. Mehr als 500 Gäste nahmen an der Feier unter dem Motto »Lecker Film« im Hans Otto Theater teil.

»Die Barmizwa hat das Festival schon lange hinter sich, die Volljährigkeit seit drei Jahren, nun wird es so langsam erwachsen«, sagte Festivalleiterin Nicola Galliner. »Humorvoll, bissig und provokativ werden wir aber auch weiterhin bleiben.«

grusswort Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) betonte in seinem Grußwort, dass die diplomatischen Beziehungen zwischen Israel und Deutschland, die sich in diesen Tagen zum 50. Mal jähren, »nicht weniger als ein Wunder sind«. Fast auf den Tag genau 70 Jahre nach Kriegsende sei es alles andere als selbstverständlich, dass Deutschland und Israel politisch und freundschaftlich inzwischen eng verbunden seien.

»Das Jüdische Filmfestival ist ein wichtiger Teil des lebendigen Austauschs. Es schafft mit seinen Filmen aber noch etwas anderes: Es macht die Menschen in Deutschland neugierig auf die vielen Facetten des Judentums«, sagte Steinmeier. »Und es sendet damit eine wunderbare Botschaft in diesem Jubiläumjahr: die Botschaft, dass jüdisches Leben blüht, auch hier in Deutschland!«

Impulse Israels Botschafter Yakov Hadas-Handelsman sagte, dass das Festival einen wichtigen Beitrag innerhalb der israelisch-deutschen Kulturbeziehungen leiste. »Mich freut es sehr, dass die Filmtage von Anfang an israelische Werke im Programm hatten. Innerhalb unserer Beziehungen sorgte und sorgt besonders der kulturelle Austausch immer wieder für neue inspirierende und bereichernde Impulse.«

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hob in seiner Ansprache hervor, wie wichtig Veranstaltungen wie das Jüdische Filmfestival »zum Verständnis fremder Welten sind«. Das Festival bringe den Zuschauern Jahr für Jahr die jüdische Kultur und das jüdische Leben näher.

»Die Filme regen zum Nachdenken an, sie halten dem Leben den Spiegel vor«, sagte Woidke. »70 Jahre nach dem Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus hat das Festival einen festen Platz in der deutsch-jüdischen Gegenwart.«

drama Im Anschluss an die Eröffnung wurde Paul Andrew Williams’ Drama The Eichmann Show gezeigt. Der Film thematisiert den wohl spektakulärsten und bedeutungsschwersten Prozess der Nachkriegszeit: die Anklage gegen den NS-Verbrecher Adolf Eichmann 1961 in Jerusalem. Der Prozess wurde in 37 Ländern im Fernsehen übertragen.

In dem Dokudrama wird das Gerichtsverfahren aus der Perspektive des amerikanischen Filmteams um Produzent Milton Fruchtman (Martin Freeman) und Regisseur Leo Hurwitz (Anthony LaPaglia) gezeigt, das nach Jerusalem aufbrach, um die Welt an diesem Ereignis teilhaben zu lassen.

Mithilfe von Spielfilmszenen und Originalaufnahmen aus dem Gerichtssaal fängt die BBC-Produktion auf spannende wie authentische Weise die historische Bedeutung des Prozesses ein.

programm Das Jüdische Filmfestival Berlin & Potsdam endet am 20. Mai und macht als größte Veranstaltungsreihe für jüdische und israelische Filme in zehn Berliner und Brandenburger Kinos Station. Dabei werden insgesamt 33 Filme in mehr als 50 Aufführungen internationaler Filmemacher gezeigt.

Highlights sind unter anderem Filme über eine New Yorker Hot-Dog-Dynastie (Famous Nathan), über drei ungarische Schach-Großmeisterinnen (The Polgar Variant) und über die jüdische Mädchenschule in der Berliner Auguststraße (Ahawah – Die Kinder der Auguststraße).

www.jffb.de

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