Pop-Kultur-Festival

»Widerlich und inakzeptabel«

Ziel von BDS ist es, durch gezielte Boykottaufrufe Israel international zu isolieren und als angeblichen »Apartheidstaat« zu diffamieren. Foto: Gregor Zielke

Mit scharfer Kritik haben Spitzenpolitiker auf erneute Aufrufe der israelfeindlichen BDS-Bewegung reagiert, das Berliner Pop-Kultur-Festival zu boykottieren. »Ich halte BDS für eine antisemitische Strömung, deren Aktivitäten ich scharf verurteile«, sagte der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, im Gespräch mit der Jüdischen Allgemeinen.

»Mit ihren Boykott-Forderungen gegenüber Israel agiert sie mit Argumentationsmustern aus der Nazizeit, die schlichtweg unerträglich sind«, so Klein weiter. Die Organisatoren des Festivals rief er dazu auf, sich nicht von den Aufrufen der BDS-Kampagne (Boycott, Divestment and Sanctions) beeindrucken zu lassen. »Die Boykott-Aufrufe der betreffenden Künstler sind inakzeptabel.«

Gaza Vergangene Woche hatte der britische Musiker Richard Dawson sein Konzert beim Pop-Kultur-Festival in Berlin abgesagt. Als Begründung führte er die Reaktion der israelischen Regierung auf die jüngsten Proteste im Gazastreifen an. Bei den überwiegend gewalttätigen Demonstrationen wurden laut Auskunft der Terrororganisation Hamas über 50 Hamas-Anhänger getötet. Mit seiner Konzertabsage wolle er ein Zeichen gegen die seiner Ansicht nach unverhältnismäßige Reaktion Israels setzen, sagte Richard Dawson.

»Wenn mein Auftritt beim Festival Pop-Kultur auch nur die geringste Unterstützung für eine solche Regierung bedeuten würde, könnte ich es nicht mit meinem Gewissen vereinbaren, meine Musik oder meinen Namen dafür herzugeben«, sagte der britische Folkmusiker. Die britische Band Shopping sowie auch die Gruppe Gwenno folgten ebenfalls dem BDS-Aufruf und sagten ihre Auftritte ab.

Die Israelische Botschaft unterstützt das Festival mit einer Unterkunfts- und Reisekostenbeteiligung von 1200 Euro; insgesamt drei Gruppen aus Israel werden bei der diesjährigen Veranstaltung auftreten. Wie bereits im vergangenen Jahr haben BDS und PACBI (Campaign for the Academic and Cultural Boycott of Israel) jüngst zum erneuten Boykott des Festivals aufgerufen. In E-Mails forderten sie die Festivalleitung auf, die Zusammenarbeit mit der Israelischen Botschaft einzustellen, die Unterkunfts- und Reisekostenbeteiligung zu streichen sowie das Logo der Botschaft von der Festival-Website zu löschen.

syrien Im vergangenen Jahr beteiligten sich zahlreiche Künstler an der BDS-Aktion. Zunächst waren es hauptsächlich arabische Musiker wie der Rapper Abu Hajar oder der syrische DJ Hello Psychaleppo. In der Folge beteiligten sich auch viele Künstler aus Großbritannien. Die Boykott-Aktion sorgte in Politik und Medien wochenlang für kontroverse Diskussionen.

Massive Kritik an BDS und den Absagen äußert auch Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU). »Der Boykott-Aufruf des BDS ist, was er auch im letzten Jahr war: unerträglich und inakzeptabel«, sagte die CDU-Politikerin auf Anfrage der Jüdischen Allgemeinen. »Israel-Bashing – aus welchen Gründen auch immer – hat hier keinen Platz, es ist zutiefst bedauerlich, dass sich Künstler von BDS instrumentalisieren lassen.«

Ebenso deutlich äußerte sich Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Die Linke). »Dieser Aufruf war im vergangenen Jahr widerlich und inakzeptabel – und er ist es in diesem ebenso.« BDS operiere mit Boykottaufrufen und massiver Beeinflussung von Künstlern, verbreite Unwahrheiten und schlicht Hass, sagte der Politiker dieser Zeitung. »Wer dies tut, muss sich Antisemit nennen lassen – und mit unserem entschlossenen Widerstand klarkommen.«

Einschüchterung Das Festival will sich unterdessen durch die Boykottaufrufe nicht einschüchtern lassen. An der Kooperation mit der israelischen Botschaft und Künstlern aus dem jüdischen Staat werde selbstverständlich festgehalten, teilten die Organisatoren mit. »Das Nicht-Auftreten, der Boykott, ist nicht unsere Entscheidung. Wir sind jederzeit offen für einen konstruktiven Dialog.« Die Organisatoren verurteilten die Ziele und die Methoden der BDS-Bewegung.

Die BDS-Bewegung wurde im Jahr 2005 auf den Aufruf von über 170 palästinensischen Nichtregierungsorganisationen hin ins Leben gerufen. Ihr Ziel ist es, durch gezielte Boykottaufrufe Israel international zu isolieren und als angeblichen »Apartheidstaat« zu diffamieren. Dabei hat sie sowohl israelische Firmen und Institutionen als auch Wissenschaftler und Künstler im Visier.

Das Berliner Pop-Festival wird durch die Senatsverwaltung für Kultur und Europa des Landes Berlin, aus Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) sowie aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert. Es findet in diesem Jahr vom 15. bis 17. August statt. Das Programm umfasst rund 100 Konzerte, Workshops, Lesungen, Ausstellungen und Filme.

Bayern

Warum Bayreuths große Pläne zum Festspieljubiläum scheitern

Schon Richard Wagner kämpfte mit Schulden und Geldproblemen. Doch dereinst sprang Bayernkönig Ludwig II. ein. Im Jubiläumsjahr 2026 ist es komplizierter

von Kathrin Zeilmann, Britta Schultejans  16.06.2026

Bayern

»Das ist in einer Demokratie Tod durch Selbstmord«

Eigentlich sollte Michel Friedman bei einer Gedenkveranstaltung zu 150 Jahren Bayreuther Festspiele sprechen. Doch die Veranstaltung wurde aus Sicherheitsgründen abgesagt. Dafür findet er deutliche Worte

 16.06.2026

Zahl der Woche

1 Mal

Funfacts & Wissenswertes

 16.06.2026

Halacha

Deutsch-jüdischer Leuchtturm

Die Berliner Studien zum Jüdischen Recht feiern ihr 30-jähriges Bestehen an der Humboldt-Universität

von Detlef David Kauschke  16.06.2026

»Imanuels Interpreten« (22)

Herbie Mann: Der Klangsetzer

Herbie Manns Motto: »Wenn du die Musik von jemandem spielen willst, gehe zu ihm nach Hause.« Er setzte dies um, hatte dann aber die Jazz-Polizei am Hals

von Imanuel Marcus  16.06.2026

In eigener Sache

Jüdische Allgemeine depubliziert Texte von Stephan-Andreas Casdorff

Die Prüfung mit spezialisierter Software legt Nahe, dass zwei Kommentare des »Tagesspiegel«-Editor-at-Large in dieser Zeitung von einer KI geschrieben wurden

 15.06.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der Jüdischen Welt

von Imanuel Marcus, Katrin Richter  15.06.2026

Kolumne

»Ich bin bloß eine Regenwolke!«

Von Winni Puch bis Tscheburaschka: Wie sowjetische Trickfilme gegen Antisemitismus helfen

von Eugen El  14.06.2026

Glosse

Der Rest der Welt

Erst Kurt Krömer, dann Modi Rosenfeld: Shoppen und lachen

von Katrin Richter  14.06.2026